Rennsteiglauf verlässt Europacup

Europacup Ultramarathon Serie 2015

Die Vertreter der Partnerläufe des Europacup Ultramarathon (ECU)trafen sich Ende Februar zu ihrem jährlichen Besprechungstermin im Raum Schwäbisch Gmünd. Ziel des Europacups ist die immer bessere Vernetzung der Läufer und Läufe in Europa durch die Durchführung einer gemeinsamen europäischen Wertung für Ultrasportler.
Diesmal ging es im Besonderen um die Neuorganisation der Aufgabenverteilung für den ECU, nachdem die seither federführende Rennsteiglauf GmbH im Januar den Austritt aus der Partnerschaft für den ECU erklärt hatte.
Im Interesse der Läuferinnen und Läufer, die sich bereits für den Rennsteig-Supermarathon als Wertungslauf des ECU angemeldet haben, entschied man diesen Lauf auch 2015 noch in der Ranglistenwertung des ECU zu berücksichtigen. Es gibt 2015 im ECU also folgende Wertungsläufe:
52 km, HD 2.300 m, Trail du Petit Ballon, Rouffach (F) 15. März
50 km Mnisek pod Brdhy (CS) 11. April
72,7 km, HD 1.470 m, Rennsteigsupermarathon, Eisenach (D) 09. Mai
100 km Bieler Lauftage, Biel/Bienne (CH) 12./13. Juni
75 km Celje-Logarska Dolina (SLO) 05. September
57 km, HD 1.800 m, Wörthersee Trail Maniak, Pörtschach (A) 19. September
50 km, HD 1.100 m; Sparkassen Alb Marathon Schwäbisch Gmünd 24. Oktober

Diese 7 Läufe hatten im Jahr 2014 insgesamt über 5.000 Finisher. Schade dass davon nur 13 Läuferinnen und 74 Läufer 3 Wertungsläufe gemeistert hatten. Bei der Zwischenwertung 2 von 6 (nach Wörthersee Trail) waren noch 175 Männer und 34 Frauen im Rennen gewesen. Rückblickend auf die 22 Jahre ECU konnte man feststellen, dass viele Größen der Ultramarathon- und Ultraberglaufszene wie Birgit Lennartz, Heidrun Pecker, Isabella Bernhard, Jutta Kolenc, Bärbel Lemme, Marion Braun, Karin Russ, Michael Sommer, Dr. Lutz Aderhold, Ulrich Grallath, Dr. Thomas Miksch, Helmut Schiessl, Jörg Schreiber, Matthias Dippacher, Christian Stork und Carsten Stegner sich mehrfach erfolgreich in den Europacup- Siegerlisten wiederfinden.

Der Organisationsleitung des Sparkassen Alb Marathon Schwäbisch Gmünd wurde die künftige Federführung im ECU übertragen. Den Arbeitsbereich Geschäftsführung ECU übernimmt dabei Karin Kern. Jörg Schreiber wird für die Ranglistenermittlung zuständig sein.
Näheres ist in Bälde auf der Webseite www.europaup-ultramarathon.eu zu ersehen. Dort finden sich dann auch die Links zu den jeweiligen Arbeitsbereichen und natürlich den Partnerläufen.
Es wurde vereinbart auch die ideelle Bedeutung des ECU künftig mehr in den Vordergrund zu stellen.

Die Finisherzahl im ECU soll bald wieder auf über 200 steigen. Spitzenwert war 2005 mit 240 in der Endwertung erreicht worden. Dazu wird die bereits 2014 beschlossene Auszeichnung aller Läuferinnen und Läufer gestärkt, die innerhalb von einem, zwei oder drei Jahren alle ECU-Läufe mindestens einmal gelaufen sind. 2014 hatten es insgesamt 4 Läufer geschafft alle 7 Wertungsläufe im gleichen Jahr erfolgreich zu bewältigen. Sie wurden bei der Siegerehrung in Schwäbisch Gmünd mit einer besonderen Urkunde geehrt. Zum Abschluss der Wertungsläufe 2015 sind dann die Läuferinnen und Läufer zur Ehrung dran die in den Jahren 2014 und 2015 in allen 7 Wertungsläufen ins Ziel kamen.
Für die Serie 2016 des ECU suchen die Partnerläufe noch einen neuen Partnerlauf anstelle des ausscheidenden Rennsteiglaufs. Die Entscheidung darüber soll noch im September fallen damit die neue Serie früh bekannt gemacht werden kann.

Verantwortlich für die Pressemitteilung:
Erich Wenzel, Schweriner Straße 14, 73529 Schwäbisch Gmünd
Tel. 07171/43672 und 0172/6256963
Leiter Orgateam Alb Marathon


Auf dem Postweg von Jena nach Biel
Thüringische Landeszeitung vom 11. November 2010 Nr. 211

Nach der Wiedervereinigung vor 20. Jahren gerieten viele Laufveranstaltungen der ehemaligen DDR in größere wirtschaftliche Schwierigkeiten. Es gab zwei Hauptgründe dafür: 1. Die Teilnehmerzahlen gingen gravierend zurück. 2. Bisherige Organisationsstrukturen, meist in Betriebssportgemeinschaften, die bisher finanziell durch VEB Großbetriebe oder andere Träger unterstützt wurden, mussten sich als Vereine neu organisieren. Der Jenaer Kernberglauf verlor von 1989 bis 1991 mehr als die Hälfte seiner Teilnehmer, ebenso der GutsMuths-Rennsteiglauf. In beiden Fällen sicherten die vielen ehrenamtlichen Helfer und eine Handvoll, ebenfalls ehrenamtlich tätiger Hauptorganisatoren das Überleben der Veranstaltungen. Bei beiden Läufen wurden z. B. kürzere Strecken ins Programm aufgenommen, um neue Zielgruppen zu erschließen. So wurde beim Rennsteiglauf bereits 1991 begonnen den Halbmarathon von Oberhof nach Schmiedefeld zusätzlich mit aufzubauen. Inzwischen hat diese Strecke mit bis zu 7000 Meldungen (2010) mehr Teilnehmer als die beiden Traditionstrecken von Eisenach (ca. 2100 Meldungen) und von Neuhaus (ca. 3200 Meldungen) zusammen. Beim Rennsteiglauf kam hinzu, dass die Werbe- und Marketingstrategie grundlegend verändert wurde. Im Organisationsbüro des Rennsteiglaufes wurden die Arbeitsfelder Öffentlichkeitsarbeit, Wissenschaft und Traditionspflege schon von Beginn an von Vertretern der Jenaer Universität bzw. der Hochschulsportgemeinschaft abgedeckt. Der erste Präsident des neu gegründeten GutsMuths-Rennsteiglauf Vereins wurde durch den USV Jena gestellt. In Jena wurde die Idee des Europacups der Supermarathone entwickelt und die ersten Jahre aktiv begleitet. Der Rennsteiglauf war bis 1989 eine Laufveranstaltung, die nur den Sportler aus der DDR offen stand. Ausländer durften nur starten, wenn sie eine Arbeitserlaubnis in der DDR hatten. Das bedeutete, dass „Ostdeutschlands“ größter Lauf international kaum bekannt war. Da sich die Organisatoren des Rennsteiglaufs auch nach der Wende vom Leichtathletikverband weitestgehend ignoriert fühlten, fragten sie 1991 auch nicht nach, ob man eine europäische Pokalveranstaltung aufbauen dürfe. Als ersten Partner dachten die Rennsteigläufer aus Jena an den traditionsreichsten Ultralangstreckenlauf in Europa, an die „100 km von Biel“ in der Schweiz. Diese Wahl kam nicht von ungefähr. Schon beim Aufbau des Rennsteiglaufs Anfang der 1970er Jahre hatten die Gründer aus Jena über Publikationen, die in der Bibliothek des heutigen Instituts für Sportwissenschaft zugängig waren, Kenntnis von dieser großen Laufveranstaltung. Über seine Funktion in einem Ausschuss der Internationalen Orientierungslauf Föderation hatte ein Assistent entsprechende Unterlagen und eine Adresse aus Biel besorgt. 1975 wurde der Rennsteiglauf öffentlich ausgeschrieben und eine Ausschreibung ging auf dem Postwege von Jena nach Biel. Anfang März 1975, zwei Monate vor dem nach heutiger Zählung III. GutsMuths-Rennsteiglaufes wurde dieser Assistent zu seinem Institutsdirektor bestellt, der ihm zu seiner Verwunderung eröffnete, dass die Jenaer Laufgruppe nicht zum „100 km-Lauf“ in die Schweiz fahren dürfe. Erst eine Woche später konnte er diesen Hinweis zuordnen, als er einen scheinbar ungeöffneten Brief aus der Schweiz erhielt. In diesem bekundete Walter Tschiedel von der „Schweizerischen Veteranen Vereinigung“ Interesse an der Teilnahme am Rennsteiglauf und lud gleichzeitig eine Gruppe von Läufern aus Jena in die Schweiz zum 100km Lauf nach Biel ein. Da ganz offensichtlich die „Stasi“ den Vorgang schon im Visier hatte, haben die Jenaer Rennsteiglauforganisatoren auf weitere offizielle Kontakte zur Schweiz verzichtet. Diese wurden aber 1990 gleich wieder aufgenommen und im Sommer 1991 gab es in Fischen im Allgäu ein erstes Treffen. Hier wurde über gemeinsame Werbemöglichkeiten beraten und die Idee des Europacups diskutiert. Der damalige Gesamtleiter von Biel, Franz Reist, unterstützte das Vorhaben stark und damit nicht nur zwei Läufe in die geplante Wertung kamen, wurde der gerade gegründete Schwäbisch Alb Marathon, der eine knapp 50km lange „Landschaftslaufstrecke“ hatte, mit aufgenommen. Inzwischen ist der Europacup zwanzig Jahre alt und sechs Läufe in Deutschlands, Tschechien, Slowenien, Österreich und der Schweiz tragen mit dazu bei, dass der Rennsteiglauf auch International noch bekannter wird. Dr. H. Kremer
Bildunterschrift: Der Gesamtleiter des 100km-Laufs von Biel, Franz Reist (Bildmitte), 1994 mit einem Informationsstand beim Rennsteiglauf.
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