Ruderer erfolgreiche Hochschulsportler in Jena

Eine alte akademische Sportart


Schon zum dritten Mal in Folge sind in den letzten Jahren Hochschulsportler der Universität im Rudersport erfolgreich gewesen. 2013 wurden Anja Ganzauge, Conrad Guhl, Stefan Ebert und Anica Backhaus Hochschulmeister im Mix-Vierer, 1975 Conrad Guhl und Stefan Ebert Vizehochschulmeister im Doppelzweier und jetzt kamen die beiden letzteren auf einen hervorragenden 5. Platz bei den Europäischen Hochschulmeisterschaften. Zu diesen Meisterschaften waren die beiden Jenaer Masterstudenten Conrad Guhl (Materialwissenschaften) und Stefan Ebert (Soziologie) gekommen, weil der Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverband (adh), ein zusätzliches Startangebot, allerdings auf eigenen Kosten, gemacht hatte. Conrad Guhl und Stefan Ebert fanden mit der Scharnau GmbH einen Sponsor und erhielten einen Zuschuss vom Sportreferat des Studentenrates der Uni um die Kosten des Starts zu finanzieren.
Insgesamt verfügt die Sportart Rudern in der Ehrentafel des Jenaer Unisports bisher „nur“ über 22 Einträge, bei mehr als 1600 Eintragungen also eher wenig. Die Abteilung Rudern selber gehört heute zu den kleinsten im USV und widmet sich vorwiegend dem Wanderrudern. „Akademische Titel“ kommen von Studenten, die der Abteilung nicht angehören.
Rudersport ist eine alte akademische Sportart, die in Jena schon sehr früh nachgewiesen ist. Seit 1912 ist Sportrudern von Studenten belegt, als die Akademische Turnerschaft „Salia“ ihre ersten Sportboote taufte und in Betrieb nahm. Sicher nutzten auch vorher schon Studierende die Boote, die im Bootsschuppen an der Saale eingelagert waren, zum Rudersport. Diese hatte der Begründer der Spielplätze, Hermann Peter, privat finanziert und spätestens 1898 gegen einen kleinen Unkostenbeitrag vor allem den Gymnasiasten seiner Schule zur Verfügung gestellt. Hermann Peter spricht dabei in entsprechenden Zeitungsinseraten ausdrücklich von Sportrudern, um sich von der Nutzung von Ruderkähnen als beliebtes studentisches Freizeitvergnügen abzugrenzen.
Größere Rudererfolge von Jenaer Studenten sind aus den 1930er Jahren bekannt. 1932 gewannen Studenten die Goldmedaille mit dem Vierer bei Deutschen Hochschulmeisterschaften in Berlin-Grünau. Bei den gleichen Meisterschaften gewannen Studentinnen aus Jena die Bronzemedaille ebenfalls mit dem Vierer, obwohl ihnen die Aufhängung eines Ruders kurz vor dem Ziel abgebrochen war. 1935 holten sich Studenten noch einmal Bronze im „Riemengigvierer“.
Nach dem II. Weltkrieg tauchte 1951 bei den DDR-Studentenmeisterschaften ein Lothar Schumacher von der Uni Jena mit einer Goldmedaille im Einer auf, zu dem bisher aber noch keine weiteren Informationen gefunden wurden.
Der wohl erfolgreichste Ruderer in der Unisportgeschichte, war dann der Sportstudent Elmar Anthony mit mehreren Titeln eines DDR-Meisters, der später mit „olympischem Gold“ durch die von ihm trainierten Sportler zu den erfolgreichsten Rudertrainern der DDR wurde. Nach 1990 war er noch viele Jahre in Österreich als Trainer tätig.
Genannt werden sollen auch Thomas Demuth und Herbert Grosswendt, die von Anthony trainiert wurden und als Junioren 1965 im Doppelzweier DDR-Meister wurden. Letzterer ist auch deswegen für den USV von Bedeutung, da er in diesem Jahr zu den wenigen Mitgliedern zählt, die auf 55 Jahre Mitgliedschaft verweisen können.
Die jetzt erfolgreichen Studenten Conrad Guhl und Stefan Ebert trainieren beim Jenaer Kanu- und Ruderverein. Dieser nutzt das Bootshaus am „Burgauer Weg“, welches vor über 80 Jahren erbaut wurde. Der Jenaer Kanu- und Ruderverein verweist auf eine lange Tradition des Wassersports in Jena. Er ist nach 1990 aus der BSG Carl Zeiss hervorgegangen. Gegenwärtig hat er ca. 200 Mitglieder und betreibt als einziger Jenaer Verein besonders im Kinder- und Jugendbereich das Rudern wettkampfmäßig. Durch das Bootshaus steht er in der Traditionslinie des Lehrlings- und Gehilfenvereins e. V. (LGV Jena), der sich 1913 in Jugendverein „Ernst Abbe“ Jena umbenannte. Dieser Verein wurde um 1912 von weitsichtigen „Zeissmanagern“ gegründet, um jugendlichen Mitarbeitern eine sinnvolle Freizeitgestaltung zu garantieren und vielleicht auch, um die Attraktivität des Unternehmens für potenzielle Mitarbeiter zu erhöhen. Ein Fingerzeig für heutige Firmen, die über den Mangel an interessierten Auszubildende klagen. Der LGV Jena wurde 1912 Mitglied des Verbandes Mitteldeutscher Ballspiel-Vereine. In der Saison 1912/13 taucht er erstmals mit einer Fußballmannschaft im Punktspielbetrieb in der 4. Klasse des Gaus Ostthüringen auf, wie der Fußballhistoriker Udo Luy herausgefunden hat. Damit könnte der Jenaer Kanu- und Ruderverein sich als drittältester Sportverein in Jena bezeichnen. 1903 wurde bekanntlich der FC Carl Zeiss gegründet, 1911 hat der USV als Gründungsdatum nachgewiesen und jetzt 1912 der Kanu- und Ruderverein Jena.
Nach dem I. Weltkrieg ist ab 1919 der akademische Rudersport bei den studentischen Verbindungen „Salia“ und Gothania“ belegt. Außerdem hatte der VfB, (heute USV), eine Ruderabteilung. Auch im „Hochschulsport“ (nach heutigem Sprachgebrauch), gab es Rudergruppen. Der erste namentlich bekannte Übungsleiter war der Medizinstudent Rommel um 1932. Zeitweilig waren bis zu 150 Studentinnen und Studenten in den akademischen Rudergruppen eingeschrieben, was aber eine andere Geschichte ist.

Dr. H. Kremer

Die erfolgreichen Goldruderer von 1932 bei der Vorbereitung ihres Bootes an der Regattastrecke Berlin Grünau.

In: Thüringische Landeszeitung 1. Oktober 2015 Nr. 461
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