Thüringer Exot: J-Fiber in Jena bildet Glasapparatebauer aus

Wann? 11.03.2015

Wo? Jena, Im Semmicht 1, 07751 Jena DE
Eduard Stürz (links) und Florian David lernen im ersten Ausbildungsjahr den Beruf des Glasapparatebauers. Sie zeigen einen Glaskühler. Solche Laborteile müssen sie am Ende ihrer Ausbildung herstellen können.
 
Marion Frischmann und Joachim Saß kümmern sich bei J-Fiber in Jena um den Nachwuchs.
Jena: Jena |

„Alles nur Anzugträger!“: Joachim Saß ärgert sich des Öfteren, wenn er Fernsehen schaut. „Da arbeiten die jungen Leute doch alle nur im Büro“, kritisiert er vor allem die beliebten Daily-Soaps fürs junge Publikum. So würden einseitig bestimmte Berufsfelder beworben. Handwerker sehe man kaum. Seine Realität sieht zum Glück anders aus.

Joachim Saß ist für die Ausbildung beiJ-Fiber in Jena zuständig. Das Unternehmen produziert im Gewerbegebiet Maua Glasfasern für Datenübertragungsnetze. 160 Mitarbeiter sind hier beschäftigt. „Mit 13 Azubis haben wir da einen guten Schnitt“, findet Marion Frischmann, Assistentin der Geschäftsleitung. Sie und Saß arbeiten im Team, wenn es darum geht, Nachwuchs für das Unternehmen zu gewinnen. In fünf unterschiedlichen Berufen wird im Unternehmen ausgebildet. Darunter auch ein Exot: der Glasapparatebauer. Damit ist J-Fiber eines der wenigen Unternehmen in Thüringen, das noch eine solche Ausbildung anbietet.

Vielerorts Nachwuchsprobleme


Dabei wird der Beruf im In- und Ausland stark nachgefragt“, sagt Saß. Denn viele der Facharbeiter, die sich nach der Wende in ihrem Beruf halten konnten, gehen allmählich in den Ruhestand. Nun rächt es sich, dass in den vergangenen Jahren vielerorts auf eine fundierte Ausbildung von Glasapparatebauern verzichtet wurde.

Anders J-Fiber. Hier sorgt man sich seit Jahren selbst um den firmeneigenen Nachwuchs. „Wir bilden aber nur für den eigenen Bedarf aus“, erklärt Frischmann. Doch leider bleibe es nicht aus, dass andere Unternehmen versuchen, den Nachwuchs abzuwerben. „Deshalb betreuen wir unsere Jugendlichen während der Ausbildung so intensiv, dass sie im Unternehmen bleiben wollen.“ Dazu gehöre es, dass die Azubis schon früh in die Teams integriert werden und rechtzeitig vor Ende ihrer Ausbildung erfahren, wo sie als Facharbeiter eingesetzt werden. Denn eine Übernahme ist so gut wie garantiert. Voraussetzung: Die Leistungen stimmen.

Handwerk und Hochtechnologie


Die guten Bedingungen haben sich herumgesprochen. Nicht nur aus Jena und dem Umland bewerben sich Jugendliche um eine solche Ausbildung. Selbst vom Bodensee und der Ostseekünste kommen sie an die Saale. Joachim Saß wundert das nicht. Glasapparate zu bauen sei eine hohe Kunst, die engagierte junge Leute immer wieder reize. Begeistert erzählt er vom Ehrgeiz seiner Azubis. Diese müssen während ihrer Ausbildung Laborgeräte bauen, die aufgrund ihrer Komplexität nicht maschinell hergestellt werden können. Handwerkliches Geschick und umfassende Kenntnisse über den Werkstoff Glas bilden die Grundlage für die spätere Tätigkeit im Unternhemen. Wer im hochtechnologisierten Produktionsprozess bestehen will, kann auch eine handwerkliche Grundausbildung nicht verzichten.

Frischmann und Saß ­suchen für ihr Unternehmen Jugendliche, die sich für dieses Wechselspiel von Handwerk und Industrie interessieren – und Eigeninitiative zeigen. Im Internet, auf Berufsmessen und auch zum Tag der Berufe stellt J-Fiber sein Angebot vor. Auf aktive Werbung wird verzichtet. In einem vielschichtigen Auswahlverfahren, in das auch die Eltern einbezogen werden, müssen sich die Jugendlichen später behaupten. Ein erfolgreiches Modell, denn an Bewerbern mangelt es nicht.


Tag der Berufe

• Am 11. März findet erneut der Tag der Berufe statt. Er wird von der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit Sachsen-Anhalt-Thüringen organisiert. Rund 1000 Unternehmen beteiligen sich daran.

• Ziel ist es, vorrangig Schülern der 7. und 8. Klassen eine frühzeitige berufliche Orientierung zu ermöglichen.

• Am Aktionstag stellen Unternehmen vor Ort Ausbildungsberufe vor, und beantworten Fragen. Die Jugendlichen haben die Möglichkeit, hinter die Kulissen zu schauen.

• Anmeldungen sind über die BIZ möglich, kostenlose Rufnummer
08 00 - 4 55 55 00 oder per E-Mail.

• Alle Angebote unter: www.tagderberufe.de
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