Keine Panik!

Etwa drei von hundert Menschen erkranken in Deutschland in jedem Jahr an einer Panikstörung. Betroffene schränken ihr Leben oft aus Angst vor neuen Panikattacken stark ein. Manche Menschen vermeiden bestimmte Situationen oder Tätigkeiten, die sie mit den Attacken in Zusammenhang bringen. Aber es gibt Hilfe.

Herzrasen, Schweißausbrüche, Zittern oder Kribbeln in den Fingern, Atembeschwerden, Schwindel oder Benommenheit können Anzeichen für eine Panikstörung sein. Diese Krankheitszeichen werden von Betroffenen oft als so bedrohlich empfunden, dass sie sogar Angst haben die Kontrolle zu verlieren oder zu sterben. Bei Untersuchungen kann der Arzt keine körperlichen Ursachen für diese Beschwerden finden. Das ist für die Patienten oft schwer zu verstehen: Manche Menschen fühlen sich dann nicht ernst genommen. Der Grund für die Beschwerden ist ein eigentlich ganz normales und wichtiges Gefühl: Angst. Was gesunde Menschen in Gefahrensituationen schützt, kann bei Menschen mit einer Panikstörung zum bedrückenden und gefühlt lebensbedrohlichen Zustand werden obwohl in Wirklichkeit keine Bedrohung da ist.

Die gute Nachricht ist, dass Panikstörungen gut behandelt werden können. Die Behandlung besteht aus einer Verhaltenstherapie. Manchmal werden zusätzlich Medikamente (wie man sie auch bei einer Depression verabreicht) verordnet, um die Symptome der Attacken zu vermindern. Wenn Anzeichen einer Panikstörung vorhanden sind, kann die Hausärztin oder der Hausarzt abklären, ob wirklich eine Panikstörung die Ursache für die Beschwerden ist und Maßnahmen einleiten.

Ein Wissenschaftlerteam vom Institut für Allgemeinmedizin unter Leitung von Prof. Dr. Jochen Gensichen hat ein Programm zur Behandlung von Panikstörungen entwickelt das jetzt in einigen Thüringer Hausarztpraxen getestet wird. Die Studie heißt: "Jena PARADIES – der Angst entgegen, freier leben" (www.jena-paradies.org). Der Name ist Programm. Das Besondere an diesem Programm ist, dass Patienten bei dieser Behandlung ganz aktiv mitarbeiten. Sie müssen ‚ihrer Angst entgegen gehen’. Dabei werden sie von ihren Hausärzten und den Praxismitarbeitern angeleitet und begleitet. Die Behandlung besteht darin, dass die Betroffenen durch regelmäßige Übungen, die vorher mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen wurden, lernen, ihre ganz persönlichen Anzeichen von Panik auszuhalten. Die wichtigste Botschaft dieser Übung für das Hirn ist: Es passiert gar nichts! So kann nach und nach das Verhalten: Panik – Krankheitszeichen – noch mehr Panik – noch mehr Krankheitszeichen -... ‚umgepolt’ werden auf: Krankheitszeichen? – Keine Panik!

Ansprechpartner:
Dipl.-Psych. Thomas Hiller
Institut für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Jena
Bachstraße 18
07743 Jena
Tel.: 03641/9-39 58 16
Fax: 03641/9-39 58 02
E-Mail: thomas.hiller@med.uni-jena.de
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