Geschichtliche Aspekte des Hochschulsports an der Uni Jena

Über die Anfänge nach der Wende

Nachdem der Universitätssportverein Jena e. V. (USV) im Mai 2015 seinen 25. Geburtstag hatte, stehen 2016 die 25. Geburtstage der Abteilungen Badminton und Seniorensport an. Dr. Siegfried Stange und Manfred Rosemann gründeten diese Abteilungen. Eigentlich hätte noch die Abteilung Klettern Geburtstag, diese löste sich aber nach kurzer Zeit wieder auf. Auch der Hochschulsport der Uni kann auf ein 25jähriges Jubiläum zurückblicken. Anfang März 1991 konnte das erste Wintersemester nach der Aufhebung des Pflichtsports der Studenten erfolgreich abgeschlossen werden. Stand das Sommersemester 1990 noch voll unter den Vorzeichen der sich allmählich auflösenden DDR, war das Wintersemester 1990/91 schon ganz nach „bundesdeutschen“ Vorgaben konzipiert worden. Im Juli 1990 hatten die Mitarbeiter des Hochschulsports an die Leitung des Instituts für Sportwissenschaft berichtet, dass die 21 Kolleginnen und Kollegen, die zu diesem Zeitpunkt noch beschäftigt waren, zusammen 11.648 Sportstunden abgesichert hätten. Insgesamt in 32 Sportarten existierten 181 Übungsgruppen mit 2674 Teilnehmern. Für das darauffolgende Wintersemester stand bereits eine Reduzierung der Mitarbeiter auf ca. 17 an, und es „drohte“ kurzzeitig sogar das vollständige „Aus“ des universitär finanzierten Sports. Mit einer 64 seitigen Angebotsbroschüre versuchte der Hochschulsport gegenzusteuern. Dr. Peter Röhrig, Leiter des Hochschulsports bis Mitte September 1990, schrieb im Vorwort der Broschüre sinngemäß: Dass es die Zielsetzung des Hochschulsports sei, allen Universitätsangehörigen ein vielseitiges Sportangebot zu präsentieren und ihnen damit die Möglichkeit einer regelmäßigen sportlichen Betätigung zu geben, in die auch die unterschiedlichsten Motivationen zum Sporttreiben eingebettet sein sollten, wie die Freude an der sportlichen Bewegung, das Bedürfnis nach körperlicher Aktivität bis hin zum Kommunikationserlebnis usw. „Mit dem vorliegenden Programm bieten wir Ihnen:
- breitensportlich orientierte Veranstaltungen für die unterschiedlichsten Ausgangsbedingungen,
- wettkampforientierte Übungs- und Trainingseinheiten,
- spezielle Ausbildungskurse, die das Kennenlernen oder Schulen sportlicher Fertigkeiten ermöglichen“, kann man in der Broschüre lesen.
Die Anzahl der Sportartenkomplexe erhöhte sich auf 37, die Zahl der Übungsgruppen auf über 182, darunter 20 Volleyball-, neun Yoga- und sieben Wandergruppen um nur einige zu nennen. Erstmals wurde auch ein Angebot für die vorlesungsfreie Zeit im März-April mit veröffentlicht. Das Gesamtangebot konnte als Erfolg angesehen werden, wie Dr. Kremer, seit Oktober 1990 Leiter des Hochschulsports, vor der Hochschulrektorenkonferenz des Landes im November berichtete. Waren 1987, als noch „strenger“ Pflichtsport an der Uni absolviert werden musste, mit 23 Sportlehrern in 175 Übungsgruppen 3.325 Studentinnen und Studenten betreut worden, kamen zum Wintersemester 1990/91 3.390 völlig freiwillig und wurden von 17 Sportlehrern angeleitet. Eingeschlossen waren in die Sportangebote auch fast alle der 24 Abteilungen des USV, der zum damaligen Zeitpunkt knapp 2.000 Mitglieder hatte. Alle Abteilungsleiter wurden mit ihren Kontaktzeiten, Anschriften und Telefonnummern in der Broschüre vorgestellt, die von Dr. Uwe Türk-Noack, heute „Chef“ des Hochschulsports der Bauhaus-Uni Weimar, gestaltet worden war. Die Broschüre war sogar ein finanzieller Erfolg, wurden doch Einzelexemplare für 0,50 DM verkauft. Dazu kam noch der Anzeigenverkauf. Die Einnahmen aus Werbung, dem Verkauf und einem erstmals organisierten T-Shirtverkauf betrugen 5975,10 DM, abzüglich der Herstellungskosten verblieb ein Überschuss von 1218, 12 DM, der dem USV zugeführt wurde.
Das vom Rat des Instituts für Sportwissenschaft bestätigte und der Unileitung im November 1990 vorgelegte „Jenaer Modells des Hochschulsports“ sah vor, dass die Vermarktungsrechte aller sportlichen Aktivitäten und der Sportstätten der Uni dem USV übertragen wurden. Sogar die Miete für einen Barackenbau in der Oberaue an ein Schuhhaus (Reno) fiel dem Verein zu. Das Vermarktungskonzept war ein Grund, warum von Beginn an Studierende und Mitarbeiter ein kleinen Teilnehmerbeitrag (anfangs 5,00 DM) pro Semester zu zahlen hatten.
Dieses Geld floss in die Kassen des USV, was dem Landesrechnungshof anfangs überhaupt nicht gefiel. Es konnte aber nachgewiesen werden, dass diese Gelder zu 100% in die Finanzierung der zunehmend steigenden Anzahl an ehrenamtlich tätigen Übungsleitern, in Sportgeräte und ähnliches floss. Nach langer und umfangreicher Prüfung stellte der Landesrechnungshof Anfang 2000 sogar das Modell des Jenaer des Hochschulsports als beispielgebend für alle Hochschulen in Thüringen heraus. Man muss dabei allerdings berücksichtigen, dass die Zahl der hauptamtlichen Mitarbeiter des Hochschulsports Ende 1990 nach zähen Verhandlungen mit dem zuständigen Ministerium auf vier Sportlehrer und eine Verwaltungskraft reduziert wurde und daher umfangreiche Mittel als Aufwandsentschädigung für die steigende Zahl der ehrenamtlich tätigen Übungsleiter benötigt wurden.
Ein Sozialplan des Hochschulsports sah für die ausscheidenden Hochschulsportlehrer einen über fünf Jahre gestreckten Abbau vor.

Dr. H. Kremer

Bildunterschrift: Das fast vollständige Kollegium des Hochschulsports der Uni im Sommer 1990.

In: Thüringische Landeszeitung vom 17.3.2017 Nr. 483
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