Der Jenaer Universitätsturn- und Sportlehrer Hermann Eitel

Eine überaus günstige Belebung

Am 24. April 1914 wurde Hermann Eitel mit einer feierlichen Vereidigung als Turn- und Sportlehrer an der Jenaer Universität eingestellt. Er ist damit der erste hauptamtlich tätige Turnlehrer an einer deutschen Universität. Er hatte sich gegenüber mehreren anderen Bewerbern durchgesetzt, unter denen auch der Lehrer der Jenaer Oberrealschule Adolf Hamberger gewesen ist, der die Uni-Turnphilogenausbildung als Nebenamtler im Turnen, Gerätekunde und Wandern unterstützte. Nach einer indirekten Quelle könnte dieser aber seine Bewerbung zurückgezogen haben, weil er auf der Stelle bei der Uni schlechter als an der Schule bezahlt worden wäre.
Eitels Vorgänger, Hermann Peter, der als Hauptakteur der „Spielplatzbaugenossenschaft“, alle Aufgaben im Ehrenamt erfüllte, hatte seit 1903 mit einem Platzwart, der mit seiner Frau im Tennishaus wohnte, einen „hauptamtlichen“ Mitarbeiter. Neben der Verwaltung, Pflege und Wartung der Plätze, war er gleichzeitig auch noch Initiator und Koordinator einer Vielzahl akademischer und städtischer „Sportgruppen“ und eines „Vereins zur Förderung der Bewegungsspiele“. Man könnte ihn heute mit einem Vereins-Geschäftsführer vergleichen.

Gegenüber Peter war Eitel bei der Uni fest angestellt. Er übernahm schrittweise alle Aufgaben von Peter und zusätzlich noch akademische Lehr- und Verwaltungsaufgaben. Er wurde aber nur als Verwaltungskraft bezahlt. Wenn man bedenkt, dass heute für die Aufgaben die Eitel erfüllte beim USV, dem Hochschulsport und dem Institut für Sportwissenschaft über 60 hauptamtliche Mitarbeiter zuständig sind, davon fast 15 incl. Platzwarte usw. für den USV und den Hochschulsport, ist dies auch unter der Berücksichtigung der jetzt deutlich höheren Studenten- und Sportlerzahlen kaum noch vorstellbar. Es zeigt aber, welche Aufwertung der Sport im weitesten Sinne in den letzten hundert Jahren erfahren hat.
Woher kam Hermann Eitel? Er wurde 1886 in Triptis geboren. Sein Vater war Offizier. Hermann Eitel besuchte die Schule in Gotha, legte 1909 die Lehrerprüfung in Berlin ab und belegte einen Kurs an der Landesturnanstalt Berlin mit dem Abschluss eines Turnlehrers, den er im Juli 1910 erfolgreich bestand. Anschließend absolvierte er einen Kurs für orthopädisches Turnen an der „Königlichen Klinik“ in Berlin. Ab 1911 war er an der Realschule in Gotha tätig.
Über seine sportliche Biografie ist wenig bekannt. In Ergebnislisten der Leichtathletik taucht aber mehrfach ein Eitel aus Gotha auf. So 1907 bei Gaumeisterschaften auf Platz drei im Weitsprung mit 5,08 Meter. 1913 ist ein Gothaer Turnlehrer Eitel beim Thüringer Turnlehrertag verzeichnet. Kurz vor seiner Einstellung ist er auch in Jena als Sportler präsent. Eitel war beim ersten städtischen Eissportfest auf dem Schleichersee im Januar 1914 positiv aufgefallen. „Von der Festleitung war der bekannte Kunstfahrer Herr Eitel vom Wintersportverein Gotha für den Abend gewonnen worden. Erstaunlich war es, mit welcher Eleganz und Sicherheit er die schwierigsten Bewegungen und Fahrten ausführte“, kann man in einem Bericht lesen. In der Verbandszeitung „Mitteldeutscher Sport“ wurde 1914 Eitels Einstellung an der Uni sogar ein kleiner Artikel gewidmet.
„Die Universität Jena hat den Vorschlägen des Sportausschusses an der Alma Mater gemäß einen Sportlehrer in der Person des Hermann Eitel aus Gotha angestellt, der sein Amt bereits am 1. April antritt. Z. Zt. nimmt er an dem Sportlehrerkursus in Berlin teil. Da er in allen Gebieten des Sports und turnerisch - der bisher bestehende Universitätsturnlehrerposten wird ebenfal1s von ihm ausgefüllt - selbst mit großem Erfolg tätig ist und so sich im Laufe der Jahre sowohl praktische wie auch theoretische Kenntnisse im reichem Maße gesammelt hat, verspricht man sich von seiner neuen Tätigkeit als Sportlehrer einer thüringischen Universität eine überaus günstige Belebung des sportlichen Gedankens unter den Studierenden nicht nur, sondern auch indirekt eine vorteilhafte Einwirkung und Förderung für die gesamte sportliche- und turnerische Bewegung in der aufblühenden Saalestadt.“
Eitels dienstliches Wirken 1914 gipfelten im I. Universitäts- Turn- und Sportfest, welches als überregionales Sportereignis in die Medien einging. Es gelang sogar den Großherzog mit seinen Hofbeamten als Gäste zu gewinnen. Kurz danach begann der I. Weltkrieg. Eitel ging als Freiwilliger an die Front und wurde bei der Schlacht von Langemark verwundet. Nach seiner Genesung tat er Dienst bei der Fliegerersatzabteilung Gotha. Nach einer Feldpilotenprüfung wurde er Fluglehrer. Ab 1916 kam er mit dem Kampfgeschwader 3 im Feld zum Einsatz. Die Aufgaben der Sportplatzverwaltung hatte Hermann Peter, trotz Krankheit, zeitweilig übernommen.
Nach dem I. Weltkrieg meldete sich Hermann Eitel umgehend wieder zum Dienst an der Universität und begann ab 1919 den Hochschulsport und die Turn- und Sportlehrerausbildung in Gang zu setzen. Sein beruflicher Werdegang bis 1934 wurde früher schon ausführlich beschrieben. Bisher so gut wie unbekannt sind seine „sportlichen“ Aktivitäten nach 1919. Bereits Anfang der 1920er ist er Vorstandsmitglied im 1905 gegründeten Thüringer Wintersportverband, wo er für Lehrwesen verantwortlich zeichnete. Im Gegensatz zum Dachverband gehörten Anfangs zum Thüringer Landesverband alle Wintersportarten, so dass man Eitels Schlittschuhläuferaktivitäten diesem Verband zuordnen kann.

Dr. H. Kremer

Bildunterschrift: Eitel hinten 2. v. links, mit dem Vorstand des Thüringer Wintersportverbands aus Roland Sänger, Chronik des Thüringer Skisports, vorne v. l. G. Räther und Dr. F. Tenner.

In: Thüringische Landeszeitung vom 18. Februar 2016 Nr. 479
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige