15 Jahre Stundenpaarläufe in Jena

Potential genutzt


Im 15. Jahr des Bestehens der Paarlaufserie, die 2001 durch den Verein „Triathlon Jena“ ins Leben gerufen wurde, konnte diese jetzt erfolgreich im Ernst-Abbe-Stadion fortgesetzt werden. Timo Jahn und Dr. Betina Justus, die sich u. a. vom Triathlon kannten, waren bisher ein eingespieltes Organisationsteam. Timo Jahn gehört zu den Hauptakteuren des 1990 gegründeten Triathlonvereins. Dr. Betina Justus ist vor allem durch ihren Sohn Steffen, der es bis zur Teilnahme an Olympischen Spielen brachte, dem Triathlon verbunden. Beruflich war Dr. Betina Justus 2003 eine der vier Hochschulsportlehrer an der Uni und ehrenamtlich als Geschäftsführerin im USV tätig.
Der derzeitige Umzug der Paarlaufserie ins Stadion ist begründet mit den geplanten Baumaßnahmen im Unisportzentrum und dem Ausscheiden von Dr. Betina Justus aus der Organisation. Insgesamt fanden in den letzten 15 Jahren fast 40 Paarläufe statt.
Die Mitorganisation der Laufserie durch den USV war nach dem Neubau der Kunststofflaufbahn im Unisportzentrum im Jahre 2003 und der Einbindung in das Hanfried-Turnier, welches zeitweilig die größte Sportveranstaltung des Uni-Sports war, konzeptionell und materiell ermöglicht worden. Die neue Laufbahn war als Ersatzbau für eine Anlage entstanden, die 1925 durch den Verein für Bewegungsspiele (VfB, heute USV) durch die Mitglieder in „Handarbeit“ erstellt worden war. Insgesamt wurden damals 12.000 Arbeitsstunden geleistet. Der Fußballplatz und die Laufbahn wurden mit einem Damm gegen eventuelle Hochwasser umgeben und in den 1950er Jahren teilweise erneuert. Trotz des Damms war die Anlage bei Hochwasser immer wieder betroffen, so auch 1994. Damals erlitt sie einen Totalschaden. Da die Laufbahn mit etwa 370 Meter Länge nicht normgerecht war, wurden die „Hochwassergelder“ in die Sanierung der ebenfalls stark geschädigten Tennisplätze gesteckt. Erst nach den Weltmeisterschaften der Studierenden im Cross 2000, gelang es Fördermittel für eine neue Laufbahn zu bekommen. Da der USV keine eigenständige Leichtathletikabteilung hatte, und die Ausdauerläufer das Laufen in den Kernbergen vorzogen, wurde nach Möglichkeiten der wettkampfmäßigen Nutzung der neuen Laufbahn gesucht.
Stundenläufe hatten in der Leichtathletik eine lange Tradition. Eines der ältesten Ergebnisse eines Stundenlaufs stammt aus dem Jahre 1852, als der Brite William Jackson 17.703 Meter schaffte. Für 1914 ist der deutsche Rekord mit 17.268,55 Metern von Friedrich Blankenburg (Berlin) überliefert. Blankenburg, ein Spitzenläufer im Deutschen Reich startete auch mehrfach in Jena, so beim 25-Kilometerlauf, über den wir Letztens schrieben. Zu DDR-Zeiten stellte Werner Schildhauer 1983 in Cottbus mit 20.536 Metern einen Rekord auf, der laut Wikipedia noch heute als deutscher Rekord gilt.
In den frühen Leichtathletik-Wettkampflisten Jenas sind Stundenläufe nicht verzeichnet. Erst in den 1980er Jahren wurden regelmäßig Stundenläufe mit mehreren hundert Teilnehmern als Abschluss der Anfängerlaufkurse der Hochschulsportgemeinschaft (HSG) organisiert. Berühmte Stundenpaarläufe mit Musik gab es ab den 1970er Jahren in Bad Köstritz. Das heutige Institut für Sportwissenschaft veranstaltete 1981 erstmals auf der Laufbahn hinter der Muskelkirche einen Stundenpaarlauf. Gesamtsieger wurden Alfred Bauer und Mathias Höflitz mit 19.828 Metern. Diese Serie war Bestandteil des Friedenslaufs der FDJ. 1989, nach der politischen Wende, wurde dieser Lauf am Sportinstitut eingestellt. Auch der Anfängerlaufkurse-Abschluss kam, wie die Kurse selber, zum Erliegen. Als sich dann auch noch die Abteilung Leichtathletik im USV auflöste, gab es Niemanden mehr, der sich um diesen speziellen Wettbewerb der „Stadion-Leichtathletik“ kümmerte. Auch andere Vereine in Jena nutzten dieses Potential zur Gewinnung vor allem von Kindern und Jugendlichen für die Leichtathletik nicht. Die Abteilung Ausdauerlauf im USV sah den Schwerpunkt ihrer Arbeit in der kontinuierlichen Verbesserung der Organisation des Jenaer Kernberglaufs, der in diesem Jahr seinen 40. Geburtstag feiern kann. Daher wurde ein umfangreiches Konzept zur Entwicklung zusätzlicher Laufveranstaltungen auf der Laufbahn im USV durch die Abteilung Ausdauerlauf nicht als Aufgabenstellung angesehen. Halb- u. Stundenpaarläufe, Benefizläufe und der Teamlauf wurden daher unter dem Dach des Gesamtvereins organisiert. Andere Laufveranstaltungen, die von USV-Läufern ins Leben gerufen wurden, wie der Napoleonlauf oder der Hufeisenlauf fanden sogar Träger außerhalb der Sportbewegung.

Der erste Stunden-Paarlauf 2001 hatte insgesamt 21 teilnehmende Paare. Seit 2003 und dem Umzug ins Unisportzentrum wurde eine Halbstundenlauf, besonders für Kinder, zusätzlich eingeführt, der mit fünf Paaren begann. Heute ist der Halbstundenlauf mit über 60 Paaren fast an die Grenze der Kapazitäten gestoßen, auch wenn die breitere Laufbahn im Stadion noch Reserven bietet. Die Gesamtteilnehmerzahl von 216 Läuferinnen und Läufern zeigt die Beliebtheit dieser Wettkampfform und ist ein Resultat der jahrelangen erfolgreichen Arbeit der Organisatoren um Timo Jahn. Rekordverdächtig sind auch die Laufleistungen der ersten Teams im Stundenpaarlauf 2016. Insgesamt vier Teams liefen über 19 Kilometer, obwohl die Innenbahn wegen der Werbeaufsteller nicht nutzbar war. Am 14. September findet der zweite Paarlauf 2016 statt.

Dr. H. Kremer

Bildunterschrift: Nicht nur Kinder und Jugendliche haben Spaß beim Paarlauf, hier 2004 Eugen Hainlein, der diese Woche 89 wurde und ca. 30 Mal teilnahm, mit Christine Friedrich beim Wechsel.

In: Thüringische Landeszeitung vom 28. April 2016
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