Studentische Laufbewegung an der Uni Jena

Eine Jenaer Erfolgsgeschichte

Als im Herbst 1975 die Rennsteiglauftrainingsgruppe bei der Hochschulsportgemeinschaft Jena (HSG, heute USV) gegründet wurde, waren die Teilnehmer im Durchschnitt Mitte Dreißig Jahre alt und männlich. In den folgenden Jahren wuchs die Gruppe auf über 40 Mitglieder, darunter auch einige Frauen. Der Altersdurchschnitt wurde immer höher und liegt heute deutlich über 50. Die etwa zeitgleich gegründeten Laufgruppen im Studentensport der Universität brachten für die Mitgliedschaft in der HSG kaum „Nachwuchs“. Fest organisiert in sogenannten Blockzeiten, die nach Studienjahr und Studienrichtung organisiert waren, konzentrierte sich das Training auf Vor- und Nachmittagsstunden. Einem Wechseln zur HSG gab es nur im Einzelfalle bei sehr wettkampforientierten Studenten. Einige Absolventen der Uni schafften nach Abschluss des Studiums den Anschluss an die Trainingsgruppe der HSG. Der Zahnmediziner Ullrich Sauerstein, der Mathematiker Heinz-Olaf Müller und der Sportlehrer Jens Wötzel können hier genannt werden. Generell drohte der Laufgruppe aber eine Überalterung bzw. eine Stagnation der Mitgliederzahl, weswegen 1984 vom Sektionsleiter Rolf Schoder das Kursmodell der BSG Wismut Gera übernommen wurde und sehr erfolgreich Anfängerlaufkurse angeboten wurden. Jens Wötzel und Ekkehard Gläser sowie die Sportmediziner Jochen Scheibe, Mechthild Dietel und Johanna Hübscher unterstützten die Aktion. Die Kurse brachten zwar keine Verjüngung des Altersdurchschnitts aber dafür einen regelmäßigen Mitgliederzuwachs.
Im Studentensport waren bis 1990 eine ganze Reihe von Sportlehrern, angefangen bei Manfred Rosemann, Alfred Wehner und Betina Justus bis hin zu Klaus Günther und Hans-Georg Kremer mit Studenten in den Kernbergen unterwegs. Mit eigenen Läufen, Ende der 1980er Jahre sogar mit Thüringer Studentenmeisterschaften, war es zumindest gelungen den Studierenden Lauf-Wettkämpfe anzubieten. Mit der politischen Wende 1989/90 und der Umstrukturierung des Pflichtsports in den freiwilligen Hochschulsport versuchten mehrere Mitarbeiter weitere Sportangebote im Ausdauerlauf anzubieten. Nach anfänglicher Zurückhaltung gelang es zwei Gruppen, jeweils am Dienstag und Donnerstag zu Trainingszeiten zu organisieren, an denen die Abteilung Ausdauerlauf des 1990 gegründeten USV Jena e. V. ebenfalls ihren Lauftreff durchführte. Auch jetzt gab es die Möglichkeit, dass Studierende den Weg zum USV fanden. Die Mehrzahl der Studentinnen und Studenten blieb aber lieber in ihren Gruppen und den relativ unverbindlichen semestrigen Anmeldeform des Hochschulsports. Durch die Gewinnung von studentischen Übungsleitern für solche Gruppen konnten zeitweilig die Anmeldezahlen bis auf 40 pro Semester gesteigert werden. Im Rückblick war hierbei der „erfolgreichste“ Übungsleiter der Sportstudent Patrick Göbel. Eine zweite Gruppe konnte eine gute Durchmischung von USV-Mitgliedern und Studierenden erreichen. Sie konzentrierte sich auf die Teilnahme am GutsMuths-Rennsteiglauf. Da sich ein Interesse an der Nutzung der Sauna im Universitätssportzentrum nach dem Training zeigte, wurde im Hochschulsport dazu bereits 1990 die Gruppe Laufen/Sauna Angebot angeboten. Diese Gruppe gehörte organisatorisch der Abteilung Breitensport des USV an. Anfang 2000 waren hier zunehmend wettkampforientierte Studierende und junge Nachwuchswissenschaftler aber auch „Nichtuniangehörige“ organisiert.
Der wiederaufgenommenen Tradition einer eigenständigen Studentenwertung beim Rennsteiglauf und beim Jenaer Kernberglauf ist es zu verdanken, dass die Zahl der Wettkampfteilnahmen aus der Gruppe ständig wuchs und auch Starts bei anderen Läufen, wie den Paarläufen von Timo Jahn oder dem Weimarer-Stadtlauf fest zum Jahresplan gehörte.
Besonders erfolgreich waren die Studentinnen, die sich nach 2000 um Jana Fischer und Doreen Ullrich scharten. Siege in der Studentenwertung und Medaillen-Plätze beim Rennsteiglauf waren die größten Erfolge. Doreen Ulrich wurde für Ihre sportlichen Erfolge sogar vom Rektor ausgezeichnet. Im Wettbewerb um die Hochschule mit den meisten Startern beim GutsMuths-Rennsteiglauf konnte die Uni Jena bis heute immer den ersten Platz erringen, wenn auch die TU Ilmenau langsam deutliche Konkurrenz macht. 2016 starteten 61 Studentinnen und Studenten von der Uni Jena und 41 von der TU Ilmenau beim Rennsteiglauf. Nach Fertigstellung der USV-Sporthalle zog die Trainingsgruppe in diese um. Durch eine Strukturänderung beim USV kam ein Teil der Gruppe zur Abteilung Fitness-Gesundheitssport. Die Spaltung wirkte sich im Training nicht aus. Dass sie im Kern erhalten blieb, ist ganz entscheidend der unermüdlichen Tätigkeit von Doreen Ullrich und ihrem Mann Ronny Weiß als Übungsleiter zuzuschreiben. Egal in welcher Phase ihres Medizinstudiums, während der Promotion und der Tätigkeit als Assistenzärztin ließ Doreen Ullrich fast keine Trainingszeit aus. Im Ehrenamt, häufig verzichtend auf die übliche Honorierung im Hochschulsport und ohne Übungsleiteranerkennung durch die Abteilung waren sie und Ronny die guten Seelen der Gruppe. Schwangerschaft und Betreuung von inzwischen zwei kleinen Kindern brachten nur wenige Unterbrechungen ihres Engagements mit sich. Ihr Vorbild, dass man auch als junge Eltern den Anschluss an die Sportgruppe nicht abreißen lassen muss, bewirkte, dass inzwischen acht Kleinkinder von Gruppenmitgliedern gezählt werden können und die Eltern mehr oder weniger regelmäßig zum Training kommen.

Dr. H. Kremer

Bildunterschrift: Ronny Weiß (li.) und Doreen Ullrich 2014 mit Babyjogger auf der 35-Kilometerstrecke beim Rennsteiglauf, hier an der Verpflegungsstelle Ebertswiese.

In: Thüringische Landeszeitung vom 10. Mai 2017 Nr. 537 leicht korrigiert.
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