Job-Profil: Wie ist das Leben als Schuhmacher, Herr Rhöse?

Schuhmacher Enrico Rhöse in seiner Werkstatt in Jena. Hier repariert er vor allem hochwertige Schuhe, fertigt aber auch Taschen an.
 
Schuhmacher Enrico Rhöse beim Benageln von Schuhen.

50 Schuhmacher gab es vor der Wende in Jena. Heute sind es höchstens acht. Einer von ihnen ist Enrico Rhöse.

„Ich wollte als Jugendlicher meine eigenen Schuhe bauen“, begründet Enrico Rhöse seine Berufswahl. Woher diese Leidenschaft fürs Schuhwerk kommt, kann er nicht genau erklären. Aber sie hat ihn noch immer im Griff. Auch wenn sich vieles in seinem Handwerk verändert hat.

„Als ich 1989 gestartet bin, war Schuhmacher ein hoch angesehener Beruf“, erinnert sich Rhöse. „Zu dieser Zeit wurde ja alles repariert.“ Die Nachfrage war so hoch, dass der private Handwerksmeister, bei dem er in die Lehre ging, nur zwei Mal in der Woche geöffnet hatte. „Die anderen Tage haben wir komplett durchgearbeitet.“

Noch heute repariert Rhöse täglich Schuhein seinem kleinen Ladengeschäft im Jenaer Stadtzentrum, auch wenn die Aufträge deutlich weniger geworden sind. In der Werkstatt ersetzt er Absätze und Sohlen, steppt neue Nähte, tauscht Lederteile aus. Es sind vor allem hochwertige Schuhe, die zum Schuhmachermeister gebracht werden. In einer Unistadt wie Jena spielt oft auch Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle: reparieren statt neu kaufen, um Ressourcen zu sparen.


Collegetaschen werden nachgebaut


Oft drängt auch der Wunsch nach Individualität die Kunden ins Geschäft. Erst kürzlich hat Rhöse bei Schuhen den Schaft gekürzt, damit die Kundin ihre Wunschschuhe bekam.

Zudem kürzt er Gürtel und bessert Taschen auf. Vor allem Studenten hängen ihr Herz an die Collegetaschen ihrer Eltern und Großeltern. „Ich mache, was geht. Manchmal kann man sie aber kaum noch reparieren. Dann biete ich an, das Modell nachbauen.“

Allein vom Reparieren kann der Handwerksmeister nicht leben. Seine Einnahmen bessert er durch den Verkauf von Marken-Korksandalen auf, bietet Schnürsenkel und Schuhpflegemittel an. Auch wenn die Lage nicht rosig ist, ein Berufswechsel kam für Enrico Rhöse nie in Frage. „Meine Arbeit macht mir ja noch immer großen Spaß.“


Schuhe von den Füßen weggekauft


Seine eigenen Schuhe hat Rhöse zwischenzeitlich gebaut. „Sie wurden mir praktisch von den Füßen abgekauft.“ Besonders ein goldfarbenes Paar hatte große Aufmerksamkeit erregt. Doch das ist schon einige Zeit her. Heute sei die Nachfrage nach handgefertigten Schuhen zu gering. Dafür optimiert er die eigenen, vor allem seine geliebten Sneakers. „Ich setze mir Lederfutter ein, dämpfe sie oder schütze anfällige Stellen.“

Rhöse fühlt sich wohl in seinem kleinen Laden, genießt den Plausch mit den Kunden. Nur manchmal wünscht er sich weg. Im Sommer zum Beispiel, wenn draußen die Sonne lacht und sich die Kunden besonders rar machen. „Doch ich muss mich an die Öffnungszeiten halten.“ Die freie Zeit nutzt er, um Taschen oder Lederbeutel zu fertigen.

Hintergrund


Wo?
Schuhmacher/in ist ein anerkannter Ausbildungsberuf im Handwerk. Die duale Lehrzeit dauert drei Jahre in einem Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule. Thüringer Lehrlinge besuchen die Staatliche Gewerblich-Technische Berufsbildende Schulen in Gotha.

Was?
Schuhmacher/innen stellen hauptsächlich Maßschuhe her. Sie arbeiten außerdem Schuhe fußgerecht um, indem sie Erhöhungen und Einl­agen fertigen oder Weitungen vornehmen. Zudem reparieren sie defektes Schuhwerk, in dem sie Sohlen oder Absätze austauschen. Beschäftigung finden Schuhmacher/innen in Betrieben des Schuhmacherhandwerks und handwerklichen Lederwerkstätten. bei Schuh­-Schnellreparaturdiensten, in Werkstätten von Orthopädie­ und Sanitätsfachgeschäften.

Voraussetzung
Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. Gefragt sind handwerkliches Geschick und Auge-­Hand­-Koordination, Kunden­orientierung. (z.B. beim Fertigen und Reparieren von Schuhen nach Vor­ stellungen des Kunden) sowie gute Noten in Mathematik sowie

Vita
Enrico Rhöse (43)
1989 – 1992 Lehre zum Schuhmacher
1997 Meisterausbildung
seit 1998 selbstständig
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