Veranstaltungsfotos: Vor Veröffentlichung besser nachfragen

Foto: VIADATA (Foto: Foto: VIADATA)
Marianne Rosenberg war irritiert: Als sie kürzlich in Erfurt auftrat, wurde sie bei ihrem Konzert deutlich häufiger fotografiert, als vertraglich vereinbart. Ein Bürgerreporter, der sich in der Nähe der Bühne platzieren konnte, war so begeistert von ihr, dass er die Kamera nicht mehr aus der Hand legte. Als die Bilder auf meinanzeiger.de erschienen, konnte die Veranstaltungsagentur das der mittlerweile sehr verärgerten Künstlerin nicht erklären. Eine Genehmigung hatte die Agentur nicht erteilt.
Der Bürgerreporter entfernte die Bilder von der Plattform, als er erfahren hatte, wie Veranstalter und Künstlerin darauf reagiert haben. Er war sich keiner Schuld bewusst – und so geht es vielen, die auf Veranstaltungen fotografieren und die Bilder veröffentlichen. Die Frage ist, dürfen Bürgerreporter zu jeder Konzertveranstaltung fotografieren und dürfen sie die Fotos beispielsweise auf meinanzeiger.de veröffentlichen? Und müssen sie insbesondere bei großen Konzerten mit Konsequenzen rechnen, wenn sie Fotografierverbote nicht beachten und keine Genehmigung für eine Veröffentlichung der Bilder eingeholt haben?

Die Veranstalter haben Hausrecht
Die Veranstalter mieten in der Regel Räume und Hallen und haben damit Hausrecht. Sie dürfen festlegen, wer fotografieren darf. Die professionellen Fotografen müssen sich im Voraus akkreditieren. Werden sie zugelassen, dürfen sie ihre Bilder aus privilegierter Position, zum Beispiel aus dem Bühnengraben heraus anfertigen. Doch meist bekommen sie mit der Akkreditierung nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten auferlegt. Häufig verlangen die Künstler, dass sie nur während der ersten drei Lieder fotografiert werden dürfen – da sehen sie noch fit und frisch aus. Verständlich ist, dass Künstler das Blitzlichtgewitter der Fotografen nicht während des ganzen Konzertes ertragen wollen. Manchmal wird das Benutzen von Blitzlicht auch untersagt.

Bürgerreporter akkreditieren sich nicht, sondern gehen als normale Besucher ins Konzert. Wenn das Fotografieren auf der Veranstaltung nicht erlaubt ist, und sie haben eine Kamera dabei, werden sie möglicherweise nicht hereingelassen oder müssen die Kamera abgeben. Das Fotografierverbot ist meist auf der Eintrittskarte vermerkt. Die gilt im Rechtsverhältnis zwischen Veranstalter und Besucher als Vertrag. Verstößt der Besucher gegen das Fotografierverbot, verstößt er gegen den Vertrag und kann unter Umständen dafür belangt werden.

Doch selbst wenn das Fotografieren ausdrücklich untersagt ist, werden kleine Kameras und Handys zunehmend geduldet. Das mag wohl daran liegen, dass es für die Veranstalter nicht so leicht ist, alle diese Geräte bei Besucherkontrollen zu finden und es auch wenig praktikabel erscheint, alle Besucher mit einem fotografierfähigen Handy nach Hause zu schicken oder die Geräte einzusammeln. Manche Veranstalter sind möglicherweise deswegen tolerant, weil sie davon ausgehen, dass diese nicht erlaubten Fotos mehrheitlich für den Privatgebrauch verwendet werden.

Können Bürgerreporter für ihre Fotos belangt werden?
Nun erscheinen allerdings die heimlich geschossenen Fotos zunehmend auch auf Internetplattformen und gelten dann als veröffentlicht. Rein rechtlich wäre das sogar bei Veranstaltungen nicht automatisch statthaft, bei denen kein ausdrückliches Fotografierverbot verhängt wurde. Für die Veröffentlichung bedarf es einer gesonderten Genehmigung und zwar sowohl vom Künstler als auch vom Veranstalter, wobei der Künstler meist vom Veranstalter vertreten wird. Dass die Veranstalter begeistert sein werden, wenn jeder, der ein Bild ins Internet stellen will, bei Ihnen anruft und nach einer Genehmigung fragt, darf bezweifelt werden. Dass sie diese Genehmigung dann erteilen, auch. Ein Anwalt, der auf Urheber- und Medienrecht spezialisiert ist, hat berichtet, dass er viele Fälle zum Thema Fotorecht vertritt, es hier aber um Verstöße gegen die Akkreditierungsverträge gehe und um andere Bereiche. Er habe noch keinen Fall gehabt, wo eine Agentur einen Bürgerreporter wegen einer Veröffentlichung verklagt habe – aber er stellte dar, dass für die Veranstalter und Künstler mehrere Rechtsgrundlagen in Betracht kommen, um strafbewehrte Unterlassungserklärungen oder auch Schadensersatzforderungen durchzusetzen. Ob und mit welchen Konsequenzen ein Bürgerreporter zu rechnen habe, hinge immer vom Einzellfall ab und könne pauschal gar nicht beantwortet werden.

Wie soll sich ein Bürgerreporter verhalten?
Die Lage würde sich sicherlich entspannen, wenn die Besucher und damit auch die Bürgerreporter ihre nicht erlaubten Fotos, nur während der ersten drei Songs schießen würden. Wenn ein Künstler gegen seinen Willen dauerhaft auf der Bühne fotografiert werde, könne das schon mal zu einem Abbruch des Konzerts führen, sagt der Veranstalter von Marianne Rosenberg. Grundsätzlich uninteressiert an den Bürgerreporterveröffentlichungen können die Veranstalter im Allgemeinen nicht sein, sonst würden sie härter gegen Fotografier- und Veröffentlichungsverstöße vorgehen. Hinter jedem Bürgerreporter steckt auch ein Fan, der mit seinen Veröffentlichungen in der Regel die Absicht hat, die Veranstaltung positiv zu besprechen. Je größer die Stars, je wahrscheinlicher ist jedoch deren Wille ausgeprägt, Einfluss auf das Bildmaterial zu nehmen und umso größer erscheint auch die Gefahr, dass gegen die Veröffentlichung vorgegangen wird. Maßgeblich ist dabei vielleicht auch, wie die Bilder sind und was sie zeigen. Es ist aber auch nicht auszuschließen, dass kleine, unbekannte Künstler, sich gegen Veröffentlichungen wehren.
Nachfragen und sich eine Genehmigung einholen, wäre der sichere Weg. Falls er praktikabel erscheint, falls man ohnehin den Veranstalter oder Künstler kennt, sollten Bürgerreporter so vorgehen. Sich als Bürgerreporter für meinanzeiger.de offiziell zu akkreditieren, ist in den meisten Fällen leider nicht möglich, weil die Akkreditierungsplätze begrenzt sind und den Berufsfotografen vorbehalten werden müssen.
Was allerdings immer geht, ist ein Konzertbericht ohne Bilder. Wie die großen Stars aussehen, wissen die meisten – das Konzert als individueller Erlebnisbericht ist dagegen immer eine Exklusiv-Story.
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24 Kommentare
Andreas Abendroth aus Saalfeld | 06.12.2011 | 14:54  
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Antje Hellmann aus Jena | 06.12.2011 | 14:56  
Andreas Abendroth aus Saalfeld | 06.12.2011 | 15:00  
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Marcus Daßler aus Zeulenroda-Triebes | 06.12.2011 | 15:56  
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 06.12.2011 | 17:22  
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Annett Deistung (HarzWusel) aus Nordhausen | 06.12.2011 | 19:45  
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Renate Jung aus Erfurt | 06.12.2011 | 20:56  
Axel Heyder aus Erfurt | 06.12.2011 | 21:50  
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Gerald Kohl aus Erfurt | 06.12.2011 | 23:11  
Axel Heyder aus Erfurt | 07.12.2011 | 00:13  
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Antje Hellmann aus Jena | 07.12.2011 | 01:53  
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Jana Groß aus Sondershausen | 07.12.2011 | 12:36  
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Regina Pfeiler (aus Gera) aus Gera | 08.12.2011 | 09:22  
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Regina Pfeiler (aus Gera) aus Gera | 08.12.2011 | 09:24  
Axel Heyder aus Erfurt | 08.12.2011 | 10:00  
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Antje Hellmann aus Jena | 08.12.2011 | 10:02  
Axel Heyder aus Erfurt | 08.12.2011 | 10:03  
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Regina Pfeiler (aus Gera) aus Gera | 08.12.2011 | 10:07  
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Antje Hellmann aus Jena | 08.12.2011 | 12:12  
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Renate Jung aus Erfurt | 08.12.2011 | 22:54  
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Regina Pfeiler (aus Gera) aus Gera | 10.12.2011 | 11:39  
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Renate Jung aus Erfurt | 10.12.2011 | 12:54  
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Regina Pfeiler (aus Gera) aus Gera | 10.12.2011 | 17:03  
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Petra Seidel aus Weimar | 27.12.2011 | 19:06  
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