Arthur Linß - eine Trainerlegende in Jena

Ein ausgewiesener Fachmann

Im ersten Teil zur „Trainerlegende“ Arthur Linß haben wir seine Entwicklung bis Anfang der 1950er Jahre kennengelernt. Sportlich war er damals selber besonders im Rasenkraftsport aktiv. Als Trainer galt er als ausgewiesener Fachmann für die technischen Disziplinen wie Kugelstoßen, Hammer- und Speerwerfen aber auch für Stabhochsprung sowie Hürdenlaufen. Da es Anfang der 1950er Jahre noch nicht viele gut ausgebildete Trainer gab, betreute er prinzipiell alle Leichtathleten bei Motor Schott. Das änderte sich auch nicht, als sich diese Betriebssportgemeinschaft in Schott und Chemie teilte. Bis Anfang der 1950er Jahre gehörten Teile des späteren VEB Jenapharm zu den Glaswerken Otto Schott. Bedingt durch eine besondere Förderung der Chemieindustrie in der damaligen DDR, gliederte sich der Betriebsteil, der pharmazeutische Produkte herstellte, aus. Dem zogen auch die Gewerkschaftsstrukturen und damit auch die Sportler nach. Bereits am 21. Juli 1950 spricht man in der Zeitung „Das Volk“ über die Gründung der Sportvereinigung Chemie. Zwischen 1950 – 1952 scheint es mehrfache Wechsel von Aktiven zwischen beiden Sportgemeinschaften gegeben zu haben, denn es tauchen in Ergebnislisten Sportler sowohl unter Schott als auch unter Chemie auf. Zu den namhaftesten Sportlern, die von Arthur Linß bei Chemie anfangs betreut wurden, gehörten Hugo Forkel und Erika Junghanns. Zu Hugo Forkel hatten wir früher schon mal geschrieben und in dem Buch „Jenaer Sporthistorie in Wort und Bild“ publiziert. Er stammte aus dem Thüringer Wald und war vor allem ein erfolgreicher Skilangläufer erfolgreich. Nach Jena holte ihn Arthur Fleischhauer. Zusammen haben Sie u. a. je eine Medaille bei den DDR-Meisterschaften in Ski-Staffellauf und beim Crosslauf gewonnen.
Für Chemie Jena startete auch die aus Naumburg stammende Leichtathletin Erika Junghanns als Leichtathletin. Ihre Spezialdisziplin war der Weitsprung. Schon 1938 gehörte sie mit 5,55 Meter zu den Spitzenweitspringerinnen in Deutschland. Zu den größten Erfolgen gehörte sicher ihr Weltrekord mit 5,73 Meter 1941 in der Halle und die 6,07 Meter von 1938, die aber nicht anerkannt wurden, da bei dem Wettkampf in Naumburg nur zwei Kampfrichter anwesend waren. In Jena startete sie erst für Schott, ging dann mit Arthur Linß zu Chemie. Später findet man ihren Namen wieder bei Schott und sogar bei der HSG (heute USV) in den Ergebnislisten. Mit 37 Jahren (1956) schafft sie im Weitsprung noch gute 5,20 Meter.
Die Querelen um das Unisportzentrum Anfang der 1950er Jahre werden ihr egal gewesen sein, sonst würde sie wohl später nicht zur HSG gegangen sein.
Ab Anfang 1950 versuchten die Funktionäre von Chemie das Universitätssportgelände in der Oberaue unter ihre Kontrolle zu bringen. 1946/47 hatte die Uni die Sportler von Schott mit auf ihre Sportanlagen genommen, in der Hoffnung, dass sie dadurch an Baumaterial und andere Kapazitäten kommt. Dies ging auch praktisch auf, weshalb es dann einen langfristigen Vertrag gab, der Rechte und Pflichten beider Seiten klar regelte. Nach der Abspaltung von Chemie wollten dann die Chemiker diesen Vertrag zu ihren Gunsten ausnutzen. In der Zeitung „Das Volk“ konnte man schon 1950 folgende Aussagen finden: „250 Sportstudenten kämpften auf der idealen Sportanlage der BSG Chemie, die in Kürze in „Walter-Ulbricht-Stadion“ getauft werden soll…“ Es dauerte bis 1954 und des Einsatzes des Nationalpreisträgers und ZK-Mitgliedes Fred Oelsner, bis die Uni wieder zu ihren Rechten kam.
Arthur Linß scheint sich darum wenig gekümmert zu haben, was man daran erkennt, dass er sowohl Sportler von Chemie als auch von der Uni fachlich beriet. So starteten z. B. bei den Kreismeisterschaften 1951 die Studenten Ittershagen für Motor über 800 Meter, Eichhorn-Bayer über 400 Meter Hürden für Chemie, Engelmann über 5000 Meter für Chemie, Junghähnel im Weitsprung für Chemie und Platzek den Weitsprung sowie Hochsprung für Schott. Seine erfolgreichste Sportlerin blieb aber Erika Junghanns, die 1951 DDR-Mehrkampfmeisterin wurde, Sie schaffte im Kugelstoßen 9,15 Meter, im Hochsprung 1,42 Meter; 200m 26,6 Sekunden, im 80m Hürdenlaufen 12,3 Sekunden und im Weitsprung 5,44 Meter.
Als erfolgreicher Studentensportler, den Arthur Linß auf einem Foto sogar fälschlicher Weise zum Sieger von Studentenweltspielen deklarierte, trainierte Heinz Stephan bei ihm. Als 110-Meter-Hürdenläufer gewann er 1949 die Ostzonenmeisterschaften und 1950 und 1951 die DDR-Meisterschaften auf dieser Strecke. Heinz Stephan kam wie die bekannten Jenaer Sportlerpersönlichkeiten Georg Buschner (Fußball), Georg Frister (Dreisprung), Horst Götze (Hochsprung) und Paul Dern (Mittelstrecke) Ende der 1940er Jahre aus Gera nach Jena. Außer über 110-Meter- Hürden holte er sich Silber über 400- und Bronze über 200-Meter-Hürden bei DDR-Meisterschaften. 1952 lief er in Kiew bei einem Länderkampf persönliche Bestzeit über 110-Meter mit 15,0 Sekunden. In den Statistiken wird 1951 ein fünfter Platz über 400-Meter-Hürden bei den Internationalen U.I.E. Sportwochen in Berlin geführt. Diese von den Internationalen Studentenverbindung organisierten Wettkämpfe im Rahmen der Weltfestspiele der Jugend und Studenten waren der Vorläufer der Universiade für die „Ostblockstaaten“. Damit hatte, was die Zuordnung des Wettkampfes betrifft, Arthur Linß doch Recht. Heinz Stephan verließ 1953 die DDR in Richtung Westen, ist dann zeitweilig im Leichtathletikkader der BRD und startet bis in die 1960er Jahre erst für Marathon Krefeld und dann für den ASV Köln.

Dr. H. Kremer

Bildunterschrift: Arthur Linß (links) erläutert hier Heinz Stephan (3.v.l.) und anderen Sportlern trainingsmethodische Literatur. Foto: USV-Fotoarchiv

Veröffentlicht in: Thüringische Landeszeitung 18. Juni 2015 Nr. 446
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