Ältestes Kunstwerk zu Rennsteiglauf gefunden

Ältestes Kunstwerk zu Rennsteiglauf gefunden

Als „Ruheständler“ hatte ich mir vorgenommen, u. a. mein privates Rennsteiglaufarchiv zu sortieren. Kurz vor Ostern habe ich bei diesen Arbeiten eine kleine Emaillearbeit von Günther Dührkop aus Lauscha gefunden. Sie wurde 1973 wenige Tage nach dem legendären Lauf von drei Studenten und einem Assistenten der Uni über 100km auf dem Rennsteig von ihm angefertigt. Der „Autor“ ist Günther Dührkop aus Lauscha, der in den 1990er Jahren verstarb. Ich war mit ihm persönlich viele Jahre befreundet. 1969/70 hatten die Sportstudenten der Jenaer Universität ihren Skilehrgang in Lauscha, und das Übernachtungsobjekt war ein Ferienlager neben dem malerisch gelegenen Wohnhaus von Dührkops. Im Rahmen einer Kulturveranstaltung besuchten wir sein Atelier. Unser „Kulturleiter“ Harald Seime machte mich mit Günther Dührkop persönlich bekannt, und ich musste gleich Modell sitzen. In der Folge ergab sich eine intensive und schöpferische Freundschaft. Nach dem 1. GutsMuths-Rennsteiglauf 1973 war ich eine Woche später bei Dührkops zu Besuch, da wir für die von mir mitorganisierten DDR-Studentenmeisterschaften im Orientierungslauf Medaillen kreieren wollten. Dührkop besaß die technischen Möglichkeiten zur Herstellung von Emaillearbeiten. Nachdem eine kleine Schablone gezeichnet und ausgeschnitten war und ich das Emaillepulver auf die Kupferplatten gestreut hatte, waren die benötigten zwei Medaillensätze schnell in den Ofen geschoben. Jetzt hieß es warten, bis der Ofen auf- und abgetempert war. In dieser Zeit sprachen wir auch über unseren Lauf auf dem Rennsteig. So nebenbei werkelte Günther mit einem Kupferblech und dem Emailpulver. Die Medaillen konnten nach einiger Zeit gelungen aus dem Ofen gezogen werden und ohne, dass ich es mitbekam, schob er ein weiteres Blech in den Brennofen. Beim Abendessen kam dann die Überraschung, als er mir das kleine Kunstwerk mit den vier stilisierten Läufern feierlich überreichte. Er hatte noch eine kleine Holzplatte gefunden, die genau zu der Kupferplatte passte. Entschuldigend sagte er, dass er den Wald nicht hinbekommen hätte, da er keine grüne Emaille gehabt habe. Ich war froh und glücklich über diese schöne Arbeit. Sie zierte viele Jahre mein Büro in Jena, bevor sie bei einem Umzug ins Archiv wanderte und in Vergessenheit geriet und jetzt beim Wiederauffinden viele schöne Erinnerungen wachrief.
Günther Dührkop hat dann 1975 und 1976 für den Rennsteiglauf das Plakat und die Urkunden entworfen und in den folgenden Jahren oft als Berater und Verbindungsmann zu den Glaskünstlern in Lauscha gedient, die u. a. sehr wertvolle Pokale für die „Teamwertung“ 1975 geschaffen haben. Überhaupt gehörte es zum Selbstverständnis der Rennsteiglauforganisatoren, dass wir Plakate, Schriftzüge, Wimpel und andere Souvenirs von professionellen Künstlern gestalten ließen. Namen wie Günther Dührkop, Albrecht Greiner-Mey, Volkhardt Precht, Rolf F. Müller, Angelika Schütt und Frank Norbert Beyer gehörten u. a. dazu. Der Verkauf aller Souvenirs, auch der Plakate war einerseits Teil des „wirtschaftlichen Konzepts“ des Rennsteiglaufs bis 1990, und andererseits sorgte der hohe künstlerische Anspruch dafür, dass z. B. die Plakate nicht achtlos entsorgt wurden, sondern noch oft über Jahre Büros, Sportheime und Ausstellungen zierten. Damit war auch ein langfristiger Werbefaktor verbunden. Die Teilnehmer- und z. T. auch die Siegerurkunden Urkunden nahmen das Plakatmotiv des jeweiligen Jahres auf, womit sie sich deutlich von den sonst üblichen „DDR-Einheitsurkunden“ abhoben.
Heute pflegt diese Tradition jährlich wechselnder künstlerisch wertvoller Urkundenmotive z. B. noch der Jenaer Kernberglauf, bei dem diese Tradition von 1977 beginnend kaum unterbrochen wurde.

Hans-Georg Kremer
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