Offene Krebskonferenz in Jena holt Krankheit aus der Anonymität

Wann? 14.11.2015 09:00 Uhr bis 14.11.2015 17:00 Uhr

Wo? Ernst-Abbe-Platz, Jena DE
Professor Andreas Hochhaus gehört zum Organisationsteam der Offenen Krebskonferenz. Er ist Direktor des Universitätstumor-Centrums Jena und Vorsitzender der Thüringischen Krebsgesellschaft.
 
Cheryl Shepard, bekannt aus "In aller Freundschaft", kommt zur Offenen Krebskonferenz nach Jena. (Foto: Thomas Leidig)
 
Anja Koerbel, Moderatorin bei "MDR um 4", leitet zur Offenen Krebskonferenz eine Podiumsdiskussion zum Thema "Wie weit darf der nächste Onkologe weg sein?" (Foto: Unikumanagement)
Jena: Ernst-Abbe-Platz |

Alle zwei Jahre wird in Deutschland eine Offenen Krebskonferenz für Patienten, Angehörige und Interessierte organisiert. Am 14. November ist Jena Austragunbgsort dieser Veranstaltung. 60 Krebsexperten sind vor Ort. Sie halten Vorträge, stehen aber auch für persönliche Gespräche bereit.

Zur Organisationsteam der Konferenz gehört auch Professor Dr. Andreas Hochaus. Er ist Direktor des Universitätstumor-Centrums Jena und Vorsitzender der Thüringischen Krebsgesellschaft. Im Vorfeld der Konferenz informiert er auf www.meinAnzeiger.de über Prävention, Vorsorge, Therapiemöglichkeiten und Programmangebote am 14. November in Jena.

Professor Hochhaus, wenn es ums Essen geht, werden wir leicht panisch. Viele Lebensmittel standen schon im Verdacht, krebsauslösende Stoffe zu enthalten. Jetzt ist die Wurst dran. Berechtigterweise?
Ich bin dagegen, ohne fundierte wissenschaftliche Begründung Ängste zu verbreiten. Beim Thema Wurst sehe ich die derzeit nicht. Anders liegt der Fall bei rohem Fleisch. Das kann nachweisbar Darmtumore begünstigen. Im Kampf gegen den Krebs ist aber vor allem wichtig, dass man auf sich und seine Gesundheit achtet.

Wie kann man das tun?
Durch Prävention und Frühvorsorge. Zur Prävention zählt ein gesunder Lebensstil, vor allem der Verzicht aufs Rauchen und übermäßiges Sonnenbaden. Zudem sollte man die Frühvorsorgeuntersuchungen wahrnehmen. Hierzu zählen vor allem das Brust- und Hautkrebsscreening, die Darmkrebsvorsorge ab 55, die gynäkologische Vorsorge bei den Frauen und die regelmäßige Prostatauntersuchung bei den älteren Männern.
Leider sind die Männer da sehr zurückhaltend.

Wie meinen Sie das?
Ich schätze, dass maximal 20 Prozent der Männer, die von den Krankenkassen getragenen Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen. Das ist zu wenig.

Woran liegt das?
Zu wenig Aufklärung, Angst vor der Untersuchung und dem Ergebnis können Gründe dafür sein, dass die Vorsorgeuntersuchungen noch zu wenig wahrgenommen werden. Daran muss man arbeiten, in dem man über das Thema Krebs ganz offen spricht. Darin liegt auch unsere Motivation begründet, den Offenen Krebskongress hier in Jena zu organisieren.

Wie verbreitet ist Krebs?
500.000 Neuerkrankungen pro Jahr gibt es in Deutschland. Auf Thüringen bezogen muss 28 mal pro Tag eine Krebsdiagnose gestellt werden. Das heißt, 28 mal Angst, 28 mal nachdenken: Was ist die beste Therapie für mich? Wo finde ich den Experten für meine Erkrankung? Brauche ich eine Zweitmeinung?

Was sind die häufigsten Erkrankungen?
Bei den Frauen ist das der Brustkrebs, bei den Männern Prostatakrebs. Wobei Prostatakrebs weniger aggressiv auftritt. Lebensbedrohlicher sind bei den Männern Lungen- und Bronchialkarzinome. Hier ist es besonders wichtig, präventiv Risikofaktoren wie das Rauchen zu vermeiden. Frauen sollten unbedingt die Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen.

Warum findet der Kongress in Jena statt?
Ich wurde als Vorsitzender der Thüringischen Krebsgesellschaft angefragt, ob wir den Kongress in Jena durchführen wollen. Dazu waren wir gern bereit. Mit dieser Veranstaltung können wir auf die Arbeit der Thüringischen Krebsgesellschaft und den Tumorzentren aufmerksam machen und zeigen, was hier im Bereich der Onkologie passiert. Mit unserem aktiv interdisziplinären Ansatz am Universitätstumor-Centrum Jena sind wir schließlich sehr erfolgreich. Auch in der Forschung passiert in Jena viel.

Was bieten Sie zur Konferenz?
Es gibt Vorträge zu ganz unterschiedlichen Krebserkrankungen. Unsere Gäste können auch das direkte Gespräch mit Ärzten suchen. Dazu werden auf dem Klinikgelände spezielle Beratungsecken eingerichtet.
60 Krebsexperten sind vor Ort. Zudem geben wir allgemeinverständlich einen Einblick in unsere aktuelle Forschungsarbeit. Auch Angebote zum Mitmachen sind geplant, unter anderem eine Tanztherapie sowie einen Workshop in Yi-Quan, einer chinesischen Kampfkunstart.

Wen wollen Sie mit dem Programm ansprechen?
Wir wenden uns an Krebspatienten, aber auch an ihre Angehörigen, denn die soziale Komponente ist bei der Gesundung sehr wichtig. Willkommen sind aber auch interessierte Gesunde, die sich mit dem Thema auseinandersetzen wollen. Unser Ziel ist es, die Krankheit raus aus der Anonymität zu holen, damit Patienten aktiv über die eigene Erkrankung reden können.

Warum ist das Ihnen so wichtig?
Krebs ist wie jede andere Krankheit auch. Leider wird das in der Öffentlichkeit nicht so wahrgenommen. Betroffene ziehen sich noch zu oft zurück. Der Kongress steht unter dem Motto „Du bist kostbar“. Diese Aussage sollen unsere Gäste verinnerlichen. Wir wollen, dass die Leute gesund leben, Vorsorge wahrnehmen und bei einer Erkrankung alle Therapiemöglichkeiten ausschöpfen.

Wie viele Besucher erwarten Sie?

Zum letzten Kongress in Dresden kamen 800 Gäste. Es würde uns freuen, ähnlich gute Zahlen zu erreichen.

Sind Anmeldungen erforderlich?
Nein, jeder der möchte kann kommen und den ganzen Tag bleiben oder auch nur einzelne Programmpunkte heraussuchen. Der Eintritt ist kostenfrei.

Zur Sache

+ Die 6. Offene Krebskonferenz findet am 14. November, von 9 bis 17 Uhr auf dem Campus der Friedrich-Schiller-Universität, Ernst-Abbe-Platz, in Jena statt.
+ Sie wird veranstaltet von der Deutschen Krebshilfe, der Deutschen Krebsgesellschaft, der Thüringischen Krebsgesellschaft, dem Universitätsklinikum Jena sowie dem Haus der Selbsthilfe in Bonn.
+ Thematisiert werden nicht nur unterschiedliche Krebserkrankungen beispielsweise in Lunge, Darm oder Prostata, sondern auch Fragen rund um die Erkrankung wie Krebs im Alter, Sport und Krebs oder Schmerzbehandlung.
+ Für Kinder wird eine Spielecke eingerichtet.
+ Als prominenter Gast kommt Schauspielerin Cheryl Shepard (bekannt als Frau Dr. Eichhorn aus der Krankenhausserie „In aller Freundschaft“) zum Kongress und veranstaltet eine Lesung.
+ Verschiedene Selbsthilfegruppen stellen sich und ihre Arbeit vor.
+ Das INFONETZ Krebs ist vor Ort und berichtet über seine Arbeit. Es beantwortet ansonsten jedem kostenfrei montags bis freitags, von 8 bis 17 Uhr unter der Rufnummer 0800/80708877 Fragen rund um die Krebserkrankung.
+ Im Vorfeld der Krebskonferenz widmet sich der MDR dem Thema „Neue Behandlungsmethoden bei Krebs“ in seiner Sendung„Hauptsache gesund“ am 12. November, um 21 Uhr.
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