Krebs gezielter bekämpfen

An einem „Versuchspatienten“ demonstriert die medizinisch-technische Röntgenassistentin Stefanie Däumler den Ablauf einer Bestrahlung mit dem neuen Tomotherapiegerät. Foto: Hausdörfer
Hochmodernes Bestrahlungsgerät eröffnet am Universitätsklinikum neue Therapiemöglichkeiten

JENA. Das Jenaer Universitätsklinikum (UKJ) hat für die Therapie von Krebserkrankungen durch ein neues, höchstmodernes Bestrahlungsgerät jetzt bessere Möglichkeiten. Krebs ist die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Die am meisten angewandte Therapie zur Krebsbekämpfung ist die Bestrahlung mit hochenergetischen Teilchen. Problematisch dabei: Zerstört wird meist nicht nur das Tumorgewebe, sondern auch umliegende Körperregionen werden in Mitleidenschaft gezogen. Ein Ziel der medizinischen Wissenschaft weltweit ist deshalb die Minimierung dieser Nebenwirkungen durch immer bessere Bestrahlungsarten.

Eine besonders schonende und hochpräzise Bestrahlung ermöglicht die neuartige Tomotherapie. Das derzeit modernste Gerät dieser Technologie, das es deutschlandweit nur viermal gibt, steht ab sofort auch den Ärzten in der Uni-Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie in der Bachstraße zur Verfügung. Zu den Vorteilen des Tomotherapiegerätes zählt, dass die Bestrahlung mittels Photonen und die moderne Bildgebung der Computertomografie in einem System vereint sind. Erzeugt wird die Strahlung durch einen Linearbeschleuniger, der sich kreisförmig um den Patienten herum bewegt. Die Bestrahlungsdauer beträgt nur drei bis vier Minuten.

Klinikdirektor Prof. Dr. Thomas G. Wendt erklärt: „Durch die direkte Verknüpfung von Bildgebung und Bestrahlung in einem System können wir den Tumor jetzt deutlich präziser bestrahlen. Der Tumor und die umgebende Region werden dabei dreidimensional dargestellt. Die Strahlendosis wird exakt an die Form und Lage des Tumors angepasst und das umgebende Gewebe und angrenzende Organe geschont. Davon profitieren die Patienten enorm.“

Ein weiterer Vorteil des neuen Gerätes ist die Möglichkeit, dass jetzt bestimmte Tumore, die bisher aufgrund ihrer Lage und Form in Jena nicht bestrahlbar waren, ebenfalls hier therapiert werden können. Das gilt zum Beispiel für bestimmte Lungenkarzinome und nicht operable Leberkarzinome. „Bisher mussten wir diese Patienten nach Heidelberg oder Essen schicken“, so Prof. Wendt. Neue Möglichkeiten ergeben sich auch bei der Bekämpfung des Prostatakrebses.

Aus wirtschaftlicher Sicht war die Entscheidung für diese Investition keine einfache. Schließlich sieht der Terminplanung für den weiteren Ausbau des Universitätsklinikums vor, dass die Radiologie in der Bachstraße 2018 nach Lobeda umzieht. Insgesamt 2,7 Millionen Euro, das ist die größte Eigeninvestition der letzen Jahre, investierte das UKJ in das neue Gerät. 700.000 Euro davon sind Kosten für den aufwändigen Umbau der Räume im „Bunker“ in der Bachstraße. Für den Umzug 2018 werden dann noch einmal 230.000 Euro fällig.

Prof. Dr. Klaus Höffken, Medizinischer Vorstand des UKJ, rechtfertigt die vergleichsweise hohen Bau- und Einbringungskosten: „ Das waren wir unseren Patienten ganz einfach schuldig, dass wir jetzt hier die modernste Strahlentherapiemöglichkeit haben und nicht noch fünf Jahre warten, bis die Strahlentherapie in Lobeda soweit ist.“
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