25 Jahre Seniorensport beim USV Jena

Erfolgsorganisator Manfred Rosemann

Als sich wenige Monate nach der politischen Wende in der DDR abzeichnete, dass von dem Bereich Studentensport an der Uni mit seinen 24 Sportlehrern nur maximal vier übrigen bleiben würden, begannen diese ein langfristiges Konzept zu erarbeiten, welches noch heute unter der Bezeichnung „Jenaer Modell des Universitätssports“ seine Wirkungen hat. Manfred Rosemann gehörte neben Betina Justus, Wilhelm Tell und dem Autor der Serie zu den Akteuren dieses Modells. Es musste nachgewiesen werden, dass die komplette Abwicklung, die nach Bildung der Thüringer Landesregierung zur Disposition stand, im Vergleich zu Hochschulen an den alten Bundländern einen deutlichen Verlust an Freizeitangeboten für die Studierenden bedeutet hätte. Es stand für jeden der vier auch die eigene Schwerpunktsetzung im Rahmen der zukünftigen Aufgabenstellungen im Mittelpunkt der Überlegungen. Manfred Rosemann, bis dahin vor allem als der Basketballspezialist in Jena bekannt, hatte für sich auf den Seniorensport als ein zukünftiges Betätigungsfeld im Universitätssportverein (USV) gefunden, da Anfang der 1990er Jahre, auch durch die vorzeitige Berentung vieler Universitätsangehöriger, die auf Suche nach gesundheitsorientierten Freizeitangeboten waren. Bereits im Herbst 1990 konnte er einige Testgruppen z. B. für Seniorengymnastik im Hochschulsportprogramm erfolgreich anbieten. Er und Manfred Danker verfassen einen Aufruf zum „Projekt Seniorensport an der Friedrich-Schiller-Universität Jena“. Dieser wurde im Hochschulsportprogramm veröffentlicht und führte in der Folge zur Bildung einer Vielzahl von Übungsgruppen. Es begann mit vier Trainingsgruppen: Gymnastische Übungen und Bewegungsspiele, Spielformen, Wandern und körperstabilisierende Übungen. Am 15. Oktober 1991 startete der reguläre Übungsbetrieb. Innerhalb des USV bekam das Projekt den Status einer eigenständigen Abteilung. Während andere Abteilungen, wie z. B. Leichtathletik, Wandern und Wintersport im USV langsam ihre Tätigkeit einstellten, wuchs der Seniorensport innerhalb kürzester Zeit zu einer der zahlenmäßig größten Abteilungen im Verein. Beginnend mit den beiden Übungsleitern Manfred Rosemann (Gymnastik- und Spielgruppen) und Manfred Danker (Tischtennis und Bildungswandern), existierten bald mehr als zehn Übungsgruppen. Im Dezember 1992 konnte das 100. Mitglied aufgenommen werden. Schon altersbedingt sind aus der Gründergeneration außer Manfred Rosemann nur noch wenige Mitglieder heute aktiv. Dazu gehört die heute 85jährige Gisela Hochbaum, die in zwei Schwimmgruppen trainiert.
Nach wenigen Jahren hatte die Abteilung über 400 Mitglieder und musste für viele Trainingsgruppen, vor allem aus Gründen der Hallen- und Übungsleiterkapazitäten einen Aufnahmestopp aussprechen. Während Manfred Rosemann als technischer Leitung vor allem den Sportbetrieb konzeptionell und praktisch verantwortete, hatte er immer eine Handvoll Sportlerinnen und Sportler um sich, die Abteilungsverwaltungs- und Übungsleiteraufgaben übernahmen. Der erste Abteilungsleiter war Lothar Pfeil, ihm folgte Josef Tinz, der auch heute noch in der Abteilungsleitung als Beisitzer mitwirkt, und seit 10 Jahren hat Renate Schierer das Heft in der Abteilung in der Hand. Zu den Übungsleiterinnen, die schon viele Jahre in ihrer Funktion aktiv sind, gehören u. a. Karin Berkes (Tai Chi), Ingrid Kaudel (Gymnastik) und Gundula Rosemann (Smisek).
Die Abteilung bemühte sich ständig, den Mitgliederbeitrag seniorenfreundlich zu gestalten, um auch Rentnern mit kleinen Einkommen ein Mitmachen zu ermöglichen. Da für einige Gruppen auch immer mal Sportstudentinnen und Sportstudenten gegen Honorierung eingesetzt wurden, der USV eine neue Beitragsregelung einführte und weitere Kosten anfielen, war eine Anhebung der Beiträge nötig. Mit einem klug gestaffelten System bleibt der Beitrag immer noch im seniorenfreundlichen Bereich. Heute zahlen die Mitglieder neben dem USV-Grundbeitrag einen Abteilungsbeitrag in Höhe von 35,00 € und je nach Anzahl der Übungsgruppen, die besucht werden, kommt ein kleiner Aufschlag hinzu. Viele Mitglieder trainieren in mehreren Gruppen mit. Spitzenreiter kommen auf sechs bis acht Trainingseinheiten pro Woche.
Zeitweilig erhöhte sich die Mitgliederzahl der Seniorensportabteilung, nachdem es Doris Glotz erfolgreich gelungen war, Nordic Walking als „outdoor“ Sportart zu etablieren, auf fast 500. Derzeitig sind ca. 430 Mitglieder in der Abteilung. Größten Zulauf haben die „Smisek-Gruppen“, eine Art Funktionsgymnastik nach dem Prager Arzt Dr. Smisek, und auch die Reigentanzgruppe wächst kontinuierlich.
Steigende Anforderung bei der Mitgliederverwaltung und der Bewältigung des bürokratischen Aufwandes, bei steigendem Alter aller Hauptakteure machte es notwendig, Lösungen mit kreativen jungen Kräften zu suchen. Mit Anja Schwiekal hat die Abteilung jetzt eine bereits seit längerem tätige „Nachwuchskraft“ gefunden, die teilweise von der Abteilung Seniorensport fest bezahlt wird und dafür als Übungsleiterin und in der Verwaltung tätig ist.
Um die vielen Gruppen über das wöchentliche Training hinaus zusammenzuhalten und persönliche Kontakte zwischen den Mitgliedern zu befördern, hatte Manfred Rosemann schon vor Jahren Skilehrgänge im Thüringer Wald und Wanderlehrgänge in den Alpen organisiert, die allen Mitgliedern offen stehen. Manchmal mit mehr als 100 Teilnehmern sind besonders die Wanderfahrten in die Alpen inzwischen ein „Renner“ geworden.

Dr. H. Kremer
Bildunterschrift: Manfred Rosemann (Dritter v. r. hält von Beginn an das Feuer im Seniorensport am „Brennen“, hier bei einem Skilehrgang 1996.

In: Thüringische Landeszeitung vom 16. November 2016 Nr. 520
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