Die GutsMuths-Rennsteiglauf-Revanche

Die GutsMuths-Rennsteiglauf-Revanche
40 Jahre Ausdauerlauf, Teil 2

Von 1975 – 1980 gehörten die Ausdauerläufer der Hochschulsportgemeinschaft (HSG, heute USV) zur Sektion Orientierungslauf (OL). Als Sektionleiterinnen fungierten in dieser Zeit nach Barb Obstfelder, Helke Feyler und Gabriele Schölling. Als interner Leiter der Laufgruppe war zuerst der Pathologe Dr. Andreas Schmidt zuständig, der auch der erste Gesamtleiter des Kernberglaufs war. Außer dem Kernberglauf, der sich ab 1977 erfolgreich in der DDR-Laufszene etablierte, waren die Ausdauerläufer an der Organisation von volkssportlichen Meilenläufen, OLs für Ausdauerläufen und Fackelläufen von Buchenwald nach Jena beteiligt. Zusätzlich wurden im Herbst und Winter offene Trainingsläufe in Vorbereitung auf den Rennsteiglauf als „Obergneuser Geländeläufe“ organisiert. Diese hatten Streckenlängen bis 40 Kilometer. In Obergneus hatte die Abteilung OL zeitweilig eine Wanderhütte, die als Ausgangspunkt für Läufe, Wanderungen aber auch gesellige Veranstaltungen genutzt wurde.
Auch sonst waren die Jenaer Ausdauerläufer in der DDR-Laufszene aktiv. So wundert es nicht, dass eine kleine Gruppe von ihnen im Sommer 1977 am Turn- und Sportfestes in Leipzig teilnahm. Rüdiger Grunow, Gerhard Rötzschke, Bernd Löschner, Lothar Seifarth und Hans-Georg Kremer waren Mitglieder der Bezirksdelegation Gera und sind bei einem zentralen Meilenlauf (1977 Meter) gestartet. Da ihnen dieser offizielle Lauf zu kurz war, organisierten sie einen Sportfest-Marathon, der durch „Mund zu Mund- Propaganda“ unter den Laufgruppen der anderen Bezirke bekannt gemacht wurde. Fast 100 Läuferinnen und Läufer aus der ganzen DDR standen am Start. Es war ein „Rundenrennen“ auf der Meilenstrecke und es war keine Zeitnahme ausgeschrieben worden, um nicht mit den Organisatoren des Sportfestes in Konflikt zu geraten. Nach einem späteren Bericht in der Uni-Zeitung, wurde bei diesem Lauf die Idee geboren als Gegenstück zum Rennsteiglauf, an dessen Organisation die HSG Jena damals noch maßgeblich beteiligt war, einen eigenen Lauf in den Kernbergen zu organisieren. Man wählte als Untertitel für diesen neuen Lauf die Bezeichnung „GutsMuths-Rennsteiglauf-Revanche“ und lud ganz gezielt die Spitzenläufer des Rennsteiglaufs ein. Dieter Wiedemann, der beim Rennsteiglauf 1977 über die 75 Kilometer gesiegt hatte, kam auch tatsächlich nach Jena und gewann die lange Strecke über 50 Kilometer, was aber eine andere Geschichte ist.
Jedes Jahr im Herbst wurde neu für die Trainingsgruppe Ausdauerlauf der HSG Uni Jena geworben. Unter der Überschrift „Rennsteiglaufvorbereitung“ kamen neue Interessenten, darunter zunehmend auch Frauen. Mitglieder der Laufgruppe unterstützten die Gründung weiterer Trainingsgruppen bei anderen Sportgemeinschaften, wie bei der WSG Neulobeda und der BSG Carl Zeiss Jena-Süd. Mit Patenschaften wurde die Gründung der Laufgruppen von Chemie Schwarza und Wismut Gera unterstützt.
Auch im Studentensport der Uni entstanden Laufgruppen. Prominentester Teilnehmer in einer solchen Laufgruppe war der spätere Thüringer Finanzminister, Andreas Trautvetter, der damals Mathematik in Jena studierte.
Durch eine gute Pressearbeit, die Dr. Dieter Blechschmidt übernommen hatte, war die Laufgruppe bald auf über 50 feste und ca. 20 Saisonmitglieder angewachsen. Da 1978 die Wanderhütte Obergneus aufgegeben worden war, nutzte man verstärkt die vielen neuen Wettkämpfe, die in Thüringen entstanden waren, um sich auf den Rennsteiglauf vorzubereiten. Vom Kyffhäuser Berglauf bis zu den Greizer Straßenläufen, überall konnte man Starter von der HSG Uni Jena finden.
Da die Bindungen zur „Muttersportart“ OL immer loser wurden, wurde im September 1980 eine selbständige Sektion „Ausdauerlauf“ gegründet. Sektionsleiter wurde Dr. Rolf Schoder, der es für 20 Jahre lang blieb. Weitere Leitungsmitglieder waren Jens Wötzel, Ekkehard Gläßer und Matthias Günther. Heinrich Fricke wurde als Gesamtleiter des Kernberglaufs ebenfalls Leitungsmitglied. Die Läufer gaben sich in der ersten Mitgliederversammlung ein ambitioniertes Programm, welches u. a. folgende Punkte umfasste: Intensivierung des Trainingsbetriebes; Gewinnung neuer Übungsleiter; abwechslungsreichere Trainingsformen; Förderung nicht so leistungsstarker Läufer; zentrale Meldungen und An- und Abreise bei sechs Läufen im Jahr; gemeinsames Lauftraining der Frauen mit der WSG Neulobeda usw. Später kamen u. a. als jährliche Schwerpunktaufgaben noch hinzu: Die Beschaffung von Laufschuhen, die Meldung und Koordinierung für den Rennsteigmassenskilauf, den Kyffhäuserberglauf, den Saaletallauf, den Städtelauf Jena-Gera. Außerdem wurde die Teilnahme an Läufen in der CSSR im Sommer und Winter beschlossen. Bis 1990 stieg die Mitgliederzahl in der Abteilung Ausdauerlauf auf 80 an. Eine wichtige Form zur Mitgliedergewinnung wurden die seit 1984 organisierten Anfängerlaufkurse. Immer im Herbst wurde über drei Monate Laufanfänger so trainiert, dass sie sich der Sektion Ausdauerlauf anschließen konnten. Viele „Kursmitglieder“, wie der bekannte Alterssportler Eugen Hainlein, sind noch heute Mitglieder.
Nach der Konstituierung des USV Jena e. V. 1990, konnte sich die Abteilung Ausdauerlauf nach einem zeitweiligen Rückgang der Mitgliederzahlen stabilisieren. Heute ist sie mit 130 Männern und Frauen die größte Laufgruppe in der Region.

Dr. Hans-Georg Kremer

Bildunterschrift: Zu den interessantesten gemeinsamen Laufveranstaltungen gehörten in den 1970er Jahren die „Fackelläufe“, bei denen von Buchenwald bei Weimar über mehr als 30 Kilometer das Spartakiadefeuer nach Jena geholt wurde, hier 1977 nach Ankunft in Jena.

In: Thüringische Landeszeitung 19. September 2015 Nr. 459
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige