Über die Erfolgsgeschichte der "Stiftung Jenaer Universitätssport"

  Einfach flexibler

Stiftungen fristeten bis 1990 zu DDR-Zeiten ein Schattendasein, wenn auch gerade in Jena mit der Ernst-Abbe-Stiftung eine sehr große Stiftung aus der Zeit vor dem I. Weltkrieg erhalten geblieben war. Neugründungen aus dieser Zeit sind so gut wie unbekannt und das Stiftungskapital, wie bei der Wilhelm-Härdrich-Stiftung, wurde z. T. für andere Zwecke veräußert. Dass heute Thüringen zu den Bundesländern zählt, das über eine reiche Stiftungslandschaft verfügt, ist dem Juristen der Jenaer Uni Prof. Dr. Olaf Werner zu verdanken, der sogar 2009 mit dem Ernst-Abbe-Institut für Stiftungswesen eine feste Einrichtung für Stiftungsfragen schuf. Prof. Werner war auch beratend bei der Gründung der Stiftung Jenaer Universitätssport beteiligt, die jetzt auf fünf Jahre erfolgreiche Tätigkeit unter Leitung der Vorsitzenden Prof. Dr. Andreas Freytag und Prof. Dr. Volker Gast zurückblicken kann. Die Gründung wurde 2008 im Zusammenhang mit dem Bau der USV-Sporthalle durch Thüringens größten Mehrspartenverein „angeschoben“. Auf der Delegiertenversammlung im Januar 2008 beauftragten die Mitglieder des Vereins ihren Vorstand, die Grundlagen für eine Stiftung zu schaffen, in die dann die USV-Sporthalle überführt werden sollte. Das wiedergewählte USV-Präsidium mit dem Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. A. Freytag als Präsidenten an der Spitze, übernahm diesen Auftrag.
Investitionen von über acht Millionen Euro hatte der USV bis dahin in den Ausbau der universitären Sportstätteninfrastruktur getätigt. Um diese geschaffene materielle und technische Basis des Vereins langfristig und über amtierende Personen hinaus zu erhalten, sollten diese Sportstätten des USV Jena schrittweise in die Stiftung überführt. Der Vorstand und die meisten Mitglieder waren davon überzeugt, dass dies der richtige Schritt sei, um das Vereinsvermögen auf lange Sicht zu sichern. Auf einer weiteren Delegiertenversammlung im Dezember 2008 wurde daher den Delegierten die mit Prof. Werners und dem Uni-Rechtsamt entworfene Stiftungssatzung zur Diskussion vorgelegt. Die Delegierten stellten zahlreiche kritische und tiefgründige Fragen und gaben wertvolle Anregungen. Nach einer knapp 60-minütigen konstruktiven Diskussion wurde der Satzungsentwurf der „Stiftung Jenaer Universitätssport“ mit 33 Ja-Stimmen bei sechs Enthaltungen angenommen. Formale Abstimmungen mit der Aufsichtsbehörde und den zuständigen Ministerien im Freistaat Thüringen führten dazu, dass erst im August 2009 im Senatssaal der Friedrich-Schiller-Universität vom Kanzler der Universität, Dr. Klaus Bartholmé und dem damaligen Präsidenten des USV Jena, Prof. Dr. Andreas Freytag, in Anwesenheit weiterer Kuratoriums- und Vorstandsmitglieder die Gründung der Stiftung des Jenaer Universitätssports offiziell vollzogen werden konnte.
Als Zweck der gemeinnützigen öffentlich rechtlich anerkannten Stiftung wurden u. a. die Förderung von Sportwissenschaft, von Gesundheit und Ausbildung der Studenten, der Mitgliederentwicklung, der Traditionspflege und vieles andere an der Uni und der ihr nahe stehenden Institutionen und Vereine als Förderaufgaben festgelegt. Dazu gehörte auch der Erhalt und Ausbau der Sportanlagen. „Die Universität stellt ihre Sportanlagen gerne auch dem USV zur Verfügung, kann aber die steigenden Aufwendungen und die zusätzlichen Bedürfnisse aus eigenen Mitteln nicht mehr stemmen“, sagte der Uni-Kanzler. Mit der breit angelegten Stiftungssatzung sollte im Sinne des „Jenaer Modells des Universitätssports“ eine Klammer um die wichtigsten Träger des Sports, das Institut für Sportwissenschaft, den Hochschulsport und den USV gezogen werden. „Die neue Stiftung schafft uns mehr Flexibilität und ermöglicht wirtschaftlicheres Agieren“, war Freytag überzeugt und verwies auf die „Erfahrungen, die wir beim Bau unserer neuen USV-Halle gemacht haben“ erläutert USV-Präsident Prof. Freytag, der gleichzeitig pro Amt Gründungsvorsitzender der Stiftung wurde.
Das für die Gründung nötige Stammkapital wurde vom Stifter, dem USV in Höhe von 35.000,00 € in die Stiftung eingebracht, welches von Einzelstiftern und nicht aus Mitgliedsbeiträgen vom Förderkreis des USV zusammengetragen wurde. Des Weiteren überführte der USV die vereinseigene „USV Sport Service GmbH“ ins Stiftungskapital. Diese GmbH war bei ihrer Gründung durch Beschlüsse der Delegiertenversammlung und in der Finanzordnung verankert, mit allen Vermarktungsrechten des USV ausgestattet, damit sie zukünftig für den Verein und die Stiftung „Geld verdienen“ kann.
Es dauerte dann noch bis 2010, bis alle Genehmigungen zur Geschäftstätigkeit vom Freistaat Thüringen vorlagen. Jetzt nach fünf Jahren Tätigkeit kann die Stiftung auf eine sehr positive Bilanz blicken. So wurde das Stiftungskapital auf fast 80.000,00 € mehr als verdoppelt. Dank der sehr guten Arbeit der GmbH konnten außer Lohngeldern noch Spenden an Verein und Stiftung in Höhe von über 20.000,00 € abgeführt werden. Insgesamt bekam die Stiftung 114.317,00 € an Spenden und Zustiftungen. 23 verschiedene Projekte wurden mit fast 47.000,00 € gefördert. Drei Treuhandstiftungen – Wolfgang-Gutewort-Preis für sportwissenschaftliche Nachwuchsarbeiten, Seniorensportstiftung und Spitzberg-/Rennsteiglaufstiftung – haben sich der Stiftung Jenaer Universitätssport unterstellt.

Dr. H. Kremer

Bildunterschrift: Gründungakt der Stiftung Jenaer Universitätssport 2009 im Senatssaal der Friedrich-Schiller-Universität v. l. die Gründer der Stiftung: Dr. R. Schmidt-Röh, Prof. Dr. O. Werner, Prof. Dr. A. Freytag, Kay Pfennighaus, Dr. K. Bartholmé, Dr. B. Justus, Prof. Dr. H. Gabriel, Dr. H.-G. Kremer, U. Zimmer, J. Liebald, Dr. A. Altmann.

In: Thüringische Landeszeitung vom 21. Januar 2016 Nr. 475
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