Kriminalfälle im Jenaer Sport

Der Cheops-Skandal


Die TZL-Serie zu „Spektakuläre Kriminalfällen in Thüringen“, war Anlass nachzuschauen, welche Kriminalfälle es eventuell im Jenaer Sport gab. Aus der frühen Universitätssportgeschichte sind mehrere Vorfälle bekannt, wo auf Grund des tödlichen Ausgangs von Duellen daraus Kriminalgeschichten entstanden sind, was aber heute nicht betrachtet werden soll.
Ein etwas mysteriöser Fall fand im Herbst 1937 statt, als in der „Muskelkirche“ Sportstudenten einen Taschendieb namens Stade fassten, der mehrere Geldbeträge und eine Taschenuhr in den Umkleideräumen gestohlen hatte. In einem unbewachten Moment, als auf das Ankommen der Polizei gewartet wurde, erschoss er sich im Foyer des Institutsgebäudes des damaligen Hochschulinstituts für Leibesübungen. Dieser Vorfall war Anlass für den Direktor Dr. Karl Feige, für den Hausmeister eine Schusswaffe und einen Diensthund zu beantragen. Die Diensthundeberechtigung gab es bis in die 1950er Jahre und spielte in den Akten immer wieder eine Rolle, wenn es um die Bezahlung des Hundefutters ging.

Ein Fall wurde sogar in der oben benannten TLZ-Serie behandelt. Dabei ging es um den Fußballer Jörg Böhme, der als junges Talent bei FC Carl-Zeiss Jena seine Karriere begann, und der auf die schiefe Bahn geraten war. Was in dem Artikel nicht beschrieben wurde, jetzt mit Dokumenten aber belegt werden kann, dass Jörg Böhme schon als Jugendlicher 1989 wohl wegen disziplinarischer Probleme aus dem FC ausdelegiert werden sollte. Nur weil die Familie von Dr. Paul Dern ihn in ihr Haus aufnahm, eine Lehrstelle besorgte und persönlich betreute, konnte er weiter in Jena spielen und seine Profikarriere starten.
Eine andere Geschichte, zu der es bisher aber wenige veröffentlichten Dokumente gibt, handelte von einem Jenaer Sportstudent der „Islamist“ geworden war und mutmaßlich in den „heiligen Krieg“ gezogen sein soll.

Weniger zu erwarten ist, dass ein Absolvent des Instituts für Sportwissenschaft, der heute als Experimentalarchäologe tätig ist und in die Mühlen der ägyptischen Justiz geriet. Der 1966 in Gotha geborene Dominique Görlitz studierte von 1989 bis 1994 an der Uni Lehramt für die Fächer Sport und Biologie. In Wikipedia wird er als Experimentalarchäologe, Vegetationsgeograph, Buchautor, Filmemacher und Vortragsredner bezeichnet. Bekannt wurde er vor allem als „Steinzeit-Segler“ mit seinen ABORA-Schilfboot-Expeditionen über das Mittelmeer und den Nordatlantik, womit er die Annahme prähistorischer Schifffahrt und interkultureller Wechselwirkungen zwischen entfernten Hochkulturen in der Frühzeit stützen wollte. Dominique Görlitz beschäftigte sich, angeregt durch die Berichterstattung über Thor Heyerdahl, seit seiner frühen Jugend mit dem prähistorischen Schilfbootbau. Zusammen mit Kommilitonen und seiner Lebensgefährtin Cornelia Lorenz, begann er besegelte Schilfboote nach wissenschaftlichen Vorlagen zu bauen. Nach Studium und Referendariat war er zunächst bis 2003 als Gymnasiallehrer tätig. Im Rahmen von „Jugend forscht“ arbeitete er gemeinsam mit Schülern an der Rekonstruktion vorzeitlicher Wasserfahrzeuge.
2013-14 ging dann sein Name unter der Überschrift „Der Cheops-Skandal“ durch die Weltpresse. Gemeinsam mit Stefan Erdmann und ägyptischen Archäologen und Helfern untersuchte er die Druckkammern in der großen Pyramide von Gizeh. Im Rahmen ihres, von den zuständigen Stellen genehmigten Besuchs, haben die beiden Deutschen eine winzige Materialproben im Milligramm-Bereich von einer Wand der obersten Entlastungskammer von der Decke der Königskammer genommen und dann zu labortechnischen Untersuchungen nach Deutschland verbracht. Daraus wurden dann erst ein Raub und eine Beschädigung von Altertümern konstruiert, die zu einer Verurteilung von sechs ägyptischen Helfern mit mehrjährigen Haftstrafen führte. Auch Göritz wurde in Abwesenheit verurteilt und den Medien zufolge war sogar das Verhältnis zwischen Deutschland und der ägyptischen Altertümer-Verwaltung belastet, was aber seit dem Streit um den Kopf der Nofretete sowie angespannt ist.
Seit nunmehr zwei Jahren kämpft Dominique Görlitz um eine Freilassung seiner Helfer und eine persönliche und wissenschaftliche Rehabilitierung. Anfang November findet ein Revisionsverfahren statt, aber so wie die Dinge gegenwärtig in Kairo laufen, kann Görlitz nicht erkennen, dass man dort objektiv und unvoreingenommen über das Forschungsprojekt urteilen wird. In Deutschland sind Strafverfolgungen eingestellt worden. Jetzt verhandeln Görlitz gerade mit Interpol, um einen Suchbefehl aus den Akten zu bekommen.
Inzwischen wurde unter dem Titel „Das Cheops-Projekt“ ein Buch von Dominique Görlitz und Stefan Erdmann herausgegeben, in dem auch auf Grund der Gesteinsprobe neue Erkenntnisse zu den Bautechnologien beim Pyramidenbau vorgestellt werden. So konnte er die wenig bekannte Theorie stützen, dass die Ägypter bereits über Eisenwerkzeuge verfügten und „modernere“ Hebetechnologien verwendeten, als bisher bekannt war.

Dr. Hans-Georg Kremer

Bildunterschrift: Dominique Görlitz (2.v.l.) hier 1993 als Sportstudent und Mitorganisator eines Kindersportfestes hinter der Muskelkirche.

In: Thüringische Landeszeitung 22. Oktober 2015 Nr. 15
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige