Spiel mit dem Tempo

Marike Wegener (18) gilt als Thüringens größtes Fecht­talent.
 
Die aus Nordhausen stammende Marike Wegener führt das Florett für den Fechtsportclub Jena.
Jena: Sportgymnasium | Marike Wegener hat sich mit dem Florett an ­die deutsche Spitze gefochten. Im Landesleistungszentrum Jena trainiert die 18-Jährige für ihren großen Traum: Olympia 2020.

Stück für Stück pellt sich ­Marike Wegener aus ihrer Fechtmontur. Maske, Handschuh, Weste, Jacke und Hose – allein die Vorstellung, das alles am Körper zu tragen, bringt beim Zuschauen ins Schwitzen. „Im Wettkampf steigt unsere Körpertemperatur unter den Sachen bis auf 40 Grad“, sagt die 18-Jährige, als ob es das Normalste wäre. Sie ist es gewohnt. Jetzt aber hat sie erst einmal Pause. Zeit für ein Gespräch in der Fechthalle des Jenaer Sportgymnasiums.

Marike Wegener gilt als Thüringens größtes Fecht­talent. Die Deutsche Vizemeisterin der A-Jugend im Florett und Deutsche Meisterin mit der Mannschaft im Jahr 2009 ist drauf und dran, sich auch im Junio­renbereich an der Spitze zu etablieren. Trainer Wolfgang Bohn, zugleich Präsident des Thüringer Fechtverbandes, ist bester Dinge: „Im Moment steht Marike auf Platz 9 der deutschen Junioren-Rangliste im Damenflorett. Sie hat noch zwei Fechtsaisons als Juniorin vor sich, ist willensstark und hochmotiviert.“
Marikes Waffe ist das Florett. Anders als beim Degenfechten, bei dem Treffer am gesamten Körper zählen, muss der Florett-Stich den Rumpf treffen. „Leichtes Antippen reicht nicht. Erst bei einem Druck von mindestens 500 Gramm wird die elektronische Trefferanzeige ausgelöst“, erklärt die aus Nordhausen stammende Sportlerin.

Aus Neugier hatte sie sich in der 1. Klasse für die Sport-Arbeitsgemeinschaft Fechten angemeldet – und war im Handumdrehen begeistert. Mit 11 Jahren wechselte sie von Nordhausen nach Jena ans Sportgymnasium. Hier sind Stundenplan und Trainingspensum exakt aufeinander abgestimmt. Denn selbst bei einem großen Talent drücken die Lehrer kein Auge zu. ­Marikes Schulnoten stimmen. „Sonst könnte ich nicht so oft zu Wettkämpfen fahren. Und auch meine Eltern wären wohl nicht einverstanden.“ Im kommenden Jahr steht das Abitur an.

Drei Minuten dauert ein Fecht-Duell auf der Bahn. Für die Fechterin heißt das: Drei Minuten in Bewegung und unter Körperspannung bleiben und in Sekundenbruchteilen auf Aktionen des Gegners reagieren. „Wichtig sind Schnelligkeit und taktisches Denken. Aber auch Zweikampfhärte – jene sportliche Aggressivität, die man auf die Bahn bringen muss“, sagt Wolfgang Bohn und bescheinigt Marike alle drei Eigenschaften. Und wo sieht sie selbst ihre Stärke? „Ich gebe nie auf, egal wie der Trefferstand ist.“

Seit August gehört Marike zum C-Kader des Deutschen Fechtverbandes, absolviert mehrmals im Jahr Lehrgänge im Bundesleistungszentrum in Tauberbischofsheim. „Einmal bei Olympia das Florett führen, vielleicht 2020 – das wär's.“ Internationaler Konkurrenz steht sie jedoch auch schon an diesem Wochenende gegenüber: beim Junioren-Weltcup in Bochum. Marikes Ziel: „Eine Platzierung im ersten Drittel“. Dafür bringt sie sicher auch manchen Kokurrenten ins Schwitzen.

Hintergrund:

• Der Thüringer Fechtverband (TFB) zählt 13 Vereine mit insgesamt 650 Fechtern. Vorsitzender ist ­Wolfgang Bohn, E-Mail: bohn.fechten@t-online.de.

• Im Freistaat gibt es sechs Talentleistungszentren: Erfurt, Weimar, Jena, Altenburg, Weida und Mühlhausen/Nordhausen sowie das Landesleistungszentrum in Jena.

• Drei Waffen finden im Fechtsport Anwendung: Florett, Degen und Säbel. Die drei Fechtdisziplinen unterscheiden sich hinsichtlich des Reglements und der gültigen Trefferfläche. Infos: Deutscher Fechterbund, www.fechten.org

• Kontaktdaten zu Fechtvereinen und Infos: http://www.thueringen-fechtverband.de/
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