Fußball in Jena-Maua

Zwischen Eisenbahnlinie und Saale


Vor einiger Zeit ging die Nachricht durch die Medien, dass der SV Kickers Maua Probleme mit seinen Sportstätten hätte. Besonders die Kegelbahn wäre ein Sorgenkind. Das war Auslöser, mal nachzuschauen, seit wann in Maua organisiert Sport getrieben wird. Um 1900 bildeten sich in vielen kleinen Orten Thüringens Turnverein. In Jenas Umgebung sind sowohl aus den Landstädten Lobeda, Dornburg, Kahla und Roda Turnvereine bekannt, als auch aus den Vororten Wenigenjena, Lichtenhain und Zwätzen. Zu Maua wurde bisher nur ein Eintrag gefunden. Am 1. Juli 1928 fand das 1. Schauturnen des Turnvereins (TV) Maua statt. „Trotz eines gleichzeitig stattfindenden Treffens der Turnerjugend auf der Wöllmisse und der Fahnenweihe des Turnvereins Tröbnitz waren viele Gäste gekommen“, kann man in der Jenaischen Zeitung lesen. Besonders die Turngemeinde Jena war stark vertreten. Sie war mit 40 Turnerinnen und Turnern nach Maua gekommen. Außerdem wurden die Turnvereine aus Wenigenjena, der Turnklub Jena, der Turnverein 1859 Jena, der Vaterländische Turnverein Kahla, und die Landturnvereine von Rothenstein, Quirla, Jena-Zwätzen, Lobeda und Großschwabhausen benannt.
Dann setzt die Information über den Sport in Maua erst 1952 mit den Fußballern der SG Maua wieder ein. Ob in der Zeit zwischen 1928 – 1945 auch Fußball gespielt wurde, ist noch nicht gefunden worden. Bis Ende des 19. Jahrhunderts dominierten die Deutschen Turner (DT) das Sportgeschehen in Deutschland. Hier fand sich auch ein Teil der „modernen“ Sportarten, wie der Leichtathletik, Fußball, Rudern, Sportfechten u. a. wieder. Spätestens mit der Gründung des Deutschen Fußballverbandes 1900 begann sich eine zweite leistungsfähige Verbandsstruktur mit den vor allem aus England kommenden Sportarten zu bilden, die sich von den DT-Veranstaltungen auch dadurch unterschieden, dass sie leistungsorientiertere Wettbewerbe mit Platzierungen organisierten. Für die Fußballer Thüringens war der Verband Mitteldeutscher Ballspielvereine (VMBV) zuständig. Aus Jena wurde der FC Carl Zeiss Jena 1904 als erster Verein Mitglied in diesem Verband. Später folgten der SC Jena 1908, der FC Jena Nord, der VfB Jena, der LGH Jena und SC Zwätzen. Auch Turnvereine konnten zeitweilig eine Zweitmitgliedschaft im VMBV haben oder sich an dessen Meisterschaften beteiligen, wie dies der Turnclub Jena auch kurzzeitig praktizierte. Nach der sogenannten „reinlichen Scheidung“ durften Vereine nur noch einem Dachverband angehören, was zu dem Kuriosum führte, dass es bis 1930 zwei Deutsche Meisterschaften, auch im Fußball gab. TV Maua tauchte allerdings hier nirgends auf.
Nach der hervorragend gestalteten Chronik der BSG Carl Zeiss Jena-Süd wurde 1952 in Maua bei der Sportgemeinschaft (SG) Fußball gespielt. Seit 1950 bauten die Mauaer an einem Fußballplatz, der identisch mit dem noch heute genutzten Platz zwischen Eisenbahnlinie und Saale war. Die SG Maua verfügte 1952 auch noch über eine Tischtennisgruppe. Für den Platzbau waren viele freiwillige Arbeitsstunden der Sportler nötig. Nachdem einige Kleingärten beräumt worden waren, wurde die Fläche eingeebnet und eine Brücke über die Leutra gebaut, damit der Platz überhaupt richtig nutzbar wurde. 1953 begann der Spielbetrieb der SG Maua, die sich aber bald mit der BSG Aufbau Göschwitz zur BSG Aufbau Göschwitz-Maua zusammenschloss. Bis dahin spielten neben der Herrichtung des Platzes die „Einwerbung“ von Finanzen im Vereinsleben eine große Rolle. Dazu wurden Strandfeste, Tanzveranstaltungen, ein Grottenfest und eine Sportlerkirmes organisiert. Trotzdem fuhr man meist mit den Fahrrädern zu den Punktspielen in der Umgebung, um Fahrgeld zu sparen. Nach dem Zusammenschluss mit Göschwitz konnten vor allem die finanziellen Probleme gelöst werden, da man jetzt einen Trägerbetrieb hatte, der Gelder zur Verfügung stellte. Der Mannschaft gelang im Punktspielbetrieb der Aufstieg bis in die Kreisklasse. Im Bezirk Gera erreichten die Fußballer sogar mal das Halbfinale in der Pokalrunde. Als Höhepunkt in der frühen Fußballgeschichte gilt ein Freundschaftsspiel 1960 gegen den SC Motor Jena, dem heutigem FC Carl Zeiss, mit 2.000 Zuschauern. Das Spielergebnis konnte allerdings noch nicht ermittelt werden. Neben den ständigen Pflegearbeiten am Fußballplatz bauten die Sportler in Maua ebenfalls weitestgehend in Eigenleistungen eine Kegelbahn und ein Vereinsheim mit entsprechenden Umkleidemöglichkeiten, was aber eine andere Geschichte ist. Nach 1971 wurden die BSG Aufbau Göschwitz-Maua mit der neu gegründeten BSG Carl Zeiss Jena zusammengeschlossen. Als erster Fußball-Sektionsleiter wird in der Chronik für 1971 Werner Guthmann benannt. Diesem folgten 1974 Helge Gebauer und 1976 Rudi Lenhardt. In den 1980er Jahren gab es zeitweilig einen starken Leistungseinbruch bei den Fußballern, der aber 1987 unter Leitung von Ronald Kropp aufgehalten werden konnte. Die I. Männermannschaft wurde in der Folge zweimal Kreismeister. Ein Umzug auf die neue Sportanlage in Neulobeda Ost war in Aussicht gestellt worden. 1992, zwei Jahre nach der politischen Wende, gründeten sich nach „sanftem“ Druck der Gemeinde Maua die Fußballer aus und wurden eigenständig. Zusagen der Stadt Jena zur Sanierung der Sportanlagen, die bei der Eingemeindung gemacht wurden, wurden aber wohl nie richtig eingehalten, so dass bei einer Einwohnerversammlung im Februar 2015 viele Mauer nach 21 Jahren der Eingemeindung von der Stadt Jena forderten, die Sportstätten, die jetzt im Eigentum der KIJ sind, zu sanieren.

Dr. H. Kremer
Bildunterschrift: Fußballmannschaft von Maua aus dem Jahre 1952.

In: Thüringische Landeszeitung vom 10. Dezember 2015 Nr. 471.
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