Erste Hochschulmeisterschaften im Wintersport nach 1945

  Medaillenjäger
Thüringische Landeszeitung 26. Februar 2015 Nr. 430

In unserer Serie versuchen wir schrittweise, bisher wenig oder unbekannte Ereignisse und Persönlichkeiten der Jenaer Sportgeschichte vorzustellen. Dazu dienen Zeitungsberichte, Archivmaterial, Zeitzeugen, Fotos, Urkunden und Medaillen als Quellenmaterial. Bis 1992 existierte an der Uni ein eigenständiger Lehrstuhl für Sportgeschichte (Prof. Dr. Willi Schröder). Dieser Lehrstuhl beschäftigte sich auch mit der regionalen Sportgeschichte, allerdings mit der Einschränkung, dass er sich vorwiegend um Traditionen des Arbeitersports intensiver kümmerte. Leider ist der Nachlass von Prof. Schröder nicht zugänglich, so dass vieles erst wieder erschlossen werden muss. Dazu kommt, dass nach 1945 die meisten Archive der bürgerlichen Sportvereine vernichtet wurden. Einiges geriet auch in die Hände von privaten Sammlern, die es zu Geld machten oder in ihren Schränken horteten. So ist dies mit Originalurkunden des Turnvereins Jena geschehen, die in der Turnhalle in der Lutherstraße gefunden wurden. Auch ein Apoldaer Medaillensammler hat Quellenmaterial privatisiert, in dem er sich vor Jahren Medaillen und Urkunden von erfolgreichen Jenaer Sportlern hat schenken lassen. Umso erfreulicher ist es, wenn im Internet bei Auktionen immer wieder mal wichtige Zeugnisse der Jenaer Sportgeschichte auftauchen. Die Jenaer Numismatiker um Thomas Kupke versuchen dann, diese Zeugnisse zur Stadtgeschichte zu erwerben. Einmal ist dies vor kurzem nicht gelungen, als eine Silbermedaille vom Universitätssportfest 1914, welche dem Universitätskurator Max Vollert gewidmet war, schon verkauft war. Eine zweite Medaille für einen Skilanglaufwettkampf von 1947 konnte aber erworben werden. Diese Medaille ist, dem Prägezeichen nach, eine „Serienmedaille“ der Firma Wernstein aus Jena-Löbstedt. Bis Anfang der 1950er Jahre existierte hier eine namhafte Prägewerkstatt, die ganz Deutschland belieferte, deren Geschichte aber leider noch nicht aufgearbeitet wurde. Auch konnte bisher kein Katalog der Firma gefunden werden, um nachzuvollziehen, welche Medaillen angefertigt wurden. Die Serienmedaillen von Wernstein tauchen aber hin und wieder auf, die dann für den betreffenden Anlass graviert wurden. Auf unserer Medaille steht eingraviert: „Universitäts-Skivergleichskampf-Der siegreichen Mannschaft im Langlauf-Jena-Februar 1947“. Als Motiv ist allerdings ein Abfahrtsläufer abgebildet. Das stützt die These, dass sozusagen eine Medaille „von der Stange“ gekauft wurde. Bereits von 1946 gibt es von zwei Universitätssportveranstaltungen Medaillen, die bei „Wernstein“ hergestellt wurden. Ein Medaille ist von den „Geländelauf-Meisterschaften der Friedrich Schiller Universität Jena 4000 m“ und eine „Dem Sieger im 3000 m Lauf –Waldlaufmeisterschaft der Friedrich Schiller Universität.“ Diese beiden Medaillen stammen aus dem Nachlass des ehemaligen Sportreferenten der Uni aus der Zeit um 1948/49, Wolfgang Möhring. Ob er auch bei den Skilaufmeisterschaften von 1947 an der Organisation beteiligt war, ist noch nicht nachgewiesen. Auf jeden Fall handelt es sich bei der Skilaufmedaille um die 1947 organisierten Ski-Hochschulmeisterschaften der Uni Jena in Georgenthal. Im dortigen Universitätserholungsheim fand vom 3. – 9. Februar ein sogenannter Skierholungslehrgang statt, welcher der erste nach der Wiedereröffnung der Uni 1945 war. Heute würde man den Lehrgang als Skifreizeit bezeichnen. Als Abschluss des Lehrganges gab es Wettkämpfe im Langlauf, Torlauf, Abfahrtslauf und Spezialsprunglauf. Nach Unterlagen des Teilnehmers und Fördermitglieds des USV Horst Baacke nahmen auch Studierende der Universitäten Berlin, Leipzig und Halle teil, weswegen diese Wettkämpfe in der Sportgeschichtsschreibung als erste Hochschulmeisterschaften in der „Sowjetisch besetzten Zone (SBZ)“ bezeichnet wurden. Auf noch existierenden Urkunden werden die Wettkämpfe allerdings nur als Skivergleichskämpfe benannt. In Georgenthal wurde Langlauf und in Oberhof Abfahrt, Slalom und Sprunglauf durchgeführt. Horst Baacke belegte Platz zwei im Abfahrtslauf. Unter den Teilnehmern befand sich der „Kommilitone“ Becker, der einen Unterschenkel amputiert hat.
In den nächsten Monaten des Jahres 1947 wurde das sportliche Leben durch die Sportreferenten des Studentenrats deutlich aktiviert , und es gab regelmäßig Wettkämpfe im Fußball, Handball und der Leichtathletik. Anfang Juli 1947 wurde als „größtes Sportereignis“ des Jahres der Uni im Rahmen eines Sportfestes der Ernst-Abbe-Sportgemeinschaft die ersten Leichtathletikmeisterschaften nach dem Kriege ausgerichtet. Die Auszeichnung der Sieger nahm der Rektor Prof. Dr. Friedrich Zucker selber vor, wozu er die Teilnehmer in den Senatssaal der Universität einlud. Als Urkunden wurden nach bisherigem Kenntnisstand aber keine Medaillen sondern ausgesonderte Bücher der Universitätsbibliothek ausgegeben, wo auf der ersten Seite Name und Platzierung eingetragen war. In den Folgejahren sind eigenständige Medaillen von Universitätswettkämpfen nicht überliefert. Erst Ende der 1990er Jahre wurde die Tradition wieder aufgenommen, und auf das Motiv der ersten Uni-Sportmedaille von 1914 zurückgegriffen, was aber eine andere Geschichte ist.

Dr. H. Kremer

Bildunterschrift: Medaille der Skiwettkämpfe von 1947, die Thomas Kupke kürzlich erwerben konnte.
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