Jenaer Sportgeschichte

Mit Doppelfaltboot nach Bad Kösen


Der letzte Beitrag über Auszeichnungen beim Uni-Sport löste eine ganze Reihe von Hinweisen aus, darüber, was alles vergessen wurde. Da unsere wöchentlichen Beiträge nur begrenzt Platz haben, kann natürlich nie das gesamte verfügbare Quellenmaterial berücksichtigt werden. So sind uns allein aus den Jahren 1974/1975 Auszeichnungslisten der HSG Uni Jena (heute USV) mit mehr als 30 Namen überliefert. Da werden der Sektionsleiter Judo Horst Porwol, das HSG-Leitungsmitglied Manfred Rosemann, der Übungsleiter der DDR-Ligamannschaft im Volleyball Rainer Feustel und der Autor der Serie als Gesamtleiter des Rennsteiglaufs genannt. 1971 bekamen Ehrennadeln des DTSB: Hans-Günther Byhan Sektionsleiter Kanu, der gleichzeitig Leiter des Trainingszentrums und Kampfrichter war; Jost Casper der Sektionsleiter Tennis; Erich Blum der Sektionsleiter Ski und Leiter des Studentensports; Franz-Christian Hering der Sektionsleiter Rudern; Horst Taplick als langjähriger Übungsleiter der Sektion Judo, dessen Sportler vier Medaillen bei DDR-Meisterschaften gewannen und Harald Seime, der Initiator und Begründer der Sektion Fechten. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.
Ergänzung fand der Artikel auch durch den Hinweis, dass Wolfgang Gutewort, der bei der Kollektivauszeichnung von Forschungsmitarbeitern nicht berücksichtigte wurde, 1980 als Einzelpersönlichkeit den Nationalpreises für Wissenschaft und Technik, eine der höchsten Auszeichnungen der DDR, bekam.
Es gab auch einige interessante Quellen zu besonderen sportlichen Auszeichnungen. Der Senat der Universität stiftete zum Beispiel 1957 einen Preis für eine Kanuregatta auf der Saale. Diese war anfangs ein „Deutsch-Deutscher Vergleichskampf“ und bekam ab 1962 durch die Teilnahme ungarischer Spitzenkanuten sogar internationalen Charakter.
Zu den Organisatoren dieser Wettkämpfe gehörte der kürzlich verstorbene Hans-Günther Byhan. Er gehörte fast von Anbeginn des Kanusports bei der HSG Uni Jena zu den wichtigsten Funktionären und Kampfrichtern. So berichtete er als Sektionsleiter Kanu im Dezember 1965, dass die Sportler der Sektion 334 NAW-Stunden (nationales Aufbauwerk) am Bootshaus Burgauer Weg geleistet hätten, davon er selber 75, Hans Dumke 50, Hartmut Rasche und Ingrid Wadenbach je 25. Insgesamt beteiligten sich im Verlaufe des Jahres 20 Sportlerinnen und Sportler an den Arbeitseinsätzen. 1975 gehörte Byhan zum Vorstand der HSG unter Leitung von Prof. Günther Drefahl, zusammen mit Manfred Kunze, Manfred Rosemann, Rainer Feustel, Erwin Schwarz, Helmut Stürmer, Joachim Thoms, Edith Schwarz und den Geschäftsführer Eberhardt Täubert. Neben ihm war es vor allem Hans Dumke mit dem er sehr viel Freizeit im Kanubootshaus verbrachte, manchmal zum Leidwesen seiner Familie. Günther Byhan hat auch intensiv an der Chronik der Kanuten der HSG Uni mitgearbeitet. Nach seinen Recherchen wurde die Sportgruppe am 15. Mai 1952 gegründet und konnte im gleichen Jahr mit Ingelore Sint, die von Schott zur Uni gewechselt war, eine Deutsche Meisterin feiern.
Im Gegensatz zum Rudern gibt es zur Geschichte des Kanusports in Jena aus der Zeit von vor 1945 bisher relativ wenig erschlossenes Quellenmaterial. Daher ist der Kanusport im Gegensatz zum Rudern in der Ausstellung „Jena und die Saale im Wandel der Zeiten“, die morgen eröffnet wird, kaum präsent. Die älteste Nachricht über Kanusportler stammt aus dem Jahre 1919, wo laut „Jenaer Volksblatt“ im September Mitglieder eines Vereins für Kanusport vom Griesbachbad mit vier Einsitzern und drei Doppelfaltbooten zur Fahrt nach Bad Kösen aufbrachen. Vor dem I. Weltkrieg (1914-1918) hat es Kanusport wohl schon beim Verein für Bewegungsspiele (VfB, heute USV) und beim Lehrlings- und Gehilfenverein, der später „Jugendverein Ernst Abbe“ hieß, gegeben. Dessen Bootshaus, ein roter Klinkerbau unweit der neuen Holzbrücke auf der Gegenseite des Stadions, nutzt heute der Jenaer Kanu- und Ruderverein.
Als eigentliches Gründungsdatum des Jenaer Vereins für Kanusport wird in den Akten des Landesarchivs in Weimar der 21. Januar 1921 genannt. Laut Satzung hatte der Verein zum Ziel: „…die Pflege und Förderung des gesamten Kanusports zur Ertüchtigung des männlichen und weiblichen Geschlechts, insbesondere der Jugend…Vereinszwecke sind gemeinsame Wanderfahrten, Teilnahme an Wettfahrten und Veranstaltungen solcher Art.“ Zu den Akteuren der Anfangszeit, die im Vorstand mitarbeiteten, gehörten Erich Schönau, Otto Gresitzka, Arthur Goßrau und Karl Bräutigam. Spätestens ab 1925 muss ein Bootshaus existiert haben, welches heute die Kanuten von Schott nutzen. Sie bekamen Ende der 1940er Jahre dieses vom Sportamt der Stadt übertragen. Der Verein für Kanusport war relativ klein. Bei den Mitgliedervollversammlungen waren im Schnitt nur 20 stimmberechtigte Mitglieder anwesend. In den 1930er Jahren wurde die Satzung erweitert und die Pflege des Faustballspiels und des Wintersports mit aufgenommen.
Bei der Neukonstituierung des Jenaer Sports nach dem II. Weltkrieg spezialisierten sich die Betriebssportgemeinschaften (BSG’n) zum Teil auf den Kanurennsport und das Kanuslalom bzw. Wildwasserfahren. Die Uni-Sportler haben sich unter wesentlicher Mitwirkung von Günther Byhan und ab Mitte der 1950er Jahre von Hans Dumke zu einem Leistungszentrum im Kanurennsport im Bezirk Gera entwickelt. Von den 110 eingetragenen Meisterschaftsmedaillen in der „Ehrentafel des Universitätssports“ stammen 40 von DDR-Meisterschaften aus dieser Zeit.

Dr. Hans-Georg Kremer

Bildunterschrift: Von Hartmut Rasche stammt dieses Foto von dem traditionellen Treffen „Ehemaliger“ HSG-Kanuten aus dem Jahre 2015 mit Günther Byhan auf dem Balkon des Uni-Bootshauses.

In: Thüringische Landeszeitung vom 12. Juli 2017 Nr. 545
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