Jenaer Hochschulsport und die Wende 1990

Vorbild: Bayern


Vor 25 Jahren, 1990, wurden die Grundlagen der heutigen Strukturen und damit der Erfolge und Misserfolge des Jenaer Unihochschulsports gelegt. Dabei waren zwei Handlungsakteure aktiv. Auf der einen Seite die sporttreibenden Studierenden sowie die Mitarbeiter des Hochschulsports, andererseits die Leitungen Instituts für Sportwissenschaft, der Fakultät und der Uni. Mitte August 1990 hatte der Dekan der „psychologisch-pädagogisch-sportwissenschaftlichen Fakultät“, Prof. Dr. Pöhlmann, an die Institutsleitungen vorläufige Statute und Ordnungen gesendet, die als Grundlage für eigenständige Papiere gedacht waren. Schon im Juli hatte ein Arbeitsgremium einen Antrag zur Neubildung des Instituts für Sportwissenschaft erarbeitet und an Pöhlmann, der aus dem Institut für Sportwissenschaft kam, eingereicht. Dieser Antrag sah vier Lehrstühle vor: Den Lehrstuhl für Biomechanik mit Prof. Gutewort, den Lehrstuhl für Sportpsychologie/Motorik mit Prof. Pöhlmann, den Lehrstuhl für Sozialwissenschaftliche Grundlagen mit Prof. Schröder und den Lehrstuhl für Sportpädagogik/-didaktik mit Prof. Götze. Der ehemalige eigenständige Bereich Studentensport, der im November 1989 in Hochschulsport umbenannt worden war, kam in der Struktur als Untergruppierung „Didaktik des Hochschulsports“ beim Lehrstuhl von Prof. Götze vor. Prof. Pöhlmann hatte sich vorher beim bayrischen Kultusministerium kundig gemacht. Von dort war als Muster für Hochschulen mit Sportinstituten vorgestellt worden, dass die in der Sportpraxis tätigen Hochschulsportlehrer am jeweiligem Institut angesiedelt seien. Sie wären mit ihrem Lehrdeputat voll in die jeweiligen sportwissenschaftlichen Studiengänge integriert. Im Nebensatz wurde dann noch erwähnt, dass natürlich umfangreiche Verwaltungsarbeit anfällt, da die Mehrzahl der Hochschulsportkurse durch bezahlte Übungsleiter abgesichert würden. Nicht erwähnt wurde, dass der Hochschulsport bundesweit, so auch in Bayern, eine eigenständige Struktureinheit war, der von verbeamteten Sportlehrern und Studentenvertretern organisiert wurde. Das Jenaer Sportinstitut hatte bei der neuen Struktur nur die für die Lehre günstigen Elemente des bayrischen Modells übernommen. Gegen diese Vereinnahmung wehrten sich die Jenaer Hochschulsportlehrer unter Bezug auf ein aktuelles Rundschreiben des „Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbands“ (adh). Dort wurde die Bildung eigenständiger „Hochschulsportinstitutionen“ gefordert.
Die Studenten der Friedrich-Schiller-Universität hatten im November 1989 nach einer Abstimmung den zu DDR-Zeiten üblichen Pflichtsport abgesetzt, worauf der Lehrbereich Studentensport nach bundesdeutschem Muster umstrukturiert worden war. Da erste Hinweise durch das neu geschaffene Thüringer Wissenschaftsministerium für den Lehrbereich Hochschulsport an der Uni Jena einen Personalabbau von ehemals 21 hauptamtlichen Hochschulsportlehrer auf vier Stellen für die Zukunft angedeutet worden waren, wurden sozialverträgliche Lösungen bei der Formulierung eines Jenaer Modells des Hochschulsports berücksichtigt.
Nachdem im Herbst 1990 kurzzeitig durch ministerielle Verfügung die Förderung des Hochschulsports ganz eingestellt werden sollte, gelang es mit Hilfe der Landesrektorenkonferenz und der Studentenschaft den Hochschulsport als eigenständige Einrichtung zu sichern. Für die Uni Jena wurde Mitte November das Konzept bei der Uni-Leitung eingereicht, welches anfangs noch eine direkte Zuordnung zum Senat der Universität vorsah. Lediglich inhaltlich sollte eine Zusammenarbeit mit dem Bereich Didaktik des Instituts erfolgen. Ein Leitungsgremium für den Hochschulsport wurde vorgeschlagen mit dem Beauftragten der Universität (Leiter) und je einem Vertreter der Studentenschaft, der hautamtlichen Mitarbeiter, des Universitätssportverein (USV) Jena e. V. und der Sportgruppen des Hochschulsports.
Der USV hatte sich bereits aus der ehemaligen Hochschulsportgemeinschaft gebildet. Die Schaffung eines Sportreferates beim Studentenrat sollte aber noch bis 1992/93 dauern. Als erste Sportreferentin konnte Uta Erben gewonnen werden. Die Sportstudentin war Übungsleiterin im Hochschulsport und bei den Thüringer Studentenmeisterschaften im Ausdauerlauf 1992 als Siegerin „positiv“ aufgefallen war. Der Studentenrat konnte überzeugt werden, dass, wie an den meisten bundesdeutschen Hochschulen ein Sportreferat unbedingt nötig wäre. Dieses sollte sich um Teilnahme von Studierenden an Hochschulmeisterschaften und anderen überregionalen Studentenwettkämpfen kümmern. Daraus entwickelte sich eine bis heute erhaltene gute partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen den hauptamtlichen Hochschulsportlehrern, dem USV und den jeweiligen Sportreferenten. Von Uta Erben über Thomas Strotzer bis zu Toni Wöhrl und Kerstin Genderjahn u. a. waren alle Sportreferentinnen und –referenten wichtige Partner bei der Entwicklung des Hochschulsports. Nach dem Jenaer Modell hatten sie direktes Mitspracherecht in der Arbeitsberatung des Hochschulsports und wurden auch als „Organisationsleiter“ unabhängig von der Finanzsituation des Studentenrats mit einer kleinen Vergütung ausgestattet. Abhängig von der Haushaltssituation im Studentenrat gelang es ihnen Jahr für Jahr Mittel bis zu 5.000 für die Teilnahme von Unisportlern an Hochschulmeisterschaften zu sichern.

Dr. Hans-Georg Kremer

Bildunterschrift: Uta Erben (Bildmitte vorn) 1992 als Übungsleiterin in der Stepaerobic.

In: Thüringische Landeszeitung 5. November 2015 Nr. 466
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