Über Hermann Peter und Hermann Eitel

Für 800 Mark pro Jahr

In mehreren Beiträgen in unserer Serie wurde auf die wichtige Rolle eingegangen, die der Gymnasial-Turnlehrer Hermann Peter für die Entwicklung des modernen Jenaer Sports gespielt hat. Er ist der „Vater“ der Sportanlagen in der Oberaue, der zu Recht 2016 sein schon vor 100 Jahren versprochenes Denkmal erhalten soll. Hermann Peter kann außerdem als Geburtshelfer des Jenaer Fußballs angesehen werden. Darüber hinaus war er der erste „Sportkoordinator“ für den akademischen Sport, da er u. a. den studentischen Verbindungen und Sportgruppen der Uni einen regelmäßigen Trainingsbetrieb ermöglichte. Ohne Hermann Peter hätte es sowohl den Rudersport, das Tennisspiel, Hockey und die Leichtathletik zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Jena nicht gegeben. Der FC Carl Zeiss, der SV Carl Zeiss und vor allem der USV würden ohne Hermann Peter nicht existieren.
1913 stellte Hermann Peter an die „Spielplatzgenossenschaft“, den Antrag, dass die Plätze der Universität zum Kauf angeboten werden sollten. Zu den Hintergründen musste lange Zeit spekuliert werden, da die Quellenlage eher spärlich ist. Bekannt ist, dass Hermann Peter zu diesem Zeitpunkt eine schwere und langwierige Krankheit hatte, die sogar dazu führte, dass er als Gymnasiallehrer in den Ruhestand versetzt wurde. Ein zweiter Grund könnte sein, dass offensichtlich ein Teil der seit 1903 entstandenen Fußball- und Sportvereine versuchte, die Verfügungsgewalt über die Plätze in der Oberaue zu bekommen. Als drittes könnte auch ein Motiv gewesen sein, dass Hermann Peter mit nicht unerheblichen Geldmitteln (8.000 „Goldmark“) an dem Aufbau der Plätze privat beteiligt war, die bei einem Verkauf zurückgezahlt würden. Vielleicht war er auch einfach nach 20 Jahren ehrenamtlicher Arbeit für den Sport in Jena müde und sah keinen Nachfolger für seine Tätigkeit und auch keine Fortsetzung seines Erbes.
Neueste Recherchen im Universitätsarchiv belegen einen weiteren wesentlichen Faktor: Bereits Ende Juli 1913 taucht in den Akten ein Konferenzbeschluss auf, indem sich Vertreter der Universität positiv zu einem Kauf der Plätze des Spielplatzvereins in der Oberaue äußerten. Der Kurator Max Vollert erhielt den Auftrag mit Hermann Peter entsprechende Verhandlungen fortzusetzen. Ziel wäre, dass die Universität die Plätze nicht selber, sondern ein Verein oder eine Genossenschaft die Betreibung übernähme. Anfang September stimmt das Großherzogliche Departement für Kultus in Weimar, vergleichbar mit einem heutigen Kultusministerium, den Ergebnissen der Verhandlungen zu, einschließlich der Anstellung von Hermann Peter für 800,- Mark pro Jahr als Verwalter. Über mehrere Entwürfe wurde ein Kaufvertrag immer weiter präzisiert. Hermann Peter als Stellvertretender Vorsitzender der „Spielplatzgenossenschaft“ und Gustav Netz als „Schatzmeister“ versandten auch im Namen des abwesenden Vorsitzenden Prof. Dr. Ludwig Knorr Anfang Oktober 1913 einen vertraulichen Brief an die 90 Mitglieder der Genossenschaft, in dem sie ausführlich begründeten, warum sich die Genossenschaft auflösen sollte und die bis dahin erworbenen Spielplätze in der Größe von fast acht Hektar an die Universität verkauft werden sollten. Neu ist das Argument, welches bisher nicht bekannt war, dass die Universität ein Gelände zum Bau einer Turnhalle suche und die Verbindung zwischen den Spielplätzen und einer zu bauenden Halle für alle Nutzer der Sportstätten von großem Vorteile wäre. Die Halle wurde dann nicht gebaut, u. a. weil von der Stadtverwaltung in Person des I. Bürgermeisters Dr. Fuchs Bedenken geäußert wurden, die sich auf das regelmäßige Saalehochwasser bezogen, eine Privatisierung des Saaleufers für bedenklich hielten und einen Wasserkraftwerkbau in der Höhe der Rasenmühle dadurch nicht gefährdet werden dürfte. 90 Jahre später entstand dann eine Halle in der geplanten Größe. Nach 2000 wurde diese vom USV Jena unter der Leitung des damaligen Präsidenten Karl-Ulrich Meyn und dem ehrenamtlichen Geschäftsführer Wilhelm Tell gegen viele Widerstände und in Eigenfinanzierung mit Hilfe der Universität realisiert. Diese Halle, auch Dojo genannt, nutzen heute hunderte Kampfsportlern und viele Hochschulsportkurse.
Zurück zu Hermann Peter: In dem vertraulichen Schreiben an die Genossenschafter wurden diese zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung für den 8. November 1913 um 8.00 Uhr abends in die Sonne eingeladen. Da nur 53 Mitglieder erschienen, war die Versammlung satzungsgemäß nicht berechtigt über die Auflösung zu beschließen. Die erfolgte Zweiteinladung, bei der die Zahl der Anwesenden als 100% zählte, brachte dann eine Zustimmung zum vorliegenden Kaufvertrag der unter anderem im §7 vorsah, dass die Universität die Aufgaben des Vereins zur Förderung der Turn- und Bewegungsspiele übernehmen würde. Die Kaufsumme war auf 53.000 Goldmark festgelegt, womit die Universität alle Aktiva und Passiva der Genossenschaft übernahm. Hermann Peter (8000,-) und der Gymnasiallehrer a. D. Max Walterhöfer (7.600,-) bekamen ihre Privatdarlehen zurückgezahlt und die Genossen ihre Anteile. Hermann Peter wurde als honorierter Verwalter eingesetzt. Die Bezahlung des Platzes erfolgte über einen Kredit von der städtischen Brauerei, der durch Nutzungsendgelte abgezahlt wurde. Etwa zur gleichen Zeit gab es eine Ausschreibung für die Stelle eines Universitäts- Turn- und Sportlehrers, die im Frühjahr mit Hermann Eitel besetzt wird. Dies ist aber die nächste Geschichte.

Dr. H. Kremer

Bildunterschrift: Eines der ältesten bisher gefundenen Fotos von Eitel stammt vom Uni-Sportfest 1924 oder 25, ganz links vor den angetretenen Teilnehmern.

In: Thüringische Landeszeitung vom11. Februar 2016 Nr. 478
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