Jenaer Universitäts-Oberturn- und Sportlehrer Hermann Eitel

Kohle Fahren, Ausschachten, Holzhacken

Der Universitäts- Oberturnlehrer Hermann Eitel galt Anfang der 1930er Jahre als geachteter Bürger der Stadt. In der Vereinslandschaft hatte er sich als Vorsitzender des Skiclubs Jena etabliert. Neben dem Wintersport- und Touristik Verein und den Skiabteilungen des I. SV (heute FC Carl Zeiss) und des VfB (heute USV Jena) war dies wohl der einzige, nur auf den Wintersport ausgerichtete Sportverein in Jena. Es besteht sicher ein enger Zusammenhang zu Eitels umfangreicher ehrenamtlicher Arbeit im Deutschen Skiverband (DSV) und im Thüringer Wintersportverein (ThWsV). Wie im letzten Beitrag über Eitel geschildert, musste er nach eigenen Aussagen 1934 auf Grund einer Intrige die Uni verlassen. So waren dafür ausschlaggebend, dass man ihn beim Tennisspiel mit jüdischen Bürgern der Stadt (Ledermann, May, Behrend) beobachtet hatte und er außerdem mit Kontakten zu einem jüdischen Rechtsanwalt (in Institutsangelegenheiten) aufgefallen war. Dies genügte, um ihn an die Jungen-Oberschule nach Weimar zu versetzen.

Auf der vom Gauleiter Saukel unterzeichneten Versetzungsurkunde war zu lesen, dass auf Vorschlag der Thüringer Landesregierung der Universitäts-Oberturnlehrer Hermann Eitel in Jena auf Grund des § 5 des Reichsgesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums (…) vom 1. Juni 1934 an, in eine planmäßige Reallehrerstelle (drei d) der Besoldungsordnung versetzt werde. Das zitierte Gesetz wurde deutschlandweit nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten zur Entfernung von kommunistischen, sozialdemokratischen und jüdischen Beamten aus allen staatlichen Funktionen erlassen. Eitel hat dieses Dokument ev. nach 1945 zu einer teilweisen Rehabilitierung verholfen. Der Vorsitzende des akademischen Ausschusses für Leibesübungen, Prof. Dr. G. v. Zahn, der 1929 Rektor gewesen war und ab Sommersemester 1934 Prorektor, der hatte ein sehr gutes Verhältnis zu Eitel, ließ es sich nicht nehmen beim Universitätssportfest 1934 in seiner offiziellen Rede, Eitels Wirken für den Uni-Sport besonders positiv hervorzuheben.
Nachdem Eitel in Weimar seine Tätigkeit aufgenommen hatte, wurde er dort relativ schnell in die Sport- und Vereinslandschaft integriert. Seine Funktionen im DSV und im ThWsV führte er weiter aus. Als Lehrwart und Kampfrichter war er regelmäßig präsent. Sein wohl „wertvollster“ Einsatz war der des Starters der Langlaufwettbewerbe der Olympischen Winterspiele 1936 in Garmisch-Partenkirchen.
Auch auf zentraler Ebene galt Eitel weiter als Fachmann. So wurde er noch 1941 zu einem Lehrgang als Sachbearbeiter für Leibesübungen an die Führerschule Neustrelitz einberufen. 1942 wurde er zum Studienrat befördert. Aus seiner Weimarer Zeit ist ansonsten noch wenig bekannt, lediglich, dass er im Nationalsozialistischen Kraftfahrerchor als „Sportwart“ tätig war.
Nach dem Ende des II. Weltkrieges scheint Eitel in Gefangenschaft geraten zu sein. Er schrieb 1947 einen Brief aus Gehlberg an Carl Diem in Köln, der dort mit dem Aufbau einer Sporthochschule begonnen hatte. Carl Diem, den er von seiner Tätigkeit im DSV kannte, dieser war Vorsitzender des Ausschusses für Wissenschaft und außerdem Ehrenmitglied des VfB Jena. Ihm schildert Eitel seine schwierige soziale Lage wahrscheinlich verschlüsselt, wegen befürchteter Postkontrolle: „Seit April bin ich hier in einem Glaswerk tätig. Alle Arbeiten: Kohle fahren, Ausschachten, Holzhacken u. a. habe ich verrichtet. Jetzt bediene ich die Zugbahn…Die Arbeit ist genug interessant, wird auch gut bezahlt. Mit 60 Pfg. Stundenlohn begann ich; jetzt bekomme ich 68 Pfg! Leider entströmen dem „Tunnel“ eine Menge unverbrauchter Gase, sodaß ich nicht gerade in einem Sanatorium lebe.“ Danach bittet er um Hilfe bei der Suche nach einer Tätigkeit im Sport und wenn es als Turnhallen-, Sportplatz- oder Geräteverwalter ist. Er weiß, dass er als PG (Parteigenosse) der NSDAP (Mai 1933) und Sportreferent des NSKK, „..wofür ich 11 Monate Erholungsurlaub bekommen habe…“, wenig Chancen auf eine höhere Einstellung hätte. Vermutungen, dass Eitel ähnlich seinem Skikameraden Dr. Friedrich Tenner, dem langjährigen Präsidenten des ThWsV und des DSV, im sowjetischen Speziallager Buchenwald gelandet wäre, haben sich allerdings nicht bewahrheitet. Tenner überlebte Buchwald nicht.
Nach Gehlberg hatte Eitel viele Verbindungen, so war er dort jahrelang im Universitätsskilager tätig und hatte dort auch seine Frau kennengelernt. Vermutlich wohnte er bei den Schwiegereltern, die ein kleines Glaswerk besaßen. Später wurde Eitel rehabilitiert und arbeitete wieder als Turn- und Sportlehrer. Für 1956 gibt es eine Notiz von Lothar Köhler, der im Auftrag der Direktorin Elli Tetschke die Geschichte des Instituts für Körpererziehung (IfK) erarbeiten sollte, der Eitel persönlich in Gehlberg befragen konnte. Köhler schreibt, dass der 70jährige Eitel noch an der Grundschule in Gehlberg wirken würde und als Fachberater für Körpererziehung des Kreises Suhl tätig sei.
Zum Schluss schreibt Köhler: „Äußerst bereitwillig beantwortete er alle Fragen, soweit das in der Kürze seiner beschränkten Zeit möglich war. Seine Lebhaftigkeit und Begeisterung verriet, wie sehr er sich noch mit der Körpererziehung im Allgemeinen und der Körpererziehung an der Universität Jena verbunden fühlt.“ Eitels Name taucht bis Ende der 1960er Jahre wiederholt in Kampfrichterlisten von Skiwettkämpfen aber auch in der Leichtathletik im Bezirk Suhl auf. 1970 verstarb er in Arnstadt im Krankenhaus und wurde in Gehlberg beigesetzt.

Dr. H. Kremer

Bildunterschrift. Hermann Eitel 1933 mit der 4x100-Meter Staffel der Uni bei einem Wettkampf in Bad Elster.

In: Thüringische Landeszeitung vom 26. März 2016
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