Fußball und Leichtathletik in Jena

Der FCC als Wiege der Leichtathletik

Arthur Linß eine Trainerlegende

Als am 16. September 1954 der SC Motor Jena als erster Sportclub der DDR gegründet wurde, gab es in Jena bereits eine fünfzigjährige Leichtathletiktradition. Begonnen wurde mit dieser Sportart aller Wahrscheinlichkeit nach bereits 1903 mit der Gründung des Fußballklubs (FK) Carl Zeiss Jena. Damals war es üblich, dass die Fußballer in der Sommerpause verschiedene leichtathletische Disziplinen übten und sich an Wettkämpfen beteiligten. Ob bei den ersten Thüringer Leichtathletikmeisterschaften, damals als Gaumeisterschaften bezeichnet, am 5. Juli 1903 bereits Jenaer in Erfurt am Start waren, ist allerdings nicht überliefert. 1907 taucht der erste Jenaer in einer Leichtathletik-Siegerliste auf. Bei den Gaumeisterschaften, die wieder in Erfurt stattfanden, kommt ein Herr Kanold auf den zweiten Platz über 100 Meter. 1910 organisiert dann der FK Carl Zeiss sogar die Thüringer Gaumeisterschaften in der Leichtathletik auf dem Sportgelände des Spielplatzvereins in der Oberaue, heute Universitätssportzentrum. In den 1920 – 1930er Jahren setzt dann eine sehr positive Entwicklung der Leichtathletik ein. In Jena gab es bei den Vereinen: 1. Sportverein (vorher FK Carl Zeiss), Verein für Bewegungsspiele (VfB heute USV), Spielvereinigung 1908 und Turnverein Wenigenjena Leichtathletikabteilungen. Diese Vereine verfügten als erste über entsprechende leichtathletische Anlagen. Turnvereine und Vereine des Arbeitersports nutzen die Anlagen an den Teufelslöchern und in der Oberaue zum leichtathletischen Training ebenso wie die Universität und die Schulen.
Nach Kriegsende gab es dann schon 1945 erste Versuche, das leichtathletische Training wieder aufzunehmen. Beim Stadtsportausschuss wurde als Spartenleiter Rudolph Klupsch geführt, der schon vor Kriegsbeginn als Sportler und Trainer beim 1. Sportverein aktiv war. Es dauerte aber noch bis 1947, bis unter großer Anteilnahme der Bevölkerung, man zählte an die 1000 Zuschauer, die ersten Kreismeisterschaften in Jena stattfanden. Ob da Arthur Linß unter den Startern war, muss noch genauer untersucht werden. Auf jeden Fall war er bereits 1947 nach Aussagen seiner Tochter als Leichtathlet beim Sportverein Schott aktiv. Arthur Linß wurde 1906 in Wutha bei Eisenach geboren. In Eisenach ging er ins „Ernst Abbe – Gymnasium“. Schon damals war er sportlich im Turnverein Eisenach sehr aktiv tätig. Sein Berufswunsch wurde bald, dass er Sportlehrer oder Trainer werden wollte. Er nahm daher auch nach dem Abitur ein Studium an der Hochschule für Leibesübungen in Berlin bei Carl Diem auf. Diem hatte übrigens schon vor dem I. Weltkrieg zu Jena enge Beziehung und war sogar Ehrenmitglied des VfB. Zurück zu Arthur Linß:
Nach Abschluss seines Studiums als Diplomturn und -sportlehrer wurde Arthur Linß als Leichtathletiktrainer an der Sportschule Bad Blankenburg angestellt. 1926 hatte der Dachverband der Akademischen Turnerschaften (schlagende Verbindung), der Vertreterconvent (VC) unter maßgeblicher Mitwirkung, ja sogar Leitung der Jenaer „Salia“ in Bad Blankenburg umfangreiche Sportstätten und ein vom Bauhausstil geprägtes Tribünengebäude errichten lassen. Diese Anlagen standen wohl nach der Auflösung der studentischen Verbindungen als zentrale Sportschule zur Verfügung. Der letzte „Verweser“ dieser Anlage bei Kriegsende 1945 war übrigens Georg Pfeiffer, der in den 1950er Jahren Chef der HSG (heute USV) und des Studentensports der Uni war. Arthur Linß wechselte 1939 als Sportlehrer zur Gothaer Wagonbaufabrik, musste dann aber in den Krieg. Seine junge Familie blieb in Gotha, wurde dort ausgebombt und zog nach Jena in ihr Elternhaus. Die Ehefrau von Arthur Linß stammt aus Jena. Ihr Vater war der Kies-, Sand- und Fuhrunternehmer Müller aus der Talstraße. Die Kiesgruben Müllers lagen an der Saale auf dem Gemeindegebiet von Lobeda. Das Müllersche Unternehmen war mit seinen Kiesen und Sanden am Bau fast aller großen Jenaer Bauten von Zeisswerk bis zur Autobahnbrücke bei Göschwitz beteiligt.
Arthur Linß kam aus der Gefangenschaft nach Jena, wo er als Hofarbeiter bei Schott eine Arbeitsstelle bekam. Paul Duphorn, einer der „Sportförderer“ in der Betriebsleitung von Schott sorgte wohl dafür, dass Artur Linß ab 1948 als Angestellter von Schott sich dem Aufbau der Sportgemeinschaft widmen konnte. Selber als Rasenkraftsportler aktiv, scharte er bald eine leistungsstarke Leichtathletikgruppe um sich. Wie damals üblich, gab es bei den Trainern noch keine große Spezialisierung, so dass er Wurf, Sprung und Lauf in einer Trainingsgruppe, die manchmal bis zu 50 Frauen und Männer stark war, trainierte. Auch als Organisator von Sportveranstaltungen tritt er in Erscheinung, so im August 1950, als die Uni Jena kurzfristig die 1. Studentenmeisterschaften der DDR in der Leichtathletik übernahm. Die Gesamtleitung hatte Heinz Birkemeyer und die technische Leitung Artur Linß. Auf Initiative von Arthur Linß fand 1951 ein bis dahin in Deutschland einmaliger Wettkampf über 200-m-Hürden auf einer geraden Bahn statt: 1. Heinz Stephan 23,7 s, 2. Hermann Thieme 26,6 s, 3. Joachim Matthes (alle BSG Chemie Jena) 29,6 s (Leichtathletik-Bestenliste Thüringen 1951). Der Lauf wurde auf einer provisorischen geraden Bahn ausgetragen. Der Start lag am Beginn der Gegengeraden des Universitäts-Sportplatzes, führte am Ende der Bahn weiter über den benachbarten Fußballplatz und dann bis zum Ziel auf den angrenzenden Rasenplatz.

Dr. H. Kremer

Arthur Linß mit Leichtathletinnen in Hummelshain um 1935, vorne Mitte die bekannte Hürdenläuferin Siegfriede Dempe.

In: Thüringische Landeszeitung 21. Mai 2015 Nr. 442
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