40 Jahre Abteilung Ausdauer des USV Jena e. V., Teil I

Spuren bis ins Jahr 1961

Etwas vorfristig feiert die Abteilung Ausdauerlauf des USV Jena e. V. am 12. September 2015 ihren 40. Geburtstag. Hervorgegangen ist diese Gruppe aus der Sektion Orientierungslauf (OL) bei der Hochschulsportgemeinschaft (HSG, heute USV). Die ersten Spuren des OL in der HSG lassen sich bis 1961 zurückverfolgen, als Wintersportler der HSG um Günther Scharf und Siegfried Melchert an Bezirksmeisterschaften im Ski-OL in Ossla teilnahmen. Danach hört man längere Zeit von dieser schönen Sportart nicht viel. In Jena wurde sie aber intensiv bei der BSG Motor Schott betrieben. 1967 war dann das Gelände hinter der Muskelkirche das Ziel der I. DDR-Meisterschaften im Langstrecken-OL (30km). Die HSG wurde durch Hans-Georg Kremer vertreten, der dann mit Barb Obstfelder als erste Sektionsleiterin und Günther Krusch 1968 eine Trainingsgruppe in der Abteilung Wintersport gründete. Im März 1971 verselbstständigten sich die Orientierungsläufer als eigenständige Sektion. Insgesamt traten der neuen Sektion 15 Mitglieder bei, davon sechs Studierende. Erste Sektionsleiterin war Barb Obstfelder, Technischer Leiter war Wolf Dieter Wolfram, Koordinator war Hans-Georg Kremer und Kassiererin war Traute Schölling. Die OLer wurden innerhalb kürzester Zeit zu einer der leistungsstärksten Gruppe in ihrer Sportart in Thüringen. Innerhalb von zehn Jahren holten sie fast 40 Medaillen bei DDR-Meisterschaften, zentralen Pokal- und Studentenwettkämpfen im DDR-Maßstab. Namen wie Monika Braatz, Barb Obstfelder, Traute Schölling, Erika Böhm, Gabriele Pannek, Wolf-Dieter Wolfram, Günther Krusch, Karl-Eberhard Gerlach und Martina Nägler waren Leistungsträger im OL der DDR, gehörten teilweise dem Auswahlkader an und dominierten die studentischen Wettkämpfe. Karl-Eberhard Gerlach fand dieses Jahr übrigens wieder den Weg zur Mitgliedschaft in den USV.
Von dieser Sektion OL der HSG wurden zwischen 1971 – 1975 die ersten DDR-Studentenmeisterschaften initiiert und maßgeblich der GutsMuths-Rennsteiglauf aufgebaut. Außerdem organisierten einige „ausdauerlaufambitionierte“ dieser Gruppe seit 1974 regelmäßig offene Meilenläufe für die HSG.
Im Zuge der um 1970 einsetzenden Bewegung im DDR-Sport, dass man auch auf Grund fehlender Sportstättenkapazitäten den „Sportplatz Natur“ stärker in den Mittelpunkt der Entwicklungsstrategie für den Volkssport stellte, beschlossen die HSG-Leitung und die Abteilungsleitung Studentensport für das Studienjahr 1974/1975 durch einen neuen Kollegen den Aufbau der Sportarten Orientierungslauf, Ausdauerlauf, Sportschießen und Wandern im obligatorischen Studentensport zu forcieren. Schon als mehrjährige Tradition führten die OLer und einige Rennsteigläufer am Vorabend des Universitätssportfestes im Mai 1975 einen Fackellauf über 30 Kilometer von Buchenwald nach Jena durch, um das Buchenwaldfeuer zur Eröffnung des Unisportfestes zu holen.
Im Juli 1975 wurde dann in der „Sozialistischen Universität“, der Betriebszeitung der Uni, informiert: „Nach Auswertung der 75er Erfahrungen (beim Rennsteiglauf) innerhalb der Hochschulsportgemeinschaft der Friedrich-Schiller-Universität wird in der Sektion Orientierungslauf eine Trainingsgruppe „GutsMuths-Läufer“ gebildet, die sowohl Organisatoren als auch aktive Teilnehmer vereint.“ Dazu erschien dann am 30. September ein Artikel in der Lokalausgabe der Volkswacht (heute OTZ), der als Gründungsaufruf der Ausdauerläufer zählt, mit folgendem Wortlaut: „Entsprechend der Auswertung des GutsMuths-Gedenklaufes 1975 und der starken Nachfrage unter Jenas Volkssportlern wird im Oktober eine Trainingsgruppe „GutsMuths-Rennsteigläufer“ gebildet. Unter Anleitung eines erfahrenen Übungsleiters und unter ständiger medizinischer Kontrolle können sich Interessenten auf den GutsMuthslauf 1976 vorbereiten. Erster Treffpunkt ist am Donnerstag, den 9. Oktober, 17.00 Uhr, in der Sektion Sportwissenschaft, Seidelstraße 20.“ 18 Männer kamen zur ersten Trainingsstunde, die seitdem nur unterbrochen durch Feiertage nie ausgefallen ist.
In der Statistik der OLer wurde diese Gruppe bis 1980 mitgezählt. Am Ende des Gründungsjahres 1975 konnte die Sektion Orientierungslauf insgesamt 41 Mitglieder melden, davon 16 Ausdauerläufer.
Innerhalb kürzester Zeit wuchs die Laufgruppe stark an. Kurz vor dem Rennsteiglauf 1976 schrieb die Uni-Zeitung: „Seit Beginn dieses Jahres wurden sechs neue Freizeitsportgruppen an unserer Bildungseinrichtung gegründet. In einer davon betreiben über 50 Mitarbeiter unter Leitung von Dr. Krämer (Sektion Sportwissenschaft) regelmäßig Ausdauerlauf.“ Animiert durch die rasche Entwicklung der Laufbewegung in der DDR insgesamt und der Entstehung vieler neuer Laufveranstaltungen in dieser Zeit, wurde auch in der HSG die Gründung eines eigenen Laufs diskutiert. Als erster Vorschlag stand ein Ausdauerlauf mit einer Streckenlänge von ca. 50 km „Rund um die Hohenwartetalsperre“ zur Disposition. Als Veranstalter sollte der DTSB-Bezirksvorstand Gera auftreten. Die Idee basiert auf zwei Testläufen rund um die Talsperre. Da sich das Projekt nicht realisieren ließ und der DTSB auch kein Interesse daran zeigte, entstand als weitere Idee, einen solchen Lauf im Raum Jena zu organisieren. Dies wurde dann ab 1977 unter dem Namen „Jenaer Kernberglauf“ realisiert.

Hans-Georg Kremer

Bildunterschrift: 1972 wurden DDR-Studentenmeister die Mannschaft (v. l.) Wolf-Dieter Wolfram, Erika Böhm, Traute Schölling, Gabi Pannek, Hans-Joachim Römhild und Günther Krusch

Veröffentlicht in: Thüringische Landeszeitung 10. September 2015 Nr. 458
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