Schwimmsport in Jena

  Es begann 1903

Die Geschichte des Schwimmsports in Jena beginnt schon Anfang des 19. Jahrhunderts, als durch die Burschenschaften das „Jahnsche Turnen“ salonfähig wurde. Friedrich Ludwig Jahn sah ähnlich wie GutsMuths im Schwimmen eine ganz wichtige und vor allem für das tägliche Leben bedeutungsvolle „sportliche“ Übung. Bereits 1817 hatten die Professoren Georg Kieser und Heinrich Luden im Zusammenhang mit der Errichtung einer Turnanstalt die Einführung des Schwimmunterrichts gefordert. Für 1821 ist überliefert, dass Christoph Naumann, Lehrer der Schwimmkunst aus Halle eine Genehmigung zur Errichtung einer Badeanstalt und der Erteilung von Schwimmunterricht für Studierende in Jena beantragte. Da sich die Universität aber finanziell nicht beteiligen wollte, sprang er wieder ab. Es dauerte bis 1843, dass die „Nutritoren“ der Uni, die Sächsischen Herzöge, dem Zimmermeister Delfaut einen Betrag von 30 Thalern zur Eröffnung einer akademischen Schwimmanstalt bestätigten. Ab 1845 ist belegt, wieviel Studenten ihren Schwimmkurs nicht bezahlt haben, 1847 z.B. 46, so dass man davon ausgehen kann, dass wohl über 100 Studenten pro Jahr die Schwimmkurse besuchten. Als Vereinssport wurde mit der Gründung des Jenaer Turnvereins 1858 das Schwimmen fest eingebunden. Mit der Durchführung eines großen Schwimmfestes im August 1903 in der städtischen Badeanstalt am Eisrechen wurden die Weichen gestellt für die Gründung eines eigenständigen Schwimmvereins. Im Rahmen des Schwimmfestes, welches allerdings unter schlechtem Wetter litt, wurde die Gründung eines Schwimmvereins in Jena angekündigt. Ein Student der Uni, der „cand. phil.“ Hähnel, war der Organisator des Schwimmfestes, zu dem Gäste aus Gera, Leipzig und Breslau gekommen waren. Für den geplanten Verein meldeten sich über 54 Mitglieder, davon neun Damen. Das genaue Gründungsdatum muss noch ermittelt werde. Auf jeden Fall war der Schwimmverein (SV) damit nach dem „FC Karl Zeiss“ der zweitälteste Sportverein in Jena.
Für das III. Nationale Schwimmfest 1906 gibt es ausführliche Berichte. Es waren 23 „Konkurrenzen“ ausgeschrieben und 63 „Konkurrenten“ aus 17 beteiligten Vereinen aus Hamburg, Arnstadt, Naumburg, Charlottenburg, Halberstadt, Berlin, Magdeburg, Hannover, Leipzig und Jena starteten. Den Kopfweitsprung für Junioren gewann Müller-Leipzig mit 24,70 Meter. Das Damenschwimmen gewann Frl. Lobenstein vom SV Jena mit 56 2/5 Sekunden. Das Tellertauchen für Jugendmitglieder gewann Loßmann SV Jena mit acht Teller in 48 Sekunden, die er vom Grund der Saale holte. Des Weiteren gab es Jugendspanischschwimmen, Glockentauchen, Kleiderschwimmen und andere heute unbekannte Wettbewerbe. Beim Jugendspringen bis 14 Jahre gewann Fritz Wiesel vom SV Jena, der in den 1920er Jahren zwei Mal Deutscher Meister vom Dreimeterbrett wurde. Bei diesem Schwimmfest taucht auch ein zweiter Jenaer Schwimmverein unter dem Namen SV Poseidon auf.
Das „Nationale Schwimmfest“ fand bis zum ersten Weltkrieg jährlich statt. Ab 1919 wurde dann ein „Deutschvölkisches Schwimmfest“ der Schwimmabteilung des Vereins für Bewegungsspiele (VfB, heute USV) aus der Taufe gehoben. Insgesamt waren zur Erstauflage 37 Schwimmvereine und 10 Damen-Schwimmvereine aus ganz Deutschland gemeldet. Die Leitung hatten Oskar Leonhardt, damals der 1. Vorsitzender des VfB und Paul Biehle. 1920 wurde Dr. jur. Oskar Leonhard Vorsitzender des Gaus Jena des Thüringer Schwimmverbandes. 1920 war er Ehrenvorsitzender des VfB, Vorsitzender des Gaus Ostthüringen des Verbandes Mitteldeutscher-Ballspiel-Vereine und des Gaus 3 im Kreis VIII des Deutschen Schwimmverbandes. Sportlich war er in der Wasserballmannschaft des VfB aktiv.
Nach 1919 bekam das Schwimmen als Sportart ständig weiteren Zulauf, wozu auch die Nutzung des Schleichersees beitrug. Fast alle Sport- und Turnvereine hatten eigene Schwimmabteilungen ebenso wie nach 1945 und der Gründung von Betriebssportgemeinschaften.
Durch ihr Sportstudium kam die bereits sehr erfolgreiche Schwimmerin Jutta Langenau aus Erfurt nach Jena. Sie gewann 1954 den ersten Europameistertitel überhaupt für die DDR. Schon vorher hatte sie bei „Weltspielen“ der Studenten 1951 in Berlin und 1953 in Bukarest Goldmedaillen für die Jenaer Uni „eingefahren“.
Trotz Ausbau des Schleichersees mit einer 50-Meter-Bahn, Neubau des Ostbades und der Volksschwimmhalle in Neulobeda, litt Jena immer unter dem Mangel an Schwimmzeiten. Schwimmabteilungen der BSG’n stritten sich regelmäßig um die wenigen Zeiten. Nach 1990 blieben noch vier Vereine in Jena übrig, die den Schwimmsport pflegen, die SG Pädagogik, der SV Schott, der USV Jena und die WSG Lobeda. Letzterer Verein ist der aktivste im Kinder-, und Jugend- und Masterbereich bei Schwimmwettkämpfen. Regelmäßig findet man aber Jenaer Schwimmer, die keinem Verein angehören, bei offenen Schwimmwettkämpfen. Besonders beliebt sind Langstreckenfreiwasserwettkämpfe. Bei dem legendären „Schwimmen um das blaue Band“ vom Hohewarte Stausee konnte Susanne Brandes in diesem Jahr (WSG) einen guten dritten Platz über 2000 Meter „erschwimmen“. Brigitte Prahn, eine der regelmäßigen Schwimmerinnen im Schleichersee, gewann dieses Langstreckenschwimmen in ihrer Altersklasse. Das bemerkenswerte ist nicht nur ihr Alter, sie wurde kürzlich 75, sondern die Tatsache, dass sie durch einen Zufall erst vor einigen Jahren den Weg zum Schwimmen fand. Die ehemalige Schulschwimmlehrerin Gertje Dern gewann sie für ein regelmäßiges Schwimmtraining im Schleichersee.

Dr. H. Kremer

Veröffentlicht in: Thüringische Landeszeitung 13. August 2015 Nr. 454
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