Hermann Peter Mitglied des USV Jena e. V.

Das unbekannte Leben des Sportplatzbauers


Der Supporters Trust e. V. hat mit seiner Aktion, zum Setzen eines Gedenksteins für Hermann Peter auch die Forschung zur Biografie von Jenas wichtigstem „Sportplatzbauer“ und „Sportfunktionär“ um 1900 beflügelt. Bisher war außer den Lebensdaten 16. November 1856 – 4. Juni 1928 nur wenig bekannt. Zwei Zeitungsartikel zu seinem 70. Geburtstag und zu seinem Tode, waren nur „Insidern“ zugänglich. Dazu kamen noch etwas ausführlichere biografische Angaben in den Mitteilungsblättern des Gymnasiums Carolo Alexandrinum. Dort findet man auch die wenigen bisher ausfindig gemachten Fotografien, auf denen er eindeutig zu erkennen ist. Umfangreiche Recherchen im Thüringer Staatshauptarchiv in Weimar, in den Kirchenbüchern in Bechstedtstraß sowie im Universitäts- und im Stadtarchiv haben jetzt weitere Details zum Leben von Hermann Peter zu Tage gefördert.
So konnte herausgefunden werden, dass Hermann Peter in einer Lehrerfamilie geboren und aufgewachsen ist und noch zwei Brüder und eine Schwester hatte. Unter seinen Taufpaten und denen seiner Geschwister befinden sich Dorfschullehrer und kleine „Beamte“ aus verschiedenen Thüringer Gegenden. Sein Vater, Johann Friedrich Gottlob Peter, war über 40 Jahre Dorfschullehrer in Bechstedtstraß westlich von Weimar. Seine Mutter Caroline Albertine Auguste eine geborene Peter stammte aus Haßleben. Von seinen ersten Taufpaten Hermann Günther Emil Peter hatte er seinen ersten Vornamen Emil, den er aber nicht verwendete. Seine Kindheit und Jugend liegt noch im „Dunkel“ der Geschichte, auch wie er zum Turnen gekommen ist. Die Nachrichten über ihn setzen erst nach erfolgreicher Beendigung des Lehrerseminars in Weimar und seiner ersten Anstellung in Graitschen bei Bürgel (1876) ein. Vier Jahre später wurde er an die erste Bürgerschule in Jena (1880) versetzt um bereits nach weiteren vier Jahren (1884) als Turnlehrer ans Jenaer Gymnasium geholt zu werden. Er übernahm die Stelle von Franz Rasch, der um 1880 erstmals im Unterricht das Fußballspiel lehrte.
Um 1890 gehört Hermann Peter zu den Mitgründern des Fußballvereins Jena (FV), der sowohl das erste Thüringer Fußballspiel 1893 organisierte als auch bis um 1900 regelmäßig offizielle Spiele gegen auswärtige Mannschaften organisierte. Peter war der Initiator und 2. Vorsitzender des „Vereins zur Herstellung eines Spielplatzes“ (1893), dessen Tochter sich als GmbH um den Kauf von Wiesen in der Oberaue kümmerte. Der Spielplatzverein hatte mehrere Abteilungen. Neben Tennis, gehörten dazu auch Fußball, Rudern und Eislauf, die von Hermann Peter, man könnte sagen als „Geschäftsführer“ ehrenamtlich geleitet wurden. In einer Zeitungsanzeige von 1898 dazu stand: „Weitere Anmeldungen zur Beteiligung bei den einzelnen Abteilungen (Sportrudern, Tennis, Fußball usw.) wolle man bei dem Turnlehrer des Gymnasiums Herrn Peter anbringen.“
Anfangs spielte Hermann Peter sowohl Fußball als auch Tennis selber mit. Später war er wohl als fachlicher Berater, vielleicht auch „Trainer“, Organisator und Sportplatzbauer für die verschiedenen Sportarten aktiv. Als Lehrer unterrichtete er außer dem Turnen noch Deutsch, Religion, Stenografie und gab Nachhilfeunterricht im „Schönschreiben“. Schulwanderungen und Exkursionen wurden vom ihm organisiert. Er besuchte in den Ferien häufig Sportanlagen in ganz Deutschland, um sich über die neuesten Entwicklungen beim Turn- und Sportplatzbau zu informieren. Häufig wurde er auch als Sportplatzbauer von auswärtigen Vereinen zu Rate gezogen, so besonders in Weimar, wo er eine neue Tennisanlage an der Falkenburg mit plante und baute. Hierbei bekam er engen Kontakt zum Hofmarschalamt, einer „Landesbehörde“, vergleichbar etwa mit der heutigen Staatskanzlei. Der damalige Hofmarschall (verm. v. Meyenburg) war ein Tennisspieler und großer Liebhaber des Tennissports. Hermann Peter schrieb 1908 an ihn in Vorbereitung des ersten öffentlichen Turniers in Jena u. a. „Ich darf die persönliche Bitte an Sie anschließen, freundlichst das Oberschiedsrichteramt wieder übernehmen zu wollen…“ und jetzt kommt die entscheidende und für die USV-Zugehörigkeit von Peter wichtige Schlussformel: „…und bin Namens des Tennis-Wettspielvereins hier zu Jena euer Hochwohlgeboren gehorsamster H. Peter Lehrer am Gymnasium als Schriftführer des Tennis-Wettspielvereins“. Der Brief auf einem Kopfbogen des Tennis-Wettspielvereins belegt die direkte Mitgliedschaft und sogar eine hervorgehobene Funktion in diesem 1907 gegründete Verein auf den damals 32 Plätzen und dem 1903 gebauten Tennishaus in der Oberaue. Üblicher Weise wurden vorher einzelne Plätze immer für eine Saison von Peter gegen eine Gebühr an Einzelpersonen oder Vereine oder studentische Verbindungen vergeben. Mit der Gründung des Tennis-Wettspielvereins kam man dem Trend nach, auch öffentliche Turniere über die Grenzen der Stadt zu organisieren.
Mit diesem Schriftstück mit Hermann Peters Unterschrift, ist das erste namentliche bekannte Mitglied des heutigen USV bekannt, da bei der Gründung des Vereins für Bewegungsspiele (VfB, heute USV Jena e. V.) 1911 der Tennis-Wettspielverein als sehr eigenständige Abteilung in diesem aufging. Ob 1911 Herman Peter noch dabei war, ist noch nicht nachgewiesen. 1910 ereilte Peter eine schwere Krankheit, in deren Folge er in den zeitweiligen Ruhestand versetzt wurde.
Dr. H. Kremer
Bildunterschrift: Aus der Sammlung von Sportfotografien von Wieland Knetsch stammt das Foto der Tennisanlage aus dem Jahre 1905.

In: Thüringische Landeszeitung vom 26.5.2016 Nr. 493
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