Zur Geschichte des GutsMuths-Rennsteiglaufs

Neue Zielgruppen

Für das geplante Denkmal für Hermann Peter, dem Mitbegründer des modernen Sports in Jena, verkaufen der Supporters Trust e. V. und die Stiftung Jenaer Universitätssport Stifterbriefe in Gold und Silber. Einen solchen hat Steffi Oertel erworben, Fördermitglied des USV Jena e. V. und Absolventin des Instituts für Sportwissenschaft. Unter ihrem Mädchennamen Steffi Rüdiger war sie Anfang der 1990 Jahre nicht nur als erfolgreiche Teilnehmerin auf der Marathonstrecke beim Rennsteiglauf bekannt, sondern auch die erste Läuferin, die sich mit dem Titel „Miss-Rennsteiglauf“ schmücken durfte. Insgesamt drei Mal wurde diese Auszeichnung verliehen, immer an erfolgreiche Rennsteiglauf-Teilnehmerinnen, von denen Lauffotos einer Jury des Organisationsbüros eingereicht werden mussten und die dann bei der Mitgliederversammlung des Vereins ausgewählt wurden. Diese Titelverleihung war mit den Fernsehjournalisten Klaus Anders und Karsten Böttcher entwickelt worden, um die Berichterstattung über Europas größten Crosslauf für das Fernsehen vielseitiger gestalten zu können. Dazu gehörten auch noch die Vergabe eines Umweltpreises sowie die eines Preises an den 974. Läufer der beim „Großen Beerberg“, den höchsten Punkt des Rennsteiglaufs (974 Meter über den Meeresspiegel) ankam. Dieser Preis, bei dem es eine echt goldene Medaille mit der Portrait von Julius v. Plänckner, dem Begründer des Rennsteigwanderns im Werte von 974 DM gab, die von dem bekannten Zella-Mehliser Medailleur Helmut König geschaffen wurde. Dieser schneidet gerade eine Medaille von Hermann Peter, die der Supporters Trust e. V. zu Gunsten des Denkmals verkaufen wird. Auch ein Familientreffen von fast 50 Namensträgern „Gutsmuths“ in Schnepfenthal gehörte zu den „fernsehwirksamen“ Rahmenveranstaltungen des GutsMuths-Rennsteiglaufs.
In einem Gesamtkonzept, welches vom Öffentlichkeitsausschuss für das Präsidium des Rennsteiglaufs erarbeitet worden waren, stand aber vor allem der Ausbau des Streckenangebots. Hintergrund war der rapide Rückgang der Teilnehmerzahlen des Rennsteiglaufs nach der politischen Wende in der DDR. 1991 kamen 1442 Läufer beim Supermarathon ins Ziel und 3097 beim Marathon. Dazu müssen noch die Wanderer auf der 35-Kilometerstrecke gerechnet werden, womit aber verglichen zu den Zahlen von vor der Wende nur noch ca. 60% der Starter erreicht werden konnten. Die Wanderung über 35 Kilometer war 1989 ins Programm aufgenommen worden, um die zentral „verordnete“ Limitierung auf 9.000 Startkarten umgehen zu können. Damit konnte 1989 eine Anmeldezahl beim Rennsteiglauf von über 10.000 erreicht werden. Die etwa 800 Wanderer halfen dann Anfang der 1990 Jahre beim finanziellen Überleben des Rennsteiglaufs. 2016 ist diese Strecke letztmalig ausgeschrieben worden.
Zwei Grundideen beinhaltete die Konzeption zur Entwicklung neuer Strecken beim Rennsteiglauf. Das war erstens die Einbeziehung möglichst des gesamten ca. 170-Kilometer langen Rennsteigs, der vor der Wiedervereinigung nur etwa über 110 Kilometer nutzbar war, weil die restlichen Passagen an beiden Enden im Grenzgebiet lagen. Dazu gab es mehrere Versuche die ersten 15 Kilometer von Hörschel bis zur Hohen Sonne als „Lockerlauf“ ohne Zeitnahme ins Programm aufzunehmen. Ähnlich, beispielweise dem Berlin-Marathon, wo man schon am Vortage eine kurze Laufstrecke absolvieren kann, sollten hiermit auch die Übernachtungszahlen in der Region um Eisenach positiv stimuliert werden. Das östliche Ende des Rennsteigs bei Blankenstein, war bereits 1990 durch den gesamtdeutschen Rennsteiglauf angeschlossen worden. Diese landschaftlich völlig anders als der übrige Rennsteig als Kammweg gearteten 55 Kilometer mit mehrfacher Passage der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze mit hochengagierten Organisatoren vor Ort, war dann bis vor zwei Jahren als 50-Kilometer-Wanderung im Rennsteiglaufprogramm ausgeschrieben. Beide Strecken hatten keinen Bestand, was vor allem auf Grund mit der relativ geringen Teilnehmerzahl begründet war. Auch die einmalig organisierte „Laufserie“ des „Rennsteigdreiers“, bestehend aus 15 Kilometer am Freitagabend, Supermarathon am Samstag und 55 Kilometer am Sonntag fand nicht genügend Interessenten, wenn auch die fehlende Werbung dafür einen nicht unwesentlichen Anteil hatte, so dass auch diese Ideen wieder aufgegeben wurden. Genauso erging es dem „Rennsteig-Total“, wo diese drei Teilstrecken einmal hintereinander absolviert wurden, wobei die dritte Passage von Schmiedefeld bis nach Blankenstein über fast 100-Kilometer führte.
Die zweite Idee des Konzepts bestand in der Erschließung völlig neuer Zielgruppen. Dazu gehörten die erfolgreich ins Programm aufgenommenen Kinderläufe, die heute noch fester Bestandteil als Junior-Cross mit ca. 1000 Kindern im Zielort Schmiedefeld sind. Die wichtigste und bis heute finanzielle erfolgreiche Neuerung war 1992 die Aufnahme des Halbmarathons ins Programm. Dazu kamen dann später noch die „kurze“ Wander- und die Nordic-Walking-Strecke die ebenfalls in Oberhof gestartet wird. Diese drei Strecken stellen heute mehr als die Hälfte der Starter. Der in Oberhof gestartete Halbmarathon für Rollstuhlfahrer konnte sich auf Grund der Kompliziertheit der Streckenführung und der geringen Starterfelder nicht halten.
Eine Sonderrolle spielten die Rennsteig-Traditionsläufe „100 laufen 100“, „82 laufen 82“, „50 laufen 50“ und „60 laufen 60“, die der USV Jena zur Traditionspflege für den Rennsteiglauf, auch als Medienereignis erfolgreich durchführte, was aber eine andere Geschichte ist.
Dr. H. Kremer
Bildunterschrift: Miss-Rennsteiglauf (2.v.l.) nach erfolgreichem Rennsteig-Marathon 1992.

In: Thüringische Landeszeitung vom 5. Mai 2016 Nr. 2016
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