Neuigkeiten zum Jenaer Universitäts- Turn- und Sportlehrer Hermann Eitel

Ein gefragter Gesprächspartner


Der Universitäts-Turn- und Sportlehrer Hermann Eitel war außer seinen vielfältigen dienstlichen Aufgaben an der Universität im Ehrenamt vor allem im Wintersport tätig. Neben der Lehrwarttätigkeit findet man seinen Namen häufig im Kampfrichterstab bei größeren Skiveranstaltungen. Spätestens ab 1923/24 ist er der Lehrwart im Deutschen Skiverband und für die Ausbildung der Verbandsskilehrer zuständig. Regelmäßig wird sein Name in der Verbandszeitschrift „Der Winter“ aufgeführt, wenn zu Lehrgängen eingeladen wird bzw. Prüfungen angesetzt werden. Da zeitweilig zwei seiner Amtskollegen im Thüringer Wintersportverband, Dr. Friedrich Tenner aus Meiningen und später Gustav Räther aus Erfurt Präsidenten des Deutschen Skiverbandes (DSV) waren, gab es hier eine starke Thüringer Vertretung. Die Geschäftsstelle des DSV befand sich zeitweilig in Meiningen und dann in Weimar, wohin Dr. Friedrich Tenner als Ministerialbeamter gezogen war. Daneben vertrat Eitel die Universität auf den regelmäßig stattfindenden Tagungen der Universitäts- Turn- und Sportlehrer Deutschlands. Durch die frühzeitige Einführung des Pflichtsports an der Jenaer Universität war Eitel ein gefragter Gesprächspartner. 1924 beschloss der Senat, ausgehend von Forderungen der Studentenschaft, in Jena als erster Universität in Deutschland den „Sportzwang“. Die Studierenden mussten ein Testat über zwei Semester Pflichtsport nachweisen, um zum Staatsexamen zugelassen zu werden. Ausgenommen davon waren nur „Ausländer“ und die Mediziner.
Bei der Turn- und Sportlehrerausbildung an der Universität konzentrierte sich Hermann Eitel auf die Umstellung der seit 1911 stattfindenden zweisemestrigen Kurse auf eine vier semestrige Ausbildung der Turnphilologen. Dazu wurde als erster Schritt erreicht, dass die Lehrgänge ins Vorlesungsverzeichnis der Uni aufgenommen und ab 1920 an die preußischen Ausbildungsvorschriften angenähert wurden. In einem Schreiben vom 24. Oktober 1920 erläutert Eitel, dass auf Grund der Verschärfung der Ausbildung der Turnlehrer in Preußen auch die Anforderungen in Jena erhöht würden. Damit sollte gesichert werden, dass die Absolventen bessere Einsatzmöglichkeiten in ganz Deutschland erhielten.
Bis zur Einstellung von Else Schramm im Jahre 1926 musste Eitel alle Aufgaben an der Uni selber oder mit Honorarkräften und Assistenten, die stundenweise bezahlt wurden, realisieren. Zeitweilig hatte er bis zu 15, meist „Sportstudenten“ und Lehrkräfte anderer Fakultäten oder städtischer Schulen zur Verfügung. Else Schramm übernahm ab 1926 einen Teil der Aufgaben im Hochschulsport und bei der Ausbildung, besonders bei den Studentinnen, deren Immatrikulationszahlen ständig wuchsen.
Ab der Einweihung des Gebäudes der Landesturnanstalt 1929 in der Seidelstraße gab es erstmals eine Zuordnung der „Leibesübungen“ in die akademischen Lehrstrukturen, indem die Landesturnanstalt verwaltungsmäßig dem Direktor des Pädagogischen Instituts, Prof. Georg Weiß, zugeordnet wurde. Hermann Eitel war an der Planung des Gebäudes, welches heute als Muskelkirche apostrophiert wird, intensiv beteiligt. Widerstände wegen der äußeren Gebäudeform scheinen von ihm nicht gekommen zu sein. Da er bei der Besetzung der Leitung übergangen wurde, bekam er als kleines „Trostpflaster“ den Titel eines Universitäts-Oberturnlehrer, was etwa einem Oberstudienrat entsprach.

Die Gründung eines eigenständigen Sportinstituts unter Leitung von Hermann Eitel scheiterte wohl auch an seiner fehlenden akademische Karriere. Erst nach der umfangreichen Aufwertung der Leibesübungen unter den Nationalsozialisten wurde 1934 ein entsprechendes Institut gegründet. Hermann Eitel wurde nicht, wie vom akademischen Ausschuss der Uni vorgeschlagen worden war, Direktor, obwohl er ideologisch als „Alldeutscher“ dem Regime nahe stand und 1933 mit fliegenden Fahnen Mitglied der NSDAP geworden war. Direktor wurde Hans Ebert. Lothar Köhler, in den 1950er Jahren Assistent am Institut für Körpererziehung, konnte Hermann Eitel persönlich dazu befragen, wie Ebert denn zu dem Direktorenposten gekommen sei. Bisher wurde davon ausgegangen, dass er als „Blutordensträger“, den er von Hitler auf Grund seiner Teilnahmen am Putsch in München erhalten hatte, die nötigen Verbindungen zu den seit 1933 regierenden Nationalsozialisten hatte. Auch eine akademische Karriere an den Instituten für Leibesübungen in Rostock und Breslau, sowie seine zeitigen Zugehörigkeit zur NSdAP (1930) und SS (1931) könnten ausschlaggebend gewesen sein. Eitel gab gegenüber Lothar Köhler an, dass Hans Ebert in Thüringen ab 1933 Sportführer beim Reichsarbeitsdienst war. Eberts Vater war ein strammer Nationalsozialist, der in Traßdorf bei Arnstadt Lehrer war. Bereits 1929 war dieser Ortsgruppenführer der NSdAP. Ab 1932 war er Kreisleiter des Nationalsozialisten Lehrerbundes in Arnstadt. Er war persönlich mit Fritz Wächtler befreundet, der seit 1932 Volksbildungsminister in Thüringen für die NSdAP war. Diese guten Kontakte, die bis zum Gauleiter Fritz Saukel reichten, nutzte Eberts Vater, um seinen Sohn als Direktor an das neu gegründete Institut für Leibesübungen zu „befördern“. Dabei wurde Hermann Eitel mittels einer Intrige verdrängt, wie er selber ausführte. Die offizielle Begründung lautete aber, dass er für diese Funktion zu alt gewesen sei. Er war damals 48 Jahre.

Dr. H. Kremer

Bildunterschrift: Hermann Eitel (rechts) mit österreichischen Skilehrern 1930 vor der Muskelkirche.

In: Thüringische Landeszeitung vom 3. März 2016
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