Harald Seime zum 80. Geburtstag

Stabhochspringer, Pantomime, Fechtlehrer

In der Universitätssportgeschichte gibt es einige berühmte Stabhochspringer. Einen der ersten DDR-Studentenmeistertitel schaffte Horst Götze 1950 mit einer Stabhochsprunghöhe von 3,50 Meter. Der bekannteste dürfte der Olympiasieger Wolfgang Nordwig sein. Er vertrat die Universität mehrfach erfolgreich bei DDR-Studentenmeisterschaften und sogar bei der Universiade 1970, wo er mit 5,46 Meter Gold gewann. Axel Weber reichten 4,50 Meter für einen DDR-Studentenmeistertitel, und Andreas Nicklisch wurde 1998 mit 5,00 Meter Deutscher Hochschulmeister.
Bis in diese Höhen schaffte es Harald Seime nicht, der heute seinen 80. Geburtstag in Vierzehnheiligen feiert. In Stadtroda geboren, absolvierte er hier seine Schulzeit. Früh war er als Turner und Handballer in der BSG Medizin Stadtroda aktiv. Kurzzeitig versuchte er sich als Tormann in einem Wasserballteam im Stadtrodaer Freibad. Sein Sportlehrer, Hans Prinzler, einst selber ein guter Leichtathlet, warb ihn zusätzlich für die Leichtathletikgruppe der Schule. Handball spielte er übrigens mit Dr. Horst Korber, der als Beauftragter des Senats von Westberlin 1963 ganz entscheidend an den Verhandlungen um das erste Passierscheinabkommen zwischen Westberlin und der DDR beteiligt war.
Die sportlichen Aktivitäten ließen schon früh bei Harald Seime den Berufswunsch eines Sportlehrers aufkommen, was ihn nach dem Abitur zum Studium nach Jena führte. Ein zweites großes Steckenpferd war für ihn die Pantomime. Bereits als Schüler verstand er es, zur Freude seiner Klassenkameraden, die Lehrer zu imitieren. Ein Lehrer war es auch, der ihn gezielt in den musischen Fächern förderte. In Jena gehörte er zu den wenigen Studenten, die die Fachkombinationen Körpererziehung und Musik abschließen konnten. Seine darstellerischen Fähigkeiten, die er im Studium bei vielen Festen am Institut für Körpererziehung praktizierte, brachten ihm eine Delegierung zu den Weltfestspielen 1957 in Moskau ein, wo er internationale Kontakte anderen Pantomimen bekam. Im Vorfeld der Weltfestspiele 1959 in Wien gründete er eine kleine Pantomimegruppe.
Zurück zum Stabhochsprung: Als Turner fiel es ihm nicht schwer, trotz der nur 1,70 m Körpergröße ganz passable Ergebnisse im Stabhochsprung zu erreichen. Bis in die frühen 1960er Jahre gab es als wichtige Wettkampfserie in der Leichtathletik die sogenannten Mannschaftsdurchgänge. Bei denen kam es darauf an, dass eine Sportgemeinschaft eine Mannschaft zusammenbringt, die möglichst viele leichtathletische Disziplinen besetzen konnte. Mitte der 1950 Jahre zählten die Leichtathleten der Hochschulsportgemeinschaft Jena (HSG, heute USV) zu den Spitzenteams in der DDR, da sie durch die konsequente Einbeziehung der Sportstudenten immer fast alle Disziplinen besetzten und damit eine hohe Punktzahl erreichten. Harald Seime startete hierbei mehrfach als Stabhochspringer. Zu den Kuriositäten gehört sicher, dass er bei einem solchen Wettbewerb in Potsdam sogar das Stabhochspringen gewann, die Annahme der Urkunde aber aus sportlicher Fairnis verweigerte. Was war geschehen? Bei seinem letzten Sprung merkte er schon in der Luft, dass die aufgelegte Höhe nicht schaffbar war. Als Turner war er wendig genug, seine Flugbahn unter der Latte hindurch zu steuern, ohne diese zu reißen, was weder der Kampfrichter, noch die anderweitig beschäftigten Konkurrenten mitbekamen. Für ihn selber galt der Sprung als gerissen. Umso mehr war er erschrocken, als ihn sein Leichtathletikchef Werner Riebel unter der Dusche hervorholen und zur Siegerehrung bringen wollte!
Nach Beendigung des Studiums wurde Harald Seime 1958 als Sport- und Musiklehrer an seine ehemalige Schule in Stadtroda delegiert. Nach kurzer Zeit tauchte aber Paul Dern als Vertreter des Instituts für Körpererziehung der Jenaer Uni in Stadtroda auf, der ihn wieder zurück nach Jena holen wollte. Damals wurden überall in der DDR Sportwerbegruppen aufgebaut, wofür Harald Seime auf Grund seiner Ausbildung und des nachgewiesenen Talents geradezu prädestiniert war. Er wurde als Lehrkraft in der Abteilung „Studentische Körpererziehung“ eingestellt und hatte die Aufgabe, neben dem Unterricht im allgemeinen Studentensport die Sportwerbegruppe anzuleiten. Nach einem Weiterbildungslehrgang, den er gemeinsam mit den Kollegen Inge Riebel und Felix Rübsam besuchte, schloss er als „Uni-Fechtlehrer“ ab und baute das Fechten im Studentensport auf. Aus heutiger Sicht ist er der Vater der Abteilung Fechten beim USV Jena. Bereits 1962 gab es den ersten Fechtwettkampf an der Uni Jena im Rahmen der Zentralen Studentenspartakiade.
Bis zum Ausscheiden aus dem aktiven Sportlehrerdienst gelang es ihm, viele seiner Studenten sowohl für das Fechten als auch für die Pantomime zu begeistern. Nach der politischen „Wende“ wurde er im Hochschulsport noch Wanderleiter für Mehrtageswanderungen zur Zugspitze. Nach seiner Pensionierung machte er sich verstärkt mit seiner Frau Anneliese um das Wohl der Gemeinde Vierzehnheiligen verdient, wo er zeitweilig als Ortsteilbürgermeister fungierte. Trotz gesundheitlicher Einschränkungen ist Harald Seime auch heute noch sportlich aktiv. Er spielt Basketball in einer Seniorenmannschaft. Den Förderkreis des USV unterstützt er bei dessen Arbeit.

Dr. H. Kremer

Bildunterschrift: Harald Seime als Stabhochspringer bei seinem einzigen „Weststart“ für die HSG in Fritzlar. Auf dem Foto rechts neben dem hessischen Landesmeister, der ihn schlug, zu dem sich aber eine jahrelange Freundschaft entwickelte.

In: Thüringische Landeszeitung vom 3. März 2016
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