Jenaer Sport- und Fußballpionier soll ein Denkmal bekommen

663 Goldmark zu 4 ½ Prozent

Die Überlegungen des „Supporters Trust Jena e. V.“ für Hermann Peter, dem Begründer der Sportanlagen in der Oberaue, ein längst versprochenes Denkmal bis nächstes Jahr zu setzen, war Anlass, etwas genauer die Archivunterlagen der Universität zu durchforsten. Außer einem Werkvertrag mit dem Steinmetz Otto Späte findet sich im Universitätsarchiv ein kleiner Vorgang, der mehr über die Hintergründe und über die Realisierungsvorstellungen aussagt. Zwischen dem „Kuratel“, heute würde man Kanzleramt sagen und der zuständigen Behörde bei der großherzoglich-sächsischen Regierung in Weimar, dem „Kultus Departement“ wurden mehrere Briefe gewechselt. Der Kurator Max Vollert (1909-1922) schreibt am 27. Mai 1916 nach Weimar, dass bei der Auflösung des „Vereins zur Herstellung eines Spielplatzes eGmbH“ „…in Aussicht genommen wurde, für Herrn Hermann Peter einen Denkstein zu errichten…“ In einem Nebensatz wurde noch angeführt, dass sich Professor Knorr daran noch gut erinnere. Besagter Verein, auch „Spielplatzverein“ genannt, wurde 1893 in unmittelbarem Zusammenhang mit dem ersten Fußballspiel in Jena ins Leben gerufen. Die Akteure bei diesem Fußballspiel, die vor allem aus „akademischen Kreisen“ stammten, mussten feststellen, dass es in Jena eigentlich keinen geeigneten Platz zum Fußballspiel gab. Mit der Einführung der sogenannten „Jenaer Regel“, die besagte, dass auf einem Fußballplatz keine Bäume und Sträucher stehen dürfen, was bei vorhergehenden Übungsspielen offensichtlich nicht immer der Fall war, führte dazu, dass die einzige geeignete Wiese im kleinen Paradiese deutlich schmaler war (um die 40 Meter), als die nach den üblichen englischem Regelwerk geforderte Mindestbreite von 60 Metern. Das Ergebnis war, dass die Bälle häufig ins Seitenaus „gestoßen“ wurden. Da damals die Zuschauer direkt an den Außenlinien standen, führte dies dazu, dass Zuschauer häufig den Ball wieder ins Spielfeld beförderten, was zu Protesten der unterlegenen Mannschaft führen konnte, wodurch die Ergebnisermittlung erschwert und teilweise unmöglich gemacht wurde.
Einige der Mitspieler beim ersten Fußballspiel in Jena, finden sich im Spielplatzverein wieder. Ludwig Knorr, war einer der erfolgreichsten Chemiker der Zeit vor dem I. Weltkrieg, der durch viele Patente zu einigem Wohlstand gekommen war, stand als Vorsitzender des Vereins an der Spitze. Er und der bekannte Jurist Eduard Rosenthal, der Fabrikant Karl Netz sowie der Gymnasialprofessor Otto Dobenecker betrieben die Errichtung des Denksteins für Herrmann Peter, der sozusagen der „Geschäftsführer“ des Spielplatzvereins gewesen war. Eine Summe von 663 „Goldmark“, die bei der Sparkasse zu 4 ½ Prozent angelegt war, stand für die Realisierung zur Verfügung, schrieb Gustav Netz als „Schatzmeister“ des Spielplatzvereins an den Kurator. Um die Kosten für den Stein niedrig zu halten, wollte man einen Naturstein aus den staatlichen Wäldern um Jena nutzen. Der Vorschlag, einen Findling aus der Nähe von Waldeck zu holen, könnte von Otto Dobenecker gekommen sein. Dobenecker war damals einer der bekanntesten Regionalhistoriker und kannte alle historischen Objekte um Umkreis. Nach seinem Studium wurde er Gymnasiallehrer in Jena. 1901 erhielt er für seine dortige Tätigkeit vom Großherzog den Titel eines Professors verliehen. 1909 stieg Dobenecker zum Direktor des Gymnasiums auf und war damit „Chef“ von Hermann Peter. Dobenecker war außerdem Schriftführer des Vereins für Thüringische Geschichte und Altertumskunde, ab 1902 stellvertretender Vorsitzender und nach dem Tod Eduard Rosenthals Vorsitzender dieses Vereins. Die bei Waldeck noch heute auffindbaren Braunkohlenquarzite werden auch als Menhire bezeichnet, da in der Nähe bronzezeitliche Funde gemacht wurden. Bereits Goethe beschäftigte sich mit dem größten etwas über drei Meter hohen Stein, der zu DDR-Zeiten mit einer Platte versehen als „Aktivistenstein“ umgewidmet wurde. Da im Vertrag mit dem Bildhauer Otto Späte genau die Höhe des geplanten Denksteins mit 2,30 Meter angegeben wurde, muss es sich um einen der kleineren Steine unweit des Menhirs gehandelt haben. Der zuständige Förster stimmte einem Abtransport zu, verwies aber darauf, dass dies erst im Winter möglich wäre. Im Vertrag wurde dann allerdings ein „hiesiger“ Kalkstein als Ausgangsmaterial benannt, wohl weil man das Relief direkt aus dem Stein hauen wollte, was bei einem Quarzit ausgesprochen schwierig geworden wäre. Anfangs war man noch von einem Medaillon aus Metall mit dem Portrait von Hermann Peter ausgegangen. Vor Unterzeichnung des Werkvertrages hatte Weimar bei Richard Engelmann, dem 1913 als Professor an die Weimarer Hochschule für bildende Kunst berufenen Leiter der Bildhauerabteilung angefragt, welche Ausführung er vorschlagen würde. Dieser empfahl, das wegen des herrschenden Metallmangels, es war mitten im I. Weltkrieg, darauf verzichtet und das Relief direkt aus dem Stein herauszuarbeiten werden sollte.
Der Weltkrieg war dann wohl auch der Grund, warum der Auftrag nicht ausgeführt wurde. Nach einer Notiz an anderer Stelle wurden überschüssige Gelder der „Spielplatzkasse“ in Kriegsobligationen angelegt, die ebenso wie der I. Weltkrieg für Deutschland verlorengingen. Es wurde aber 1919 eine Bronzereliefplatte mit dem Portrait von Hermann Peter am Tennishaus angebracht, was aber eine andere Geschichte ist.

Dr. Hans-Georg Kremer

Bildunterschrift: Ein Portraitfoto von Hermann Peter wurde 1926 zu seinem 70. Geburtstag in den Mitteilungsblättern des Gymnasiums veröffentlicht.

Entnommen Thüringische Landeszeitung 20. August 2015 Nr. 455
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