Mut zum Wiedereinstieg ins Berufsleben

Heidrun Osse vom Beratungsbüro "Perspektive Wiedereinstieg" steht gemeinsam mit zwei Kolleginnen potenziellen Berufsrückkehrern nach einer familienbedingten Auszeit mit Rat und praktischer Unterstützung zur Seite.
Fünf Türmchen mit violetten Mauern und roten Dachziegeln auf blaustiftblauen Wellen - fertig ist ein Wasserschloss. Auch die kleine Künstlerin selbst hat sich verewigt. „Arlette" prangt in kunterbunten Schönschreibuchstaben auf der großen Zeichnung, die an der weit geöffneten Tür zum kleinen Beratungsraum hängt. Ein Tisch und zwei Stühle haben darin Platz und eine Spielecke für Kinder. „Unser Vorteil ist, dass die Menschen freiwillig, gern und häufig zu uns kommen", sagt Heidrun Osse. Vom Büro im Dachgeschoss des Platanenhauses in der Unterlauengasse 9 aus, begleitet die Soziologin gemeinsam mit ihren Kolleginnen Bianka Jacob und Claudia Koziolek Frauen und Männer aus Jena und dem Saale-Holzland-Kreis, die nach mehrjähriger Elternzeit oder monatelanger Pflege Angehöriger wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen wollen. Seit März 2009 offeriert die Überbetriebliche Ausbildungsgesellschaft (ÜAG) Jena dieses Angebot, das zu den insgesamt 17 Modellprojekten des Bundesprogramms „Perspektive Wiedereinstieg" zählt.

Wegzudenken ist es inzwischen kaum noch: „Der Bedarf an Beratungen ist enorm", macht Projektleiterin Petra Rogowski deutlich. Bis Anfang September nahmen bereits fast 140 Menschen das Angebot des Beratungsbüros in Anspruch, zirka 60 wurden im Zuge eines besonders intensiven Case-Managements begleitet. Keine der Berufsbiografien gleicht dabei der anderen: Die gelernte Verkäuferin oder die alleinerziehende Glasfacharbeiterin, die nach vielen Jahren der Familienarbeit einen alternativen beruflichen Neuanfang sucht, findet sich ebenso unter den Beratenen wie die promovierte Biochemikerin, die mögliche Fallstricke im eigenen Wiedereinstiegsplan vermeiden möchte.

Selbst wer infolge der spezifischen Zugangskriterien des Programms nicht längerfristig gecoacht werden kann, erhält kompetente Hinweise, wohin und an wen er sich mit seinen Fragen wenden kann. Vorteilhaft ist, dass die ÜAG als Träger des Projektes Mitglied im „Jenaer Bündnis für Familie" ist und dass das Beratungsbüro somit bestens mit städtischen Einrichtungen, Behörden, Bildungsträgern, Arbeitgebern und anderen Vereinen vernetzt ist. Es kann so als eine Art zentrale Anlaufstelle und Drehscheibe fungieren.

Diejenigen, zumeist sind es Frauen, die Heidrun Osse, Bianka Jacob und Claudia Koziolek über längere Zeit begleiten, finden aufmerksame und persönliche Zuwendung. Probleme werden mithilfe intensiver Situationsanalyse und individuell abgestimmtem Handlungsplan zu lösen versucht. „Wir begleiten vom Wiedereinsteigen-Wollen zum Wiedereinsteigen-Können", beschreibt Heidrun Osse den Ansatz des Beratungsbüros. Vermeintlich „harte Faktoren" wie die Suche nach einer passenden Stelle, der geeigneten Weiterbildung oder der adäquaten Kinderbetreuung sind dabei nur eine Seite der Medaille. Die Familie als Ganzes fit für den beruflichen Neustart zu machen, das Vertrauen, in die eigenen Fähigkeiten zurückzugewinnen sind eine andere, nicht minder wichtige. „Viele der Frauen sind sich ihrer Kompetenzen meist selbst nicht bewusst. Wer jahrelang ein Familienunternehmen geleitet hat, der hat durchaus etwas vorzuweisen", macht Petra Rogowski potenziellen Wiedereinsteigerinnen Mut. Auch das intensive Bewerbungscoaching mit Heidrun Osse oder den anderen Beraterinnen hat bei mancher Berufsrückkehrerin in spe schon dafür gesorgt, dass aus der Perspektive Wiedereinstieg inzwischen Realität geworden ist. In enger Kooperation mit den Netzwerkpartnern ist es in den zurückliegenden Monaten gelungen, 14 Frauen und Männern wieder in Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt zu begleiten. Zwei haben sich selbständig gemacht, über 30 mittels Umschulung oder Aus- und Weiterbildung an ihrem beruflichen Comeback gefeilt.

Ansporn sind diese Ergebnisse und das positive Feedback der Ratsuchenden für das Beratungsbüro und den Projektträger selbst: Schon heute arbeitet man bei der ÜAG intensiv daran, dass das Beratungsangebot auch nach Ende der Modellphase im Februar 2012 aufrechterhalten werden kann.
(Text und Foto: Andreas Klossek)
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