40. Jenaer Kernberglauf - Zur Geschichte III

1977 Bei der Premiere fast 350 Läufer gemeldet

Mit der Gründung des Jenaer Kernberglaufs im Herbst 1977 bekam die ehrenamtlich organisatorische Arbeit in der Laufgruppe der Hochschulsportgemeinschaft Uni (HSG, heute USV) eine neue Dimension. Eine Vielzahl von Helfern und eine gut funktionierende Leitung wurden erforderlich. Namen wie Dr. Andreas Schmidt, Heinrich Fricke, Dr. Rolf Schoder, Dr. Dieter Blechschmidt, Dr. Günther Völksch, Bernd Löschner, Dr. Peter Fuchs, Dr. D. Morgeneier, L. Seifarth, R. Ottma, B. Labusch, G. Hermann, G. Bock, Dr. R. Grunow, P. Körbs, W. Fricke, E. Gläßer und A. Zinßer um nur einige zu nennen, gehörten in den nächsten Jahren zu den Hauptakteuren der Laufgruppe. Heinrich Fricke wurde der Gesamtleiter. Dazu kamen Helfer von anderen Sektionen der HSG, die verschiedene Organisationsaufgaben übernahmen. Es konnten auch andere Sportgemeinschaften wie die BSG Carl Zeiss Jena-Süd oder die ASG (Armeesportgemeinschaft) Vorwärts Jägersberg als Mitorganisatoren gewonnen werden.

Am 22. Oktober 1977 war es dann soweit, der erste Jenaer Kernberglauf wurde als herbstliches Gegenstück zum GutsMuths-Rennsteiglauf gestartet. Das Start- und Zielband vor der Muskelkirche, zierte das Rennsteiglaufsymbol, da der Lauf Kernberglauf als „Rennsteiglauf-Revanche“ ausgeschrieben worden war.
Auch Elemente des Orientierungslaufs, wie die Einrichtung von gesonderten Kontrollposten, was bei anderen Ausdauerläufen nicht üblich war, fanden sich bei der Organisation. In den technischen Hinweisen kann man u. a. lesen:
„1. Der Start für 50 km erfolgt um 9.00 Uhr und für 25 km um 9.30 Uhr vor der Sektion Sportwissenschaft (Jena, Seidelstraße 20 „Muskelkirche“)…Am Start wird der Kontrollabschnitt der Startkarte einbehalten.
2. Die Strecke ist mit roten Markierungen an Bäumen und rot-weißen Papierpostenschirmen (15 x 15 cm) und Absperrungen an unübersichtlichen Stellen gekennzeichnet.
3. Auf der Strecke befinden sich 6 bis 10 Kontrollposten. Die Kontrollposten sind mit rot-weißen Postenschirmen (30 x 30 cm) gekennzeichnet. An den Postenschirmen sind Kontrollzangen. Der Zangenabdruck ist in Reihenfolge auf der Startkarte anzubringen.“

Ein besonderes Problem war die Ermittlung der Sieger und die Erstellung der Ergebnisliste. In der Stadionleichtathletik war dies kein Problem, da z. B. beim 10.000-Meter-Lauf die Starterfelder überschaubar waren und alle Starter nach dem Zieleinlauf auf der Laufbahn blieben und durch die Zeitnehmer genau registriert werden konnten. Auch bei Crossläufen lagen die Starterfelder meist deutlich unter hundert Läufern. Beim ersten Kernberglauf waren fast 350 gemeldet. Wieviel davon genau an den Start gingen, konnte vorher garnicht erfasst werden. Im Starterfeld waren die Läuferinnen und Läufer von insgesamt vier Altersklassen. Die oben erwähnten Startkarten, die aus Karton bestanden, wurden im Ziel der Reihe nach auf ein Nagelbrett gesteckt. Da zeitweilig innerhalb weniger Minuten mehr als 30 Läuferinnen und Läufer die Ziellinie passierten, konnte eine Registratur der Laufzeit auf den Karten nicht erfolgen.
Beim Rennsteiglauf, wo das gleiche Problem bestand, allerdings mit mehreren tausend Läuferinnen und Läufern, hatte 1977 eine kleine Gruppe von engagierten Läufern und Organisatoren um Peter Latzel aus Zella-Mehlis eine elektronische Zeitnahme entwickelt. Kunststofflochkarten, die beim VEB-Robotron Zella-Mehlis für Stechuhren in Großbetrieben entwickelt worden waren, konnten für den Lauf genutzt werden. Diese wurde im Ziel durch ein Lesegerät gezogen, und damit wurde automatisch die Zeit zugeordnet. Beim Einlauf vieler Läufer konnte es dann allerdings im Ziel zu Staus kommen und die offizielle gemessene Zeit von der tatsächlich gelaufenen Zeit abweichen.
Beim Kernberglauf, wo viele Ingenieure und Techniker zu den Organisatoren gehörten, war es gelungen ein Registriergerät zu bekommen, welches auf „Knopfdruck“ die Zeit registrierte, speicherte und ausdruckte. Problematisch war zum Leidwesen des Wettkampfsprechers immer die Siegerehrung, weil die schnelle Zuordnung der Laufzeiten zu den Namen der Läufer in der Wettkampfhektik so gut wie unmöglich war. Ein Kampfrichter wurde daher extra abgestellt, der mit mehr oder weniger großem Erfolg, für alle zwei Strecken die sechs ersten Männer und Frauen manuelle an Hand der Startnummern registrierte. Eine Altersklassenwertung wie beim Rennsteiglauf war mit diesem System nicht möglich.
Zu den technischen Problemen gehörte auch, dass in Zeiten ohne Handys und ohne Sprechfunk für „Normalbürger“, die Nachrichtenverbindungen zwischen den einzelnen Kontroll- und Verpflegungspunkten und dem Start- und Zielbereich schwer herzustellen war. Durch Privatinitiative und unter Umgehung vieler offizieller Dienstwege wurde eine „kernberglauftypische“ Lösung gefunden. Ein Laufgruppenmitglied konnte über seine Kampfgruppen-Hundertschaft eine Funkleitstation auf den Kernbergen errichten und Handfunkgeräte auf der Strecke einsetzen, um so ein Mindestmaß an Nachrichtenverbindungen zu gewährleisten.
Die ersten Gesamtsieger des Jenaer Kernberglaufs 1977 über 50 Kilometer waren der Rennsteiglaufsieger Dieter Wiedemann und Irmgard Neumärker, die im Folgejahr beim Rennsteiglauf gewann. Ebenfalls eine Rennsteiglaufsiegerin, Ursula Weiß siegte über 25 Kilometer. Insgesamt 20 Läuferinnen und 285 Läufer schafften die anspruchsvollen Strecken.

Dr. H. Kremer

Bildunterschrift: Im Ziel stand 1977 diese Apparatur zur Erfassung der Läuferzeit. Auf dem Gerät kann man das Nagelbrett erkennen, auf das die Läufer ihre Startkarte stecken mussten.

In: Thüringische Landeszeitung vom 5. Oktober 2016 Nr. 511
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