Krankenhausinfektionen auf der Spur

Die Schwestern Sandra Wacker (li.) und Natalie Ziener geben hier am Uni-Klinikum Zusatzinformationen für die ALERTS-Studie in den Computer ein. Ziel ist die Reduzierung der Krankenhausinfektionen. Foto: Hausdörfer
Stellen Sie sich vor: Sie werden stationär in einer Klinik behandelt, die Ärzte und Schwestern tun ihr Möglichstes und trotzdem werden Sie womöglich noch kränker als Sie ohnehin schon waren. Der Grund dafür sind so genannte Krankenhausinfektionen, mit denen Ärzte und Patienten schon zu kämpfen haben, seit es Krankenhäuser gibt. Ignaz Philipp Semmelweis war einer der ersten Ärzte überhaupt, der Mitte des 19. Jahrhunderts mangelnde Hygiene bei Ärzten und Personal als die Ursache solcher Krankheiten – zum Beispiel des Kindbettfiebers – erkannte und sich bemühte, Hygienevorschriften in Krankenhäusern einzuführen, dafür von seinen Kollegen damals aber noch belächelt wurde.

Heute erkranken in Deutschland jährlich 400.000 bis 600.000 Menschen an Krankenhausinfektionen, wovon nach Schätzungen zwischen 7.500 und 15.000 an den Folgen sterben. Typische Infektionen sind Wundinfektionen noch Operationen und Infektionen, die durch Beatmungsschläuche und Katheder hervorgerufen werden.

„Etwa ein Drittel der Krankenhausinfektionen gilt als vermeidbar; wir wollen ein wirksames Präventionsprogramm entwickeln und so die Rate um mindestens 20 Prozent reduzieren“, beschreibt Prof. Dr. Frank Brunkhorst, der Leiter der jetzt am Jenaer Universitätsklinikum angelaufenen ALERTS-Studie, das Ziel dieses auf vier Jahre angelegten Großprojektes.

In einem ersten Abschnitt wird der Ist-Zustand an Krankenhausinfektionen ermittelt, in dem alle relevanten Patientendaten anonymisiert erfasst und in die entsprechenden Datenbanken eingespeist werden. In einer zweiten Phase werden bewährte und neue Präventionsmaßnahmen klinikweit eingeführt. Dazu gehören die Optimierung der Arbeitsabläufe mit Hilfe von Checklisten, spezielle Schulungen des Personals, wenn es möglich ist der Verzicht auf Katheder und natürlich eine effektive Handhygiene. „Vor allem wollen wir die Faktoren erkennen und bekämpfen“, so der Studienleiter Dr. Stefan Hagel, „die der strengen Befolgung der meist bestens bekannten Hygieneregeln im Klinikalltag entgegenstehen“. Dazu gehöre zum Beispiel, dass die Spender für Desinfektionsmittel dort zu finden sind, wo sie gebraucht werden, nämlich direkt am Patientenbett.

Eine abschließende zweijährige Erfassung der Krankenhausinfektionen wird zeigen, wie effektiv die Maßnahmen waren und ob das selbst gesteckte Ziel der Reduzierung um 20 Prozent erreicht ist.
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Hannelore Grünler aus Artern | 17.09.2011 | 22:47  
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