Vater, Mutter, Erbe - Viele Fallen lauern auf Patchwork-Familien beim Vererben

Martina Klose, Fachanwältin für Erbrecht in Jena.
Während das geltende Erbrecht in seiner Grundkonzeption seit über 100 Jahren unverändert geblieben ist, haben sich die gesellschaftsrechtlichen Strukturen enorm gewandelt. Für so genannten „Patchwork“-Familien, also Familien, in der Vater, Mutter und Kinder aus verschiedenen Ursprungsfamilien oder Partnerschaften stammen, passt das gesetzliche Regelungsmodell der gesetzlichen Erbfolge nicht mehr. Die dadurch bedingten erbrechtlichen Risiken können durch eine individuelle testamentarische Gestaltungen weitgehend begrenzt werden.

Warum ist gerade bei Patchwork-Familien die Errichtung einer letztwilligen Verfügung so wichtig?

Beim Tod eines Elternteils sind nur dessen Abkömmlinge, d.h. seine leiblichen Kinder und dessen Kindeskinder und sein Ehegatte gesetzliche Erben, nicht jedoch die mit im Haushalt lebenden Kinder des Ehegatten oder Lebenspartners. Auch der nichteheliche Lebenspartner selbst hat kein gesetzliches Erbrecht. Sollen Stiefkinder oder ein nicht verheirateter Lebenspartner daher für den Todesfall des Partners abgesichert werden, müssen die Ehegatten oder Lebensgefährten zwingend eine letztwillige Verfügung errichten.

Was ist dabei zu beachten?

Unverheiratete Eltern können kein gemeinschaftliches Testament errichten, da dies nach dem Gesetz nur von Ehegatten oder gleichgeschlechtlichen Lebenspartnern errichtet werden kann. Möglich ist jedoch der Abschluss eines notariellen Erbvertrages oder die Abfassung eines Testaments durch jeden Partner. Wichtig ist jedoch vorher die Einholung eines juristisch fachkundigen Rates, denn angesichts der Vielfältigkeit der Lebensverhältnisse und Interessenlagen gibt es naturgemäß keine Pauschalregelung für Patchwork-Familien.


Ist das „Berliner Testament“ auch für Patchwork-Familien geeignet?

Gerade bei Patchwork-Familien ist dem Kreis der pflichtteilsberechtigten Personen besondere Bedeutung zu schenken. Pflichtteilsberechtigt sind zum einen die leiblichen oder adoptierten Abkömmlinge des Erblassers, ein möglicherweise noch nicht geschiedener, aber getrennt lebender Ehegatte und bei kinderlosen Erblassern dessen Eltern. Gerade beim Berliner Testament, bei dem sich die Ehegatten zunächst gegenseitig zu Alleinerben und die Kinder zu Schlussserben nach dem Tod des Zweitversterbenden einsetzen, kann es zu Schwierigkeiten kommen, weil nur den leiblichen Kindern ein Pflichtteilsrecht nach dem erstversterbenden Elternteil zusteht.

Erbt mein geschiedener Ex-Partner etwas?

Grundsätzlich nicht. Besonderes Augenmerk ist jedoch darauf zu legen, dass einen Beteiligung des Ex-Partners über die gemeinsamen Kinder ausgeschlossen wird. Geschiedene Partner, die Kinder aus früheren Ehen haben, laufen nämlich Gefahr, dass der Ex-Partner mittelbar über das gemeinsame Kind am eigenen Nachlass partizipiert: Stirbt nämlich das Kind ohne Hinterlassung eigener Abkömmlinge, so ist der andere Elternteil gesetzlicher Erbe zweiter Ordnung. Aber selbst wenn das Kind eine letztwillige Verfügung errichtet hat, stehen dem anderen Elternteil zumindest Pflichtteilsansprüche gegen das gemeinsame Kind zu. Geschiedene Ehepartner sollten hier durch ein so genanntes „Geschiedenentestament” vorsorgen.
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Lydia Schubert aus Nordhausen | 12.03.2012 | 18:58  
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