Der „Statiker“ und Torjäger

  in: Thüringische Landeszeitung 13. Dezember 2014

Heute am Samstag, den 13. Dezember 2014 feiert Karl-Ulrich Meyn seinen 75. Geburtstag. Zu seiner Ausbildung als Jurist studierte er in Berlin und Kiel, wo er außerdem Publizistik, Volkswirtschaft, Geschichte und Philosophie belegt hatte. Nach Professuren in Hamburg und Osnabrück erhielt er 1991 einen Ruf an die Universität Jena. Karl Ulrich Meyns Forschungsschwerpunkte sind Thüringer Hochschul- und Kommunalrecht, das parlamentarische Regierungssystem und das Repräsentationsprinzip, denen er sich auch noch im Ruhestand widmet. Dies führte u. a. dazu, dass er seit 1995 stellvertretender Richter am Thüringer Verfassungsgerichtshof wurde. 1993 bis 1997 war er Prorektor der Universität. Als er vom damaligen Rektor Georg Machnik gefragt wurde, ob er auch das Ehrenamt des Präsidenten des Universitätssportvereins (USV) Jena, in Nachfolge seines Amtsvorgängers Lutz Wenke mit übernehmen würde, sagte er nach kurzer Überlegung zu. Seine sportliche Biografie, er war ähnlich wie Wenke passionierter Fußballer und Tennisspieler, begünstigte dies. Meyn war von Jugend an sportlich sehr aktiv. Im Fußball hat er im A- und B-Juniorenbereich bei SV Grün-Weiß Hamburg gespielt. Später, in seiner Zeit als Student und Doktorand in Kiel, war er Spieler der BSG Universität Kiel. Meyn war als Fußballer ein „Torjäger“ mit sehr guten koordinativen Fähigkeiten, einem ausgeprägtem Spielverständnis und sehr guter Schusstechnik.
In seiner Amtszeit als Präsident des USV Jena trug er ganz entscheidend zur Weiterentwicklung des Jenaer Modells des Universitätssports bei. Sein Vorgänger Lutz Wenke hatte es geschafft, mit dem Uni-Kanzler, Dr. Klaus Kübel einen noch heute gültigen Vertrag auszuhandeln, der sowohl dem USV langfristig seine Entwicklung sicherte als auch den Universitätsangehörigen das Potential von Thüringens größtem Sportverein erschloss. Dabei war Meyn als Jurist darauf bedacht, dass möglichst immer ein Gleichgewicht der drei Hauptakteure des Sports an der Uni, dem Institut für Sportwissenschaft, dem Hochschulsport und dem USV existierte, wovon alle drei partizipieren konnten. Man könnte ihn, der sich auf ein starkes Team von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern im Sport und im Vorstand stützen konnte, im „Architektenbüro“ des Jenaer Universitätssports als den „Statiker“ dessen ansehen.
In die Amtszeit als Präsident des USV fielen mehrere wichtigen Entwicklungen, die heute noch positiv nachwirken. Ein Großteil der Umgestaltung des Universitätssportzentrums durch neue Kunstrasenplätze, den Bau einer Kampfsporthalle, einer neuen Leichtathletikanlage und eines Fußballplatzes gehören dazu. Die dabei entwickelten Überlegungen waren auch die „Blaupause“ für den Bau der USV-Sporthalle, die Meyn dann in seiner Funktion als Rektor begleitete, als er sein Amt als Präsident des USV an Rolf Steyer übergab, um Interessenkonflikte mit dem Rektoramt zu vermeiden.
Als erster Präsident des USV erkannte er, dass die Gewinnung von Sponsoren von „außerhalb“ wichtig für die finanzielle Unabhängigkeit des Vereins sei. Ein Tennisturnier „Wirtschaft trifft Wissenschaft“ als Bestandteil des Hanfried-Turniers, welches heute nicht mehr in dieser Form existiert, sollte dazu beitragen. Grundsatz-Sponsorverträge mit der Köstritzer Schwarzbierbrauerei, der Techniker Krankenkasse und der Sparkasse, die 1997 erarbeitet wurden und jetzt noch Gültigkeit haben, brachten dem USV bis heute einen mittleren sechsstelligen Betrag ein.
Traditionspflege und die Unterstützung des Ehrenamtes waren ihm immer besonders wichtig, weswegen er als Präsident einen Wanderpokal für besonders verdienstvolle USV-Funktionäre stiftete und persönlich bezahlte. Die Nutzung der historischen Universitätssportmedaille und der Schaffung der Amtskette für die Präsidenten des USV fallen in seine Amtszeit. Er griff auch als Stifter beim Bau der USV-Sporthalle und bei der Erhöhung des Stammkapitals der Stiftung Jenaer Universitätssport großzügig in die eigene Tasche.
Bei wichtigen Sportveranstaltungen, wie den Studentenweltmeisterschaften im Cross 2000, wirkte er als Vorsitzender des Organisationskomitees, oder als Schirmherr, wie beim Jenaer Kernberglauf und beim Hanfried-Turnier. Die Liste seiner Aktivitäten im Sport, bis zur Übernahme des Vorsitzenden des Kuratoriums der Stiftung Jenaer Universitätssport ließe sich noch um vieles verlängern. Besonders gerne war er aber als torgefährlicher Fußballer der Professorenauswahl der Uni im Einsatz.
Der Vorstand des USV Jena ist sich einig, Prof. Dr. Karl-Ulrich Meyn in Anerkennung seiner Leistung für den Verein, auf der Grundlage der erst kürzlich beschlossenen Auszeichnungsordnung die „Ehrenmedaille des USV“ als Erstem zu verleihen.

Dr. Hans-Georg Kremer
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