Stefanie Wohlfeld aus Jena hat mit ihren Stammzellen einem Franzosen das Leben gerettet

Stefanie Wohlfeld während der Stammzellenspende. (Foto: privat)
 
Stefanie Wohlfeld aus Jena hilft gern. Sie arbeitet als Krankenschwester, ist Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr in ihrem Stadtteil Jena-Lichtenhain und hat mit ihren Stammzellen ein Menschenleben gerettet. Der Brief ihres Lebensretters hat sie sehr berührt.
 
Für den leukämiekranken Fredrik fanden in seiner Heimatstadt Jena schon drei Typisierungsaktionen statt. (Foto: privat)

Es geht nicht um viel. Es geht um alles. Es geht um die Chance, weiterleben zu können. Auf diese Chance hoffen derzeit die Eltern des fünfjährigen Fredriks. Der kleine Junge aus Jena leidet an Leukämie. Nur eine Stammzellenspende kann ihn retten.

In seiner Heimatstadt wird deshalb nach seinem genetischen Zwilling gesucht. Nur in dessen Blut sind die lebenswichtigen Zellen enthalten, die in Fredriks Körper den Blutkrebs bekämpfen können. Drei Typisierungsaktionen wurden für Fredrik bereits organisiert. Mehrere hundert Menschen ließen sich bei der Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren.

Hilfe für Leukämiepatienten ist aber nicht allein an solche Typisierungskationen gebunden. Wer will, kann sich jederzeit registrieren lassen – so wie Stefanie Wohlfeld. Bei der 21-jährigen Krankenschwester ist es aber nicht bei der Registrierung geblieben. Sie wurde zur Spenderin. Im Allgemeinen Anzeiger erzählt sie, wie eine Stammzellenspende abläuft, ob man mit Nebenwirkungen zu kämpfen und vom Glückgefühl, einem das Leben retten zu können.

Wieso haben Sie sich registrieren lassen?
Ich halte die Registrierung potentieller Spender für eine wichtige Sache. Die Krankheit kann schließlich jeden treffen: mich persönlich, meine Freunde oder Familienangehörige. Besonders schlimm finde ich es, wenn Kinder wie der kleine Fredrik Blutkrebs bekommen. Für mich war es deshalb klar: Wenn ich helfen kann, helfe ich. Der erste Schritt war die Registrierung. Ich habe mir mit einer Freundin im Dezember 2013 über das Internet das Registrierungsset zuschicken lassen, einen Abstrich an der Wange gemacht und die Unterlagen samt Probe wieder an die DKMS zurückgeschickt.

Haben Sie sich mit der Vorstellung vertraut gemacht, dass Sie jemals als Spenderin in Frage kommen könnten?
Ich bin Krankenschwester und weiß, was Leukämie bedeutet. Im Vorfeld hatte ich einiges über Stammzellspenden gelesen. Und natürlich hat es mich beruhigt, dass nichts aus der Wirbelsäule entnommen werden muss. Das ist eine Fehlinformation, die leider noch zu viele im Kopf haben.

Sie haben dann längere Zeit nichts mehr von der DKMS gehört.
Ja, genau. Erst im Juni 2015 bekam ich einen Brief. Es hieß, ich komme als Spenderin für einen Leukämiepatienten in Frage.

Was folgte dann?
Es kamen insgesamt fünf Menschen als Spender in Frage. Deren genetischer Code wurde noch einmal genau mit dem des Leukämiekranken abgeglichen. Acht von zwölf Merkmalen müssen passen. Bei mir gab es die höchste Trefferquote.

Wann war klar, dass Sie der genetische Zwilling sind?
Im Oktober stand definitiv fest, dass alles perfekt zueinander passt.
Danach wurde ich beim Hausarzt durchgecheckt. Schließlich muss man sicher gehen, dass der Spender keine Krankheiten überträgt. Später war noch eine genaue Voruntersuchung in einer Dresdner Klinik vonnöten. Am 11. November habe ich dann meine Stammzellen gespendet.

Hier in Jena?
Nein, in der Klinik in Dresden. Die Fahrtkosten übernimmt aber die DKMS. In Dresden selbst habe ich in einem Hotel übernachtet. Auch das wird bezahlt, ebenso der Verdienstausfall. Zur Unterstützung durfte ich eine Begleitperson mitnehmen. Die Spende selbst hat gut zwei Stunden gedauert. In machen Fällen muss man mit mehr Zeit rechnen. Danach soll man sich noch zur Verfügung halten, falls beim ersten Mal nicht genug Stammzellen entnommen werden konnten.

Hatten Sie Schmerzen?
Wie schon erklärt, werden die Stammzellen nicht aus der Wirbelsäule gezogen. Es läuft ähnlich ab wie bei einer Blutplasmaspende. Man bekommt zwei Zugänge an den Armen. Auf der einen Seite wird Blut entnommen. Daraus werden die Stammzellen herausgefiltert. Danach fließt das Blut über eine Flexüle auf der anderen Seite wieder zurück in den Körper. Es war eine sehr entspannte Atmosphäre. Wir haben dabei sogar einen Film geschaut.

Also keine Schmerzen oder Nebenwirkungen?
Von kleinen blauen Flecken an den Einstichstellen abgesehen? Nein. Man wird ja auch gleich wieder aufgepäppelt. Es gab Brötchen, Süßigkeiten und viel zu trinken. Mir ging es danach sehr gut. Und weil gleich beim ersten Mal genug Stammzellen entnommen werden konnten, hatten wir danach noch Zeit, uns Dresden anzuschauen. Nach einer weitere Nacht im Hotel sind wir wieder nach Hause gefahren.

Wie kamen Ihre Stammzellen zum Spender?
Sie wurden gleich nach der Entnahme mit einem Privatjet nach Frankreich geflogen. Der Empfänger bekam sie dann per Infusion über die Vene gespritzt.

Mussten Sie vor der Spende Medikamente einnehmen?
Sieben Tag vorher wurden meine Stammzellen medikamentös stimuliert. Das funktioniert ähnlich wie bei einer Insulinspritze. Davon bekam ich etwas Kopf- und Rückenschmerzen.

Wissen Sie, wie es Ihrem genetischen Zwilling heute geht?
Ja. Ich habe kürzlich Post von ihm bekommen. Mein Zwilling ist ein 52-jähriger Franzose. Sein Körper hat meine Stammzellen gut angenommen. Im Brief hat er mir persönlich gedankt. Er ist glücklich, dass er nun erleben kann, wie seine Enkel aufwachsen. Das hat mich sehr gerührt.

Wie funktioniert die Verständigung?
Ich kann kein Französisch. Aber das ist kein Problem. Die DKMS agiert als Vermittler und hat gleich eine englische Übersetzung des Briefes mitgeschickt. Nun sitze ich über meiner Antwort.

Wollen Sie Ihren Zwilling einmal persönlich kennen lernen?
Das geht leider nicht. Französische Gesetze erlauben nur einen anonymisierten Austausch zwischen Spender und Patienten. Das finde ich schade. Man hat ja eine gewisse Beziehung zueinander aufgebaut.

Ist es auch in Deutschland verboten, persönliche Kontakte zwischen Spender und Patient aufzubauen?
Nein. Hier sind die Gesetze nicht so eng gefasst. Allerding bleiben beide Seiten noch zwei Jahre nach der Spende anonym. In diese Zeit kann es einen Rückschlag geben und eine erneute Spende notwendig machen. Hier will man Komplikationen vorbeugen. Danach können sich Spender und Patient persönlich treffen.

Gibt es Nachahmer in Ihrem Bekanntenkreis?
Meine Freunde sind natürlich sehr neugierig gewesen. Viele haben sich mittlerweile auch registrieren lassen. Das freut mich ebenso wie die Hilfsaktionen für Fredrik. Es ist schon krass, was derzeit in Jena passiert. Ich war zur Typisierung im Stadion dabei. 400 Leute haben sich registrieren lassen. Ein tolles Ergebnis.

Sie bleiben dem Thema also verbunden?
Ja, ich bin Mitglied im Spenderclub. Da sind nur Menschen drin, die schon Stammzellen gespendet haben. Wir helfen bei Typisierungsaktionen. Ich freue mich über jeden, er in der Datenbank aufgenommen werden kann. Es geht ja nicht nur um Fredrik, sondern um Millionen anderer Menschen, die Blutkrebs haben und denen so eine Chance auf Heilung gegeben werden kann.

Werden Sie noch einmal spenden?
Ich bin jetzt erst einmal für zwei Jahre gesperrt, falls mein genetischer Zwilling noch einmal Stammzellen benötigt. Danach könnte ich theoretisch wieder spenden. Aber es scheint unwahrscheinlich, dass meine Merkmale noch einmal so gut mit einem anderen Menschen übereinstimmen

INFORM@TION:www.dkms.de


Was ist ein Registrierungsset und was mache ich damit? Mehr dazu im Video:


Zur Sache:


+ Alle 16 Minuten erhält ein Patient in Deutschland die Diagnose Blutkrebs.
Nur ein Drittel der Betroffen findet innerhalb der Familie einen geeigneten Spender. Der Großteil benötigt einen nicht verwandten Spender. Die Wahrscheinlichkeit, einen passenden Spender außerhalb der eigenen Familie zu finden, liegt bei 1 : 20.000 bis 1 : mehreren Millionen. Jeder fünfte Patient findet keinen Spender.

+ Für eine Stammzellenspende kann sich jeder, der in Deutschland lebt, zwischen 17 und 55 Jahre alt und gesund ist, registrieren lassen.

+ Stammzellenspenden werden zumeist aus dem Blut gewonnen. In wenigen Fällen ist eine Knochenmarkspende notwendig. Hierbei genügen in der Regel zwei kleine Einschnitte im Bereich des hinteren Beckenknochens. Die Entnahme erfolgt in Bauchlage und dauert etwa 60 Minuten. Bei der Knochenmarkspende beschränkt sich das Risiko im Wesentlichen auf die Narkose.
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