Jenaer Sportpionier Hermann Peter - Vater des FC Carl Zeiss und des USV Jena

Über Hermann Peter

Wie kürzlich in der TLZ berichtet erhielt vor 99 Jahren der bekannte Jenaer Bildhauer Otto Späte den Auftrag, für 600,- Mark ein Denkmal für den Uni-Sportplatzbegründer Hermann Peter zu erstellen. Das Denkmal sollte wie ein Obelisk aus einheimischem Kalkstein bestehen und mit dem Portrait von Hermann Peter als Bronze-Plakette geschmückt werden. Zum Auftraggeber und der Ausführung müssen noch weitere Forschungen angestellt werden. Auf jeden Fall hatten die Universität und der ehemalige „Spielplatzverein“ wohl die Absicht, dem Manne, der ganz wesentlich die Sportstättenlandschaft Jenas zu Gunsten der Universität geprägt hatte, zu ehren. Die Geldfrage spielte wohl auch keine Rolle, da der Vorstand des „Spielplatzvereins“ bereits 663,- M gesammelt hatte, die für einen Stein aus dem Jenaer Forst und dessen Bearbeitung durch den Bildhauer genutzt werden konnten. Der Vorstand und frühere Aufsichtsrat des „Spielplatzvereins“ bestand aus Prof. Ludwig Knorr, Dr. Eduard Rosenthal, Prof. Otto Unrein und Dr. Otto Dobenecker, die das ganz Projekt wohl betrieben haben. Der I. Weltkrieg und die zunehmende wirtschaftliche Not in Deutschland sorgten dafür, dass dieses Denkmal nicht zur Ausführung kam. Die Bronzeplatte dafür wurde auf jeden Fall fertig und später am Uni-Tennishaus angebracht.
Wer war Hermann Peter, dass man ihm schon zu Lebzeiten ein Denkmal setzen wollte? Er wurde am 10. November 1856 als Sohn eines Lehrers in Bechstädtstraß bei Vieselbach geboren, besuchte das Lehrerseminar in Weimar, war dann zwei Jahre Lehrer in Graitschen bei Bürgel, hierauf vier Jahre an der Jenaer Bürgerschule tätig und dann zum Turnlehrer ans Jenaer Gymnasium geholt. Wo die Wurzeln seiner Turn- und Sportbiografie lagen, sind noch nicht erforscht worden. Das Weimarer Lehrerseminar war aber eine ausgewiesene Ausbildungsstätte für Turnlehrer in Thüringen. Hermann Peter lebte dann in Jena und verstarb am 3. Juni 1928 nach langer schwerer Krankheit.
Man kann ihn nicht zu Unrecht als Begründer des modernen Sports in Jena bezeichnen, der zumindest beim Fußball, der Leichtathletik, dem Tennis und dem Rudern, in den Gründeranalen verzeichnet ist. Sein größter, bis in die heutigen Tage wirkender Verdienst ist vor allem, die Schaffung der Sportanlagen in der Oberaue, die heute als Universitätssportzentrum und als Ernst-Abbe-Sportfeld noch Bestand haben. Die beiden größten Sportvereine von Jena, der USV und der FC Carl Zeiss wären ev. ohne diese Sportstätten garnicht gegründet worden und hätten beide nicht eine über hundertjährige Erfolgsgeschichte schreiben können. Beim Vorläufer des USV, dem 1911 gegründeten Verein für Bewegungsspiele (VfB) gibt es in Quellen zumindest die Andeutung, dass Hermann Peter, ähnlich wie der Miterfinder des Deutschen Sportabzeichens und des Olympischen Fackellaufs Carl Diem, wir berichteten in einem früheren Beitrag, Ehrenmitglied war.
Im Zusammenhang mit der frühen Jenaer Fußballgeschichte tauchte Peters Name schon beim ersten Fußballspiel 1893 auf, dass er mit J.J. Findlay organisierte und bei dem er vermutlich selber mitspielte. Vor und nach dem Spiel schrieb er sehr ausführliche Berichte für die Jenaer Zeitungen. Ins gleiche Jahre fällt auch die Gründung des „Spielplatzvereins“, einer Genossenschaft, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, in der Oberaue Wiesen zu erwerben und der gesamten sportreibenden Jugend Jenas kostengünstig zur Verfügung zu stellen. Bis 1914 und dem Verkauf der Plätze an die Uni blieb Hermann Peter der „Geschäftsführer“ dieser Genossenschaft.
Als Turnlehrer am Gymnasium wurde Hermann Peter Nachfolger von Franz Rasch, setzte dessen Bestrebungen zur Einführung von Spiel und Sport neben dem Turnen fort. „Anfang der neunziger Jahre sehen wir schon den ersten Fußballklub im kleinen Paradiese unter Peters Leitung eifrig bei der Arbeit…Ein Sportfreund aus England, namens Fin(d)lay, hatte viel zu der Wahl dieses schönen Fleckchens Erde beigetragen. Peter entfaltete dort drüben auf den weiten Wiesen bald regste Tätigkeit. Die Tennis- und Fußballplätze entstehen auf Grund der von Peter auf seinen vielen Reisen anderwärts gesammelten Kenntnissen und Erfahrungen. Oberhalb des Rasenmühlenwehrs beginnt unter seiner Leitung der Rudersport, und bald herrscht auch im tiefen Winter reges Leben an dem idyllischen Saaleufer“ kann man in einem Nachruf lesen. Bekannt ist auch, dass er persönlich dafür sorgte, dass die Tennisplätze an den kalten Wintertagen zur spiegelglatten Eisfläche für Schlittschuhläufer und Eishockeyspieler wurden. Das Tennishaus in der Oberaue ist ihm zu verdanken. Peter selbst reist in den Schulferien durch Deutschland, um sich über Spielplatzanlagen und deren Bau die nötigen Kenntnisse zu holen. Zur Ermöglichung des Schülerruderns hatte er auf seine Kosten sieben Sportboote besorgt, die er den älteren Gymnasiasten, gegen eine geringe Abgabe für die Instandhaltung, zur Benutzung überließ. Weniger bekannt ist, dass er in den großen Ferien regelmäßig mit älteren Schülern Wanderfahrten u. a. nach Dänemark und in die Alpen sowie in der Schulzeit alljährlich eine Wochenendwanderung mit den Vorturnern des Gymnasiums in den Thüringer Wald, die Rhön usw. organisierte. Über seine Familienverhältnisse wissen wir nicht viel. Seinen Nachruf unterzeichneten wohl ein Bruder und seine Schwester.

Dr. Hans-Georg Kremer

Bildunterschrift: Bisher wurden kaum Fotos von Hermann Peter ausfindig gemacht. Lediglich auf Abbildungen der Lehrerschaft des Gymnasiums, hier von 1888-89 (hinten 2. v. l.) in dem Mitteilungsblatt der schule, kann man ihn finden.

Veröffentlicht in: Thüringische Landeszeitung 6. August 2015 Nr. 453
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