25 Jahre Seniorensport im USV Jena e. V.

  Mit Gymnastik ging es los


Als im Herbst 1990 die zweite Auflage der Hochschulsportbroschüre der Jenaer Universität als Oktavheftchen erschien, gab es einige neue Sportangebote, die von Yoga über Aerobic bis zur Seniorengymnastik reichten. Die Einschreibung im Universitätshochhaus, heute Intershop-Tower, ging vom 17. bis 21. September. Am Ende war ein Großteil der Sportgruppen ausgebucht. Den Erfahrungen der ersten Testeinschreibung vom Frühjahr 1990 folgend, waren Wartelisten eingerichtet worden, um bei freiwerdenden Plätzen noch Interessenten berücksichtigen zu können.
Dass ein Angebot für Seniorensport im Unisportheft erschien, verwunderte erst Mal Niemanden, da auch die Angebote des USV und verschiedener Mitarbeiterübungsgruppen zum Programm gehörten. Da sich bereits im Frühjahr 1990 ein Personalabbau an der Uni abzeichnete, bzw. viele Uni-Mitarbeiter die sehr großzügigen Regelungen zu einer frühzeitigen Pensionierung nutzten, bot es sich geradezu an, für diese Zielgruppe eigenständige Sportangebote zu machen. Damals war das Problem einer Überalterung der Gesellschaft noch nicht so gravierend wie heute, wo auf vielen Ebenen der Politik, Wirtschaft und Verwaltung Seniorenbeauftragte aktiv sind. Im Sport spielte dies zur kaum eine Rolle. Die jüngste Ausgabe der Zeitschrift des Landesbeauftragten für Senioren unter dem Titel „Seniorensport“ zeigt allerdings, dass inzwischen dieses Problem in unserer Gesellschaft „angekommen“ ist.
Damals wie heute fällt die Frage der begrenzten Sportstättenkapazitäten bei den „Ruheständlern“ weniger ins Gewicht, können sie doch am Vormittag freie Zeiten nutzen. So fiel Rosemanns Angebot 1990 auf fruchtbaren Boden. Er selber war dabei nicht ganz uneigennützig, versuchten doch die meisten Mitarbeiter im Hochschulsport, durch neue Angebote ihren Arbeitsplatz zu sichern.
Eine starke Reduzierung der hauptamtlichen Hochschulsportlehrer war von der Uni-Leitung bereits angekündigt worden. Zwar hatte der neue Leiter des Jenaer Hochschulsports im November 1990 als Vorsitzender der Landeskonferenz die Möglichkeit erhalten, vor der Thüringer Rektorenkonferenz in Ilmenau eine Konzeption zur weiteren Entwicklung des Hochschulsports vorzulegen und langfristig dessen Bestand als „freiwillige“ Aufgabe in den Thüringer Hochschulen sichern können, was aber den Stellenabbau nur unwesentlich beeinflusste. Es konnte aber für Jena erreicht werden, dass dieses Konzept vom Institut für Sportwissenschaft und später von der Universitätsleitung als Arbeitspapier angenommen wurde. Im Dezember 1990 strich dann die Thüringer Landesregierung völlig unerwartet alle Zuschüsse für den Hochschulsport. Massive Proteste der Studierenden, der Hochschulen und des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbandes (adh) zwangen die Regierung zur Neufestlegung der finanziellen Ausstattung mit 8,00 DM pro immatrikulierten Studenten nach hessischem Vorbild, woher einige Berater des Wissenschaftsminister Dr. Ullrich Fickel stammten. Dass die Sportfreundlichkeit des Ministers und zehnfachen Rennsteiglaufteilnehmers dabei eine nicht unwesentliche Rolle gespielt haben soll, soll nicht bestritten werden.

Manfred Rosemann wurde seit 1990 uneingeschränkt der Initiator und „Macher“ des Seniorensports beim USV. Bis dahin war er als der „Basketballfachmann“ in der Sportlehrerausbildung, im USV und im Hochschulsport bekannt. Fast alle Kinder und Jugendlichen, die vor 1990 in Jena Basketball erlernt haben, gingen durch seine „Hände“.

Die erste Übungsgruppe mit Seniorensportgymnastik fing mit 11 Mitgliedern an. Zu Spitzenzeiten hatte dann die 1991 gegründete Abteilung Seniorensport um 2008 fast 500 Mitglieder in 22 verschiedenen Übungsgruppen. Vor allem in der Sporthalle im Nollendorfer Hof haben noch heute täglich von Montag bis Freitag am Vormittag die verschiedensten Gruppen ihren Übungsbetrieb. Dazu kommen noch Trainingszeiten im Tischtennis und Badminton in der USV-Sporthalle, im Nordic Walking im Universitätssportzentrum und im Schwimmen in Neulobeda.
Rosemann kann sich dabei auf ein erfahrenes Leitungsteam um Renate Schierer und eine Vielzahl von engagierten Übungsleitern stützen. Da die Seniorensportgruppen einen großen sozialen Zusammenhang pflegen, der weit über das wöchentliche Trainings hinausreicht, gab es zeitweilig aus Kapazitätsgründen sogar Aufnahmebeschränkungen. Durch das regelmäßige altersbedingte Ausscheiden von Mitgliedern, haben inzwischen viele Übungsgruppen wieder Aufnahmekapazitäten.

Das 1990 in Ansätzen entwickelte Jenaer Modell des Hochschulsports, welches 1994 zwischen Uni und USV auch vertraglich geregelt wurde, bot die besten Voraussetzungen, dass die Seniorensportler ausgesprochen preiswert jede Woche ihren Sport treiben konnten und können. Rosemann, der dieses Projekt im Ehrenamt mit Unterstützung vieler Übungsleiter und Abteilungsfunktionären, darunter seine Frau, sichert, garantiert bis heute eine positive Entwicklung des Seniorensports im USV. Heute sind die Seniorensportler die zweitgrößte Abteilung im USV, wobei auch in vielen anderen der 27 Abteilungen Mitglieder „Ü50“ einen hohen Anteil haben.
Außer der Leitung von Trainingsgruppen organisiert Manfred Rosemann seit 22 Jahren noch zwei Alpenwanderungen und einen Skilehrgang in Siegmundsburg, die sich großer Beliebtheit erfreuen und regelmäßig ausgebucht sind.

Dr. H. Kremer

Bildunterschrift: Die Teilnehmer der ersten Alpenwanderwoche 2015 in der Region um den Wilden Kaiser.

In: Thüringische Landeszeitung 15. Oktober 2015 Nr. 463
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