Sporthistorischer Beitrag zur Geschichte des Jena Universitätssports

  Wenn Sport und Sportler ausgezeichnet werden
Thüringische Landeszeitung vom 5.7.2017 Nr. 544

Im vergangenen Jahr erhielt der USV Jena für seine „Initiative Welcome Unisport“ den „Goldenen Stern des Sports“, eine Auszeichnung für die Sieger eines Wettbewerbes, den die Volksbanken-Raiffeisenbanken und der Deutschen Olympischen Sportbund jährlich ausschreiben. Welche Auszeichnungen wurden bisher an den Unisport bzw. Unisportfunktionäre übergeben. Dabei geht es nicht um Auszeichnungen bei sportlichen Wettbewerben. Die können in der gedruckten „Ehrentafel des Universitätssports“ nachgesehen werden.
Die vier sächsischen Herzogtümer waren bis 1918 die Erhalter der Universität. Von Sachsen-Coburg-Gotha ist für 1903 ein Staatspreis bekannt, der für sportliche Leistungen ausgegeben wurde. Erstmals erfolgte dies bei den „Meisterschaften von Thüringen im Radsport, Fußball, Wett- und Stafetten-Laufen“, wo die Gaumeister im Mannschaftsfahren über 31Kilometer den Preis erhielten. Der Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach nutzte seine „Hausorden“, um verdiente Sportfunktionäre zu ehren. Der Begründer des modernen Sports in Jena, Hermann Peter, erhielt 1914 das „Herzoglich- Sächsischen Verdienstkreuz“.
Die Turn- und Sportvereine zeichneten schon vor dem I. Weltkrieg verdienstvolle Mitglieder mit Ehrenadeln bzw. einer Ehrenmitgliedschaft aus. Das prominenteste Ehrenmitglied des Vereins für Bewegungsspiele Jena (VfB, heute USV) ist der 1912 ausgezeichnete Carl Diem, der u. a. als Miterfinder des Sportabzeichens und des olympischen Fackellaufs gilt. Die Universität hatte 1914 eine eigene Sportmedaille geschaffen, die es auch für verdiente Funktionäre gab. Der Kurator Max Vollert bekam sie 1914 für die Unterstützung des 1. Universitäts- Turn- und Sportfestes.
Nach dem I. Weltkrieg, ab 1918, hatte das Land Thüringen eine eigenständige Sportauszeichnung, die „Staatsmedaille für Höchstleistungen auf dem Gebiet der Leibesübungen“. 1925 wurde diese an den Akademischen Turnbund „Gothania Jenensis“ und 1926 an die „Akademische Turnerschaft Salia“ vergeben. Auch der Leiter des studentischen Sportamtes, heute würde man Sportreferat sagen, Oskar Brunken, bekam diese Medaille (1932).
Nach dem II. Weltkrieg, und mit der Gründung der DDR-Sportgemeinschaftsstrukturen wurden einige Auszeichnungsformen übernommen, so die Auszeichnung mit Ehrennadeln. Es wurden aber auch spezielle Formen entwickelt, die meist an politisch geprägte Wettbewerbe und Aktionen gebunden waren. Die älteste Auszeichnung, die die Hochschulsportgemeinschaft (HSG, Rechtsvorläufer des USV) bekam, war die 1950 ausgegebene Ehrenurkunde für „gute Leistungen anlässlich des ersten Jahrestages im „Max-Reimann-Aufgebot““. In der Folge entwickelten vor allem die Sportverbände und der Deutsche Turn- und Sportbund (DTSB) ein breit gefächertes Auszeichnungssystem. Für Spitzenleistungen gab es für Sportler und Funktionäre Orden aus der umfangreichen Ordenspalette der DDR, die im Gegensatz zu den Sportauszeichnungen meist mit Geldprämien verbunden waren. So bekam 1980 ein Kollektiv von Mitarbeitern der Sektion Sportwissenschaft, das in der Leistungssportforschung tätig war, den Orden „Banner der Arbeit“, was zu Verwerfungen unter den Mitarbeitern führte, da der führende Prof. Gutewort nicht berücksichtigt wurde.
Mindestens acht Mal wurde die HSG als „Vorbildliche Sportgemeinschaft des DTSB der DDR“ ausgezeichnet. Dieser Titel wurde jährlich vergeben. Als Kriterien für die Auszeichnung galt eine positive Mitgliederentwicklung. 1979 rechnete die HSG 1765 Mitglieder, 102 Übungsleiter und über 200 Kampfrichter in 20 Sektionen ab. Jedes Jahr bekamen bis zu 10 Funktionäre und Übungsleiter der HSG auf Antrag des Vorstandes Ehrenadeln des DTSB in den Stufen Gold, Silber und Bronze. Nach der politischen Wende stiftete der neu gegründete Landessportbund verschiedene Auszeichnungen. Als Einzelauszeichnung gibt es die GutsMuths-Plakette, die allerdings bisher, im Vergleich zur Größe des Vereins, an nur wenige ehrenamtliche Funktionäre des USV vergeben wurde. Als Gesamtverein erhielt nach bisherigem Kenntnisstand der USV nur einmal, in den 1990er Jahren, eine Auszeichnung des Landessportbundes, die Plakette für Verdienste um die Entwicklung des Sports. Die Vereins-Jubiläumsplakette (100 Jahre USV) steht seit sechs Jahren noch aus.
Der Verein entwickelte besonders unter der Präsidentschaft von Prof. Karl Ulrich Meyn eigene Auszeichnungen. Er stiftete persönlich einen Ehrenpokal für den verdienstvollsten Sportfunktionär des Jahres. Er besann sich dabei vielleicht auf eine Stiftung aus dem Jahre 1926, als der Rektor Prof. Alexander Gutbier eine Medaille mit dem Bildnis Jahns am rot-weißen Bande mit Widmung für die Leistungen bei der Organisation von Hochschulwettkämpfen übergab. In der Amtszeit von Prof. Rolf Steyer und Prof. Andreas Freytag wurde die Ehrenadel für 25- und 50jährige Mitgliedschaft kreiert.
Die Uni Jena und der USV bekamen sogar zwei internationale Auszeichnungen. 2000 überreichte die Internationale Studentensportorganisation FISU eine Ehrenplakette für die Organisation der Weltmeisterschaften im Crosslauf in Jena. Bereits 1990 bekam der USV die wohl höchste internationale Sportauszeichnung, die ein Verein in Deutschland bekam, den UNESCO-Preises für besondere Verdienste bei der Entwicklung des Breitensports. Dieser Preis wurde an die Organisatoren des GutsMuths-Rennsteiglaufs verliehen, dem der USV Jena e. V. damals federführend angehörte.
Dr. Hans-Georg Kremer
Bildunterschrift: Vom kürzlich verstorbenen Medailleur Helmut König aus Zella-Mehlis wurde aus Anlass der Verleihung des UNESCO-Preises eine Silbermedaille geschnitten, die aber nie als Serie aufgelegt wurde.

In: Thüringische Landeszeitung vom 5.7.2017 Nr. 544
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