Who is who 2016 - Rennsteiglaufbiografien erschienen

Mit Herz und Seele

Wie schon in früheren Beiträgen beschrieben, entstand die Idee, die zur Entwicklung des GutsMuths-Rennsteiglaufs führte, bei den Orientierungsläufern der Betriebssportgemeinschaft (BSG) Lok Weimar und der Hochschulsportgemeinschaft (HSG, heute USV) Uni Jena. Dies ist auch ein Grund, warum der USV Jena bis heute Mitglied des GutsMuths-Rennsteiglaufvereins (GMRV) ist. Um 2000 hatten, nachdem Dr. Rüdiger Grunow die USV-Stimme mit Sitz im Präsidium des Rennsteiglaufvereins übernommen hatte, die beiden Präsidenten Prof. Dr. Karl-Ulrich Meyn (USV) und Prof. Dr. Gerd Scarbata (GMRV) eine Vereinbarung unterzeichnet, wo die zukünftige Zusammenarbeit geregelt wurde.
Darin ist u. a. zu lesen: „Der USV unterstützt den Rennsteiglauf bei der Traditionspflege mit der regelmäßigen Herausgabe des „Rennsteig-Rekordbuches“. Letzteres ist unter dem Titel „Who is who – Rennsteiglaufbiografien“ inzwischen in der achten Auflage erschienen. In ihm werden besonders Traditionsläuferinnen und –läufer des Rennsteiglaufs vorgestellt. Traditionsläufer wird man nach der 25. erfolgreichen Teilnahme an Europas größtem Crosslauf über die Höhen des Thüringer Waldes.
Da beim ersten großen Rennsteiglauf, mit annähernd 1000 Teilnehmern im Jahre 1975, von der Uni Jena beginnend die Traditionspflege kontinuierlich weiterentwickelt wurde, können die Organisatoren heute auf eine Datenbank von mehr als 1000 Traditionsläufern zurückgreifen. In der neuesten Auflage des „Who is who“ findet man viele interessante Geschichten zu ihnen. Eine stammt von Rolf Becker, der kürzlich im Alter von 68 Jahren nach langer schwerer Krankheit verstorben ist. Er war ein Rennsteigläufer mit Herz und Seele. Er gehörte der von dem ebenfalls kürzlich verstorbenen Dr. Wilfried Ehrler an der DHfK gegründeten Laufgruppe an. Wilfried Ehrler war beim Rennsteiglauf nicht nur Teilnehmer, sondern auch Mitglied der Siegermannschaft 1975 und vor allem Wissenschaftler, der mit der Forschungsbeiträgen und Publikation zu trainingswissenschaftlichen Themen die Entwicklung des Laufs sehr positiv gefördert hatte. Rolf Becker hatte bei ihm studiert und den Weg zum Rennsteiglauf gefunden. Obwohl Becker in Leipzig wohnte, arbeitete er viele Jahre eng mit der Arbeitsgruppe „Agitation und Propaganda“ des Rennsteiglaufs, die in Jena verortet war, zusammen. Er kümmerte sich um die Beschaffung der Rennsteiglaufplakate und Ergebnishefte. Auf Grund seiner Funktion, anfangs bei der Stadtparteileitung Leipzig bei Dr. Roland Wötzel, der ebenfalls aktiver Rennsteigläufer war und bei der friedlichen Revolution 1989 in Leipzig mit Kurt Masuhr eine wichtige Rolle spielte, besorgte Becker die Druckgenehmigungen. Als kleines Dankeschön bekam er für seine Laufgruppe zusätzliche Startkarten, die ansonsten streng limitiert waren. In einem früheren „Who is who“ schrieb er selber dazu: „So umworben die limitierten und nach Verteilerschlüssel erkämpften Startkarten waren, nicht weniger bedeutsam war es für jeden Läufer in den 1970er und 1980er Jahren, einige der ebenfalls viel zu wenigen Souvenirs vom Rennsteiglauf irgendwie zu bekommen.“ Für die Laufgruppe der DHfK aus Leipzig, die immer mit dem Bus nach Neuhaus am Rennweg zum Start auf der „Kleinen Strecke“ anreiste, war es die Aufgabe von Rolf Becker, möglichst viele dieser Souvenirwünsche zu erfüllen.
1986 – zum 14. GutsMuths-Rennsteiglauf - der mit Regen und Schlamm in die Annalen eingehen sollte, waren es Laufhemden, Mützen, Wimpel, Aufnäher, Gläser, Krüge, Stirnbänder, Hüte, Slip mit Aufdruck und anderes, die meistens mit Hilfe der Jenaer Lauffreunde von Becker organisiert worden waren. Es war dabei immer wichtig, dass die Gestaltung das jährlich wechselnde Laufmotto auf dem jeweiligen Souvenir sich deutlich erkennen ließen. Solche Sprüche von früher, wie „Einmal ist keinmal“, „Je länger je lieber“, „Dabei sein ist alles“, „Nur lieben ist schöner“ und „GutsMuths-Läufer sind aktiver“, auf dem Slip oder T-Shirt, waren heiß begehrt. Eine entsprechend der Bestellliste hatte Becker im Bus erstellt und auch ohne Handy und Internet bis zum Ziel die Beschaffung organisiert. Auf der Rückfahrt, nachdem alle den Lauf ausgiebig analysiert und diskutiert hatten, die Härten des Wetters fast vergessen waren sowie die erste Reaktion wie: „…nie wieder solch eine Strecke zu laufen“, schon wieder korrigiert worden war, kam es zur Verteilung der Souvenirs. Diese waren natürlich zu wenig oder die Größen stimmten nicht, so dass eine lebhafte Tauschaktion einsetzte. Letztlich kam jedoch allgemeine Zufriedenheit auf und die Meinung, dass im nächsten Jahr sowieso alles besser sein würde! Noch oder gerade heute sind viele stolz darauf, diese Souvenirs - die übrigens ein nicht unwesentlicher Bestandteil der Finanzierung des Rennsteiglaufes waren - nicht nur erworben, sondern auch gesammelt zu haben.
Mit dem seit 1975 existierenden und bis Mitte der 1990 Jahre von Jena aus gesteuerten Souvenirbeschaffung und Vertrieb, konnte der Rennsteiglauf einerseits seine Kassen auffüllen und viele Jahre den mitorganisierenden ca. 25 Sportgemeinschaften eine Aufwandsentschädigung übergeben, die der Sportarbeit am Rennsteig diente. Außerdem trugen besonders T-Shirts, Plakate und Wimpel mit dazu bei, dass der Rennsteiglauf „DDR-weit“ zu den bekanntesten Laufveranstaltungen gehörte.

Dr. Hans-Georg Kremer

Bildunterschrift: Hier Rolf Becker mit einem Baumwolltrikot (T-Shirt) und dem Aufdruck des Konterfeis vom Namenspatrons des Rennsteiglaufs, J. C. F. GutsMuths Anfang der 1980er Jahre.

In: Thüringische Landeszeitung vom 31. März 2016 Nr. 485
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