Keine Sonne in Teneriffa

Altstadt von Orotava - ein kleiner Ort oberhalb von der Küstenstadt Puerto de la Crux.
 
Dicke Wolken über Puerto de la Crux. Sie zogen jeden Tag von Nordost heran und blieben meist bis es Abend wurde.
Puerto de la Cruz (Spanien): Küste | Die Autorin der bekannten Miss Marple und Hercule Poirot Krimis kam nach Teneriffa, um sich von einer Depression zu erholen. Die sogenannte Insel des ewigen Frühlings erschien Agatha Christie geeignet, so verrät mein Reiseführer, Abstand von ihrem Ehemann zu bekommen, von dem sie gerade geschieden worden war. Auch sie zog den Norden der Insel vor, der nicht mit der unbedingten Sonnengarantie wie der Süden ausgestattet ist, der aber im Sommer keine Regentage kennt. Und im Winter liegt die Temperatur immer noch um die 18 Grad Celsius.

In solch einem vermeintlich beständigen Klima sollte das Wetter eigentlich kein Thema sein. Während ich die Wolken betrachte, die sich über der kleinen im Norden gelegenen Touristenstadt Puerto de la Crux zusammenbrauen, meine ich mich zu erinnern, dass sich die Protagonisten in den hier spielenden Christie Krimis auffallend oft über das Wetter und insbesondere den Wind unterhalten haben. Ja, dass es sogar fallrelevant war, wann eine Brise aus Südost oder Südwest heranzog und die Beteiligten sich darüber nicht immer einig waren.

Auch im Sommer 2011 gibt es widersprüchliche Aussagen darüber, wie das Wetter war und wird. Der Kanaren-Expresss – eine von drei deutschsprachigen Zeitungen, die ich im Edeka-Markt um die Ecke gefunden habe, schreibt: „Super-Sommer 2011 mit Brütegarantie“. Die Zeitung berichtet über die Cabanuelas, die Wetterbeobachter, die anhand einer Wolkenformation zur Sommersonnenwende voraussagen, wie die nächsten drei Monate werden. „Im Süden wird es unerträglich heiß werden. Dort werden die Hühner Spiegeleier legen“, wurde prophezeit. Der Norden werde von der Sonne etwas geschont durch die weißen Wolkenschleier. Die Cabanuelas haben angeblich eine Treffsicherheit von 80 Prozent und die Meteorologen, so schreibt die Zeitung weiter, „sagen ebenfalls einen sehr warmen Sommer voraus, der ein bis zwei Grad über den kanarischen Durchschnittswerten liegen soll“. Die deutsche Gastwirtin vom Biereck bestätigt dagegen meinen Eindruck, dass es in diesem Jahr eher kühl zugeht – zumindest im Norden. Schon der Winter soll ungewöhnlich stürmisch ausgefallen sein.

Die Wolkenschleier der ersten Urlaubstage verdichteten sich. Fünf Tage war Puerto de la Cruz von einer teilweise sehr dunklen Wolkenansammlung bedeckt, die in Deutschland unweigerlich zu Regen und deutlicher Abkühlung geführt hätte. Hier dagegen nieselt es bei immer noch angenehmen Temperaturen zwischen 23 und 25 Grad Celsius.

Der Wind führt dazu, dass an den Stränden in Puerto de la Crux überall die rote Flagge weht. Baden verboten, bedeutet das – aber das ist anscheinend nur eine Empfehlung, denn nicht nur die Surfer stürzen sich gut gelaunt in die meterhohen Wellen. Am Strand patroullieren Rettungsschwimmer in roter Kleidung mit einem SOS-Aufdruck. Wie die Baywatch-Mannschaft tragen sie eine Rettungsboje mit sich, jederzeit bereit, sich mit ihr ins Wasser zu stürzen und dem Ertrinkenden entgegen zu schwimmen. Hin- und wieder ertönt ein schriller Pfiff. Die mutigen Schwimmer schauen zum Strand und sehen, wie der Rettungsschwimmer mit den Armen winkt. Sie sollen näher zum Strand schwimmen. Anders als die Badenden bewertet der Rettungsschwimmer den Wind und Wellen als lebensbedrohend - und sowas im Sommer.
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3 Kommentare
Helke Floeckner aus Erfurt | 01.08.2011 | 13:38  
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Antje Hellmann aus Jena | 01.08.2011 | 13:43  
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Hannelore Grünler aus Artern | 02.08.2011 | 01:06  
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