Universität Jena organisiert Vollversammlung des adh

Vollversammlung in Jena

Vor zwei Wochen fand, kaum bemerkt von Jenas Öffentlichkeit, die Jahrestagung eines der größten Sportverbände der BRD in Jena statt. Der Allgemeine Deutsche Hochschulsportverband (adh) hatte zu seiner 110. Vollversammlung nach Jena eingeladen. Das ist das zweite Mal, dass der Hochschulsport der Uni Jena den Zuschlag als Ausrichter für diese bedeutende Versammlung bekam. Bereits 1996 hatte der Jenaer Hochschulsport die Ehre, die Vollversammlung auszurichten. Damals wurde sie im Sporthotel Oberhof durchgeführt, was bei der Zahl der Mitglieder noch möglich war. Heute hat der adh 190 Mitgliedshochschulen, die jeweils „paritätisch“ durch einen hauptamtlichen Vertreter der Hochschule und einen studentischen Sportverantwortlichen, meist den Sportreferenten oder die Sportreferentin vertreten werden. Wenn alle zur Vollversammlung kämen, könnten dies fast 400 Personen werden. Da ist das Oberhofer Sporthotel überfordert. Es kamen 2015 zwar nicht alle adh-Mitglieder, aber um die 130 Hochschulen waren vertreten. Das Team um die Hochschulsportchefin Dr. Andrea Altmann hatte alles gut im Griff. Außer den rein organisatorischen ging es inhaltlich um einige Grundsatzfragen des Verbandes, der immerhin für die Sportangebote an rund 2,4 Millionen Studierende und 550.000 Beschäftigten im Hochschulbereich der BRD zuständig ist. Wenn so wie in Jena um die 30% der Studierenden die attraktiven und vielseitigen Sportkurse nutzten, dann wären das bis zu 800.000 Hochschulangehörige im weitesten Sinne „Aktive“ des adh bzw. seiner Mitgliedshochschulen. Das bedarf einer professionellen Struktur. Aus der historischen Entwicklung und der Länderzuständigkeit für die Hochschulen, haben sich unter den Mitgliedshochschulen sehr verschiedene Modelle durchgesetzt.

In Jena wird erfolgreich eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen staatlichem Hochschulsport, Universitätssportverein, dem Institut für Sportwissenschaft und einer Stiftung praktiziert. Dabei kann Jena auf lange Traditionen blicken. Bereits 1914 wurde in Jena einer der ersten hauptamtlichen Universitäts- Turn- und Sportlehrer eingestellt. Der aus Gotha stammende Hermann Eitel füllte diese Funktion mit großem Engagement aus, unterstützt von studentischen Übungsleitern, Hilfsassistenten und gewählten „Sportamtsleitern“ der Studentenvertretung. Abgesehen von der Zeit der Urburschenschaft, wo es schon mal so etwas wie Pflichtsport gab, wurde in Jena auf Drängen der Studentenschaft 1925 der Pflichtsport für alle Studenten der ersten drei bis vier Semester eingeführt, womit Jena wieder eine der ersten Hochschulen in Deutschland war, die dies umsetzte. Nach dem Ende des II. Weltkriegs, ab 1946, übernahmen es dann Studentenvertreter in der Funktion der Sportreferenten, die den Studentensport wieder aufbauten. Namen wie Heinz Domdey, Walter Barton und Wolfgang Möhring stehen hier für eine schwierige Pionierarbeit. Leider durfte Wolfgang Möhring 1948 bei der Gründung des adh in Bayrisch-Zell selber nicht dabei sein. Die Sowjetische Militäradministration (SMAD), die für die Uni Jena zuständig war, hatte ihm keine Reisegenehmigung erteilt. Ob dies mit seinem Engagement in der Liberal Demokratischen Partei zusammenhing ist ebenso ungeklärt, wie die genaueren Hintergründe für seine spätere zeitweilige Verhaftung. Er setzte sich daraufhin lieber nach Westberlin ab, wo er zu den ersten Studenten der neu gegründeten Freien Universität gehörte. In Jena war der letzte Studentenratsvorsitzende, dessen Wahl aber schon ganz unter der Dominanz der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) stand, Georg Buschner. Da gab es aber schon kein Sportreferat mehr. Buschner wurde später zur Legende als erfolgreicher Fußballtrainer. Als Studentenratsvorsitzender hatte er die „politische“ Aufgabe übernommen, das Sportreferat „abzuwickeln“ und für den Übergang der Studentensportler zur Hochschulsportgemeinschaft (HSG) zu sorgen. Erst im Herbst 1989 konnte dann wieder an die Traditionen der partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen hauptamtlichen Sportlehrern und gewählten studentischen Sportreferenten angeknüpft werden, die 1993/94 zum „Jenaer Modell des Hochschulsports“ führten, welches noch heute praktiziert wird.

Zurück zur adh-Tagung in Jena: Bei der „Eröffnungs-Abendveranstaltung“ wurden die erfolgreichsten Studentensportler des Jahres 2015 geehrt. Die beiden Goldmedaillensieger der Universiade im südkoreanischen Gwangju Fabian Hambüchen (Turnen) und Lena Urbaniak (Kugelstoßen) wurden als Hochschulsportler und Hochschulsportlerin des Jahres geehrt. Der Titel der besten Hochschule ging an die Universität Paderborn. Der Vorstand des adh Felix Arnold, der selbst seine Aufnahmeprüfung für ein Sportstudium in Jena abgelegt hatte, dann aber nach Göttingen ging, verpasste leider die historische Reminiszenz zu den erfolgreichsten Studentensportlern der gastgebenden Universität, nachzulesen in der „Ehrentafel des Universitätssports“. Besondere Verdienste, die eigentlich mit einer Eintragung in die „Hall of Fame“ des adh geehrt werden könnten, erwarben sich Siegfried Dempe, Luise Lockemann und Fritz Müller, die bei Studentenweltmeisterschaften zusammen 12 Medaillen darunter 7 goldene für Deutschland errangen. Bei Universiaden holten die Jenaer Studenten Renate Meißner (Stecher), Bärbel Struppert, Marlies Göhr und Wolfgang Nordwig Goldmedaillen, allerdings für die DDR, deren Sporttraditionslinie man nur bedingt auf der adh-Homepage wiederfindet.
Dr. H. Kremer

Bildunterschrift: Die im Volksbad beim adh-Abend geehrten Sportler des Jahres.

In: Thüringische Landeszeitung vom 3. Dezember 2015 Nr. 470
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