Dem Jenaer internationalen Leichtathletik-Kampfrichter Hermann Kleppe zum 90.

Lexikon der Leichtathletik

Als ein wandelndes Lexikon des Regelwerkes und aller Bestimmungen bei Leichtathletik-Wettkämpfen kann man Hermann Kleppe bezeichnen, der heute seinen 90. Geburtstag feiert. So kann es Niemanden wundern, wenn er zu denen gehörte, der mit dazu betrug, dass der Jenaer Leichtathlet Rudolph Klupsch nach 50 Jahren noch zu verspäteten Ehren kam.
Klupsch war in den 1930er Jahren über 400 Meter einer der Spitzenläufer in Deutschland. Auf dieser Strecke wurde er 1936 bei den Deutschen Meisterschaften von den Zielkampfrichtern auf Platz vier gesetzt. Es war ein knapper Einlauf und die Zielfotografie wurde, wie dies der Nestor der Thüringer Leichathletikkampfrichter Hermann Kleppe nachweisen konnte, erstmals bei den Olympischen Spielen 1936 ein paar Wochen später eingesetzt. Fast 50 Jahre danach ermittelte der Franzose Perdinaut bei der Auswertung von Fotos, dass Rudolph Klupsch der wahre Sieger dieses Meisterschaftslaufs gewesen ist. Hermann Kleppe, der dies herausgefunden hatte, wird heute 90 Jahre.
Hermann Kleppe wurde 28. August 1925 in Göttingen geboren und besuchte in Heiligenstadt das Gymnasium. Immer sehr sportlich interessiert, galt seine große Liebe dem Segelflugsport, was ihn im II. Weltkrieg auf eine Flugzeugführerschule führte. Erst nach dem Krieg konnte er sein Abitur ablegen. Zum Studium ging er nach Frankfurt/M., da in Thüringen noch kein Sportstudium angeboten wurde. Als Sportlehrer kam er zurück nach Heiligenstadt und wurde, da er einer der wenigen nach dem Krieg ausgebildeten Sportlehrer in Thüringen war, mit Lehraufträgen bei Lehrgängen in der Sportschule Bad Blankenburg eingesetzt. Dort existierten außer den Sportstätten auch Möglichkeit zur Übernachtung und Versorgung, wodurch sich die Schule als Landessportschule etablierte und bald als zentrale Ausbildungsstätte für die sich entwickelnden DDR-Kernmannschaften genutzt wurde. Hermann Kleppe war anfangs vor allem im Handball tätig. Er wechselte dann in die im Aufbau befindliche Kinder- und Jugendsportschule. Nebenbei absolvierte er ein Fernstudium an der Pädagogischen Hochschule Potsdam und der Deutschen Hochschule für Körperkultur in Leipzig.
Sein Name ist besonders unter den ehemaligen Schülern der Kinder- und Jugendsportschule Bad Blankenburg noch heute bekannt, wo er viele Jahre als Stellvertreter des legendären Direktors Erwin Schwarz für die sportliche Entwicklung an der Schule zuständig war. Nach dem unfreiwilligen Wechsel der Kaderschmiede des Thüringer Leistungssports nach Jena und dem Ausscheiden von Erwin Schwarz aus der Direktorenfunktion, wechselte später auch Hermann Kleppe als Lehrkraft an das Institut für Körpererziehung (heute Sportwissenschaft). Hier war er speziell in der Theorie und Praxis der Sportarten und der Leichtathletik als Lehrkraft tätig und brachte sich auch als Organisator bei vielen Leichtathletikwettkämpfen an der Universität ein.
Bei großen Wettkämpfen, wie die DDR-Meisterschaften, als leitender Kampfrichter aktiv, hatte sich Hermann Kleppe über Jahre um die Leichtathletik verdient gemacht. Schon 1959 war er erstmals der Kampfrichterobmann bei den DDR-Jugendmeisterschaften in Bad Blankenburg. 1981 und 1986 folgten DDR-Meisterschaften in Jena und bis 1989 alle fünf Jahre die DDR-Studentenmeisterschaften. Von 1990 bis 1995 war Hermann Kleppe vor allem bei den Zeiss-Meetings tätig, bei denen er sich als umsichtiger Funktionar auch international einen Namen machte. Dafür wurde er hoch geehrt. Außer den Ehrennadeln des Thüringer und des Deutschen Leichtathletikverbands zeichnete ihn der Landessportbund mit der GutsMuths-Ehrenplakette in Gold aus. Gegenwärtig berät er noch im Thüringer Leichtathletik Verband die Arbeitsgruppe Chronik und ist Mitglied im Förderverein Leichtathletik – Pro Jena sowie Fördermitglied des USV Jena.
Dr. H. Kremer

Veröffentlicht in: Thüringische Landeszeitung 28. August 2015
Bildunterschrift: Herrmann Kleppe (hinten 2. v. r.) 1964 mit Kollegen von der Kinder- und Jugend Sportschule Bad Blankenburg; links von ihm seine Frau, die erfolgreiche Kugelstoßtrainerin Ingrid Kleppe.
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