Mit Mediation aus der Krise

Getrennt und doch gemeinsam: Vor allem bei Problemen in einem Scheidungsverfahren ist die Mediation eine Chance, Probleme im beiderseitigen Einvernehmen zu lösen.
Bedenklich schaukelt der Kronleuchter. Noch können sich Barbara und Oliver Rose an seinen Armen festklammern. Doch der Leuchter reißt allmählich aus seiner Verankerung an der Decke. Eine gnadenlose Auseinandersetzung strebt ihrem Ende entgegen. Nur noch Sekunden trennt die beiden vom Sturz in den Tod und dem endgültigen Aus einer Ehe, die einst so hoffnungsvoll begann.

Im amerikanischen Filmklassiker „Rosenkrieg“ bekämpfen sich das Ehepaar Rose, gespielt von Kathleen Turner und Michael Douglas, auf das Unerbittliche. Der Filmtitel hat es mittlerweile in unseren Alltagswortschatz geschafft, als Synonym für einen kompromisslosen Kampf am Ende einer Beziehung.

„Rosenkrieg“ macht es dem Zuschauer schwer, Partei für den einen oder anderen zu ergreifen. Stattdessen fragt man sich unentwegt, warum können die beiden nicht miteinander reden, die vielen Missverständnisse aus dem Weg räumen? So weit muss es nicht kommen. Der Meinung sind jedenfalls Vera Hehemann und Conny Beeker. Sie arbeiten in Jena als Mediatoren. „Bitte nicht mit Meditation verwechseln“, warnt Vera Hehemann leicht amüsiert. Diese Verwechslung beobachtet sie immer mal wieder. „Allerdings“, so die Erfahrung von Conny Beeker, „wird die Mediation immer bekannter.“

Mediation ist eine Form der Konfliktlösung, die sich an den Bedürfnissen und Wünschen der gegnerischen Parteien orientiert und beider Befürchtungen ernst nimmt. Als außergerichtliche Form der Konfliktlösung nimmt sie stetig an Bedeutung zu. „Meist sind es Gerichte oder das Jugendamt, die streitende Paare an Mediatoren vermitteln. Nicht unbegründet. Denn während Gerichtstermine kaum zeitnah anberaumt werden, können Mediatoren schnell reagieren.

„Die Mediation endet mit einer Vereinbarung, die beide Seiten gut finden“, hebt Conny Beeker einen entscheidenden Unterschied zum richterlichen Urteil hervor. Es gebe deshalb auch keine Sieger oder Verlierer. Das sei besonders in jenen Fällen wichtig, in denen Eltern nach einer Trennung oder Scheidung um einen neuen Umgang miteinander ringen. Das funktioniert nur auf Augenhöhe, wenn alte Konflikte nicht immer wieder aufbrechen sollen. Beide Parteien fühlten sich durch den vom Mediatoren moderierten Entscheidungsprozess angenommen. Die Erfahrungen von Conny Beeker und Viola Hehemann zeigen, dass in der Regel fünf Sitzungen bis zu einer gemeinsamen Lösung angesetzt werden müssen.

Die in Jena arbeitenden Mediatoren stehen in einem Netzwerk miteinander im Kontakt. Etwa 15 von ihnen haben sich ihm angeschlossen. Sie gehören unterschiedlichen Berufsgruppen an, sind Juristen, Psychologen, Sozialpädagogen und arbeiten zumeist nebenberuflich in der Mediation. Sie alle eint der Wunsch, in Konflikten unbürokratisch zu vermitteln. Das spart nicht nur Zeit in einer gerichtlichen Auseinandersetzung, wie bei einer Scheidung oder einem Sorgerechtsstreit. Es hilft auch, die Kosten solcher Verfahren zu reduzieren. Doch nicht allein in Familienangelegenheiten sind Mediatoren gefragt. Auch viele Unternehmen, sogar Kindergärten, setzen auf diese Form der Konfliktbewältigung.

Inform@tionen

• In Jena werden regelmäßige Ausbildungen zum Mediatoren angeboten. Im Frühjahr startet ein neuer Kurs, der 240 theoretische Stunden und einen Praxisteil beinhaltet.

•  Tel. 01 60 - 95 65 93 09 oder www.jena-mediation.de
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2 Kommentare
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Antje Hellmann aus Jena | 21.03.2014 | 11:11  
Simone Schulter aus Weimar | 21.03.2014 | 12:08  
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