"Hall of fame" des Jenaer Universitätssport erweitert

Die Medaillen des Fritz Müller

Mit 114 Neueinträgen von Medaillensiegern bei nationalen und internationalen Meisterschaften ist die größte Sammlung von sportlichen Erfolgen der Stadt Jena erweitert worden. Sie umfasst jetzt 1654 Medaillen, die von Mitgliedern des USV einschließlich seiner Vorgänger HSG und VfB, dem Hochschulsportlern der Uni und Angehörigen des Instituts für Sportwissenschaft errungen wurden. Sicher könnte der SC Motor Jena auf mehr Medaillenträger verweisen, aber dessen Geschichte wurde noch nicht umfassend bearbeitet. Die kürzlich herausgegebene Leichtathletikgeschichte des SC Motor von Karlheinz Peml zeigt allerdings, welches Potential für Sporthistoriker hier noch schlummert. Allein die Zahl der DDR-Meistertitel beträgt 782. Zweite und dritte Plätze wurden hierbei noch nicht mal berücksichtigt. Andere Sportarten, die zum SC Motor Jena gehörten, die vom Wintersport über das Schwimmen bis zum Basketball nur sehr kurzzeitig beim DDR-Leistungssportzentrum in Jena betrieben wurden, bis hin zum Fechten, Turnen, Ringen, Judo, Hockey, Kegeln und Fußball, um nur einige zu nennen, würden die Sammlung sicher noch um einiges erweitern können.
Mit 59 neuen Einträgen in der Ehrentafel des Universitätssports dominiert 2015 diesmal nicht der Orientierungslauf. Das liegt daran, dass Tom Oschmann mit seiner wissenschaftlichen Hausarbeit zur ersten Staatsprüfung für das Lehramt zum Thema: „Entwicklung des Judosports an der Universität und im Hochschulsport in Jena ab ca. 1925“ eine Vielzahl bisher unbekannter Ergebnisse zu Tage förderte, die Judokas der HSG oder des Studentensports vor 1990 errangen. Die Orientierungsläufer kamen 2015 auf 11 Medaillenränge, womit sie wieder die erfolgreichste Abteilung des USV Jena e. V. wurden. Insgesamt liegen sie nach der Leichtathletik (431 Einträge) auf Rand zwei der ewigen Bestenliste (317 Medaillen). Platz drei nimmt jetzt Judo (149) ein, vor Kanu (111) und Ski (84).
Letztere Sportart (Ski) gehört wie die Leichtathletik nicht mehr zum USV Jena e. V. Die Wintersportler sind vor Jahren zum Alpenverein abgewandert, da ihnen beim USV der Beitrag (heute 45,00 € Grundbeitrag) zu hoch war. Bei den Leichtathleten gab es weder Funktionäre noch Aktive, die die Abteilung beim USV am Leben erhalten wollten. Gegenüber dem Landesportbund vertritt heute die Abteilung Ausdauerlauf die Interessen der Leichtathleten.
Bei den Wintersportlern gab es in diesem Jahr keinen Zuwachs an Medaillen in der Ehrentafel aber eine interessante Korrektur. Bei den DDR-Studentenmeisterschaften im Biathlon gewannen Jenaer Studenten den dritten Platz in der Staffel. Friedrich Folger war nicht eingetragen, da auf der Startliste ein Ersatzmann stand. Er ist aber mitgelaufen und hat sich jetzt persönlich über Uwe Dern beim USV-Archivar gemeldet. Bekannter als Wintersportler ist Dr. Friedrich Folger als langjähriger Bürgermeister von Weimar. Dann war er einige Jahre stellvertretender Landrat (Saalfeld-Rudolstadt). Das verbindet ihn mit seinem Biathlon-Staffel-Kameraden Dieter Töpfer, der ebenfalls einige Jahre stellvertretender Landrat (Sonneberg) war.
Bei den Recherchen in Archiven konnten für die Sportart Schwimmen bisher unbekannte Erfolge gefunden werden. Insgesamt sieben Einträge von Medaillengewinnern stammen von den Deutschen Hochschulmeisterschaften im Jahre 1921, die in Darmstadt stattfanden. Bei der 4x100-Meter-Staffel gewann Darmstadt (4:56) vor Jena. Im Tauchen wurde Riemann aus Jena Dritter. Über 100-Meter (Freistil) wurde Brand aus Jena Dritter. Er hatte bis 70-Meter deutlich geführt, bekam dann aber einen Wadenkrampf. In der Lagenstaffel über 50-Meter wurde Jena Dritter, über 300-Meter gewann Brand den Hochschulmeistertitel. Im Brustschwimmen über 100-Meter wurde Krug aus Jena Dritter und über 1000-Meter wurde Brand Zweiter. In der Hochschulwertung kam die Uni Jena hinter Charlottenburg und vor Darmstadt auf Rang zwei.
Die Uni und der VfB Jena e. V. (heute USV Jena) waren damals im Schwimmen sehr leistungsfähig, woran der Mitgründer des VFB, Oskar Leonhardt, entscheidenden Anteil hatte, was aber eine andere Geschichte ist.
Als besonders „wertvoll“ müssen zwei Medaillen von Fritz Müller hervorgehoben werden, die er bei den Studentenweltmeisterschaften (heute Universiade) 1935 in Budapest errang. Mit der Olympischen Staffel schaffte er eine Silbermedaille und im „leichtathletischen“ Fünfkampf wurde Müller Dritter. Fritz Müller kam aus Celle und war nur für ein Jahr in Jena, wo er Kulturwissenschaft und die Fächer Gymnastik und Geographie, studierte. Sportlich war er beim I. Sportverein aktiv (heute LC Jena). Er war Mitglied der Turnerschaft „Salia“. Nach Recherchen des Sporthistorikers Jörg Lölke hatte er Probleme mit dem Direktor des Instituts für Leibesübungen, Hans Ebert, der ihm Freistellungen verwehrte, weswegen Fritz Müller, der Olympiakandidat für 1936 war, am Ende nicht die geforderten Normen schaffte. Er verließ Jena wieder und studierte in Hannover zu Ende. Nachdem er Jena verlassen hatte, wurde er noch sechs Mal Deutscher Meister im Fünf- und Zehnkampf, 1937 Studentenweltmeister im Fünfkampf ebenso 1939, wo er sogar einen Weltrekord aufstellte. Er startete später für Hamburg, Bremen und Gifhorn und verstarb 1993 in Aachen.
Dr. Hans-Georg Kremer
Bildunterschrift: Fritz Müller (vorne 5. v. l.), 1936 mit den Leichtathleten des 1. SV Jena, neben Rudolph Klupsch. Beide im Trainingsanzug der Olympiakandidaten für 1936.

In: Thüringische Landeszeitung 7. Januar 2016 Nr. 474
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