Zwei Fußballvereine mit den Namen Wacker in Jena

Die Tore des SC Wacker sahen tausende Zuschauer

Im Zusammenhang mit dem Projekt des Supporters Trust e. V. und der Stiftung Jenaer Universitätssport - ein Denkmal für Hermann Peter - 100 Jahre nachdem dies schon mal in Auftrag gegeben worden war - haben wir einige Beiträge zu den Sportstätten in der Oberaue veröffentlicht. Zwischen 1900 1930 gab es nicht nur die schon für damalige Verhältnisse sehr umfangreichen Sportplätze in der Oberaue, die vom „Spielplatzverein“ unter wesentlicher Mitwirkung von Hermann Peter erbaut worden waren. Einige Jenaer Turnvereine besaßen eigene „Sportplätze“, die allerdings als „Turnplätze“ oder als „Turnspielplätze“ bezeichnet wurden. Der Begriff „Sport“, der aus dem englischsprachigen Raum kam, galt damals als „fremdländisch“ oder „ausländisch“ und war damit negativ belegt. Im „Deutschen Kaiserreich“ hatten die „deutschen“ Turner zu diesem Zeitpunkt noch eine Vormachtstellung bei allem, was mit Leibesübungen und Leibeserziehung zu tun hatte. Das wirkte sich auch im täglichen Sprachgebrauch aus. Zeitungsüberschriften in der Jenaischen Zeitung lauteten zum Beispiel „Sportwesen“, wenn es sich um sportliche Wettbewerbe wie Fußball, Leichtathletik oder Radsport handelte, die nichts mit dem Turnen zu tun hatten.
Als Turnplätze um 1900 ist der Turnplatz des Jenaer Turnvereins 1859, der sich hinter dessen 1895 gebauten Turnhalle zwischen der Jahn- und der Lutherstraße befand, bekannt. Heute steht auf diesem Gelände die Kegelbahn und ein Anliegerparkplatz. Später baute der Turnverein noch einen Turnplatz mit Vereinsheim auf dem Forst, der heute nur noch als Holzlagerplatz genutzt wird. Der Turnverein Wenigenjena hatte einen Turnplatz etwa 200 Meter nördlich der „Schillerkirche“. Später zogen die Wenigenjenaer auf den neu errichteten Platz neben dem heutigen Ostbad um. Bekannt sind um diese Zeit noch die Turnplätze auf dem Kasernenhof beim Westbahnhof und der Turnplatz auf dem Forst von Schott. Die Turnplätze in den Vororten Zwätzen und Lichtenhain betrachten wir später. Nach 1903 begann dann der FC Carl Zeiss südlich des Spielplatzgeländes in der Oberaue eine eigene Sportanlage zu errichten.
Die Stadt selber vermietete noch Sportflächen auf der Landveste, die aber nicht beliebt waren, da sie bei trockenem Wetter sehr staubig waren. Um 1930 tauchen auf Stadtplänen die Spielplätze an den Teufelslöchern, ein Sportplatz in der Oberaue gegenüber dem Paradieskaffee und ein Sportplatz an der „Wiesenbrücke“ nördlich der Badanstalt am Gries auf. Diese drei Sportanlagen unterstanden städtischen Behörden. Die Anlage an den Teufelslöchern wurde 1928 der Universität zum Bau der Landesturnanstalt (Muskelkirche) überlassen. Ersatzweise bekam die Turngemeinde dafür ein Gelände nordwestlich der Muskelkirche. Das dazugehörige Vereinsheim steht noch heute und wird vom Demokratischen Jugendring genutzt. Zur Anlage in der Oberaue unweit der Paradiesbrücke, die vermutlich auf eine großzügige Stiftung vom Mediziner Prof. Dr. Moritz Seidel zurückgeht, sind bisher nur einige Fotos von Hockeyspieler des 1. Sportvereins als Belege der Nutzung vorhanden. Anders sieht dies beim Sportplatz am Gries aus.
Hier gibt es eine kleine Akte im Stadtarchiv, nach der „…der Sportklub Wacker…den Antrag auf Einrichtung einer Platzbarriere aus fichtenen Stangen (stellte), damit die Zuschauer (1000 zuletzt) nicht auf den Platz drängen.“ Der Sportklub, manchmal auch Sportclub Wacker (SC) geschrieben, beantragt außerdem die Anbringung von Tornetzen auf dem Sportplatz am Gries. Um 1923 heißt es in einem Schreiben, mit dem Wacker bei der Stadt einen dauerhaften Pachtvertrag erbat: „Der Spielplatz an der Saale von Jena über der Notbrücke wurde vom 1920 gegründeten Sportklub Wacker zum schönsten in Thüringen gemacht.“ Teilweise erfolgte die Nutzung des Platzes durch den Zirkus, was immer zu Problemen führte, da der Platz von Wacker in Eigenleistung in über 1000 Stunden hergerichtet worden war. Der Arbeitersportverein Wacker, in dem vor allem Fußballer organisiert waren, hatte damals nach eigenen Angaben 200 Mitglieder, davon 60 Jugendliche. Wacker wollte den Platz langfristig pachten, was von der Stadt aber abgelehnt wurde.
Der SC Wacker ist nicht zu verwechseln mit dem drittältesten Fußballverein in Jena, dem FC Wacker. Zwischen 1907 und 1914 war er nach dem Fußballhistoriker Udo Luy unter verschiedenen Namen aktiv. In einer Veröffentlichung in der Verbandszeitschrift „Mitteldeutscher-Sport“ steht dazu: „Zu dem Fußballklub Carl Zeiß gesellte sich kurze Zeit darauf der Fußballklub Wacker, der sich später den Namen Thuringia zulegte. Die Thuringia ging dann zu dem Turnverein über und spielte dann als Spielabteilung dieses Vereins. Es zeigte sich aber, daß die Turnvereine für eine solche Abteilung das notwendige Verständnis seinerzeit nicht zeigten. Die Spielabteilung trat dann wieder aus dem Vereine aus, spielte dann unter dem Namen Wacker, um später sich mit dem Fußballklub Nord zu vereinigen und sich den Namen Spielvereinigung zuzulegen, die heute ja noch ein angesehener Verein des Verbandes ist.“ Als FC Wacker spielte er 1909 in der II. Klasse des 2. Bezirks von Thüringen gegen die II. Mannschaften von Zeiss, Vimaria Weimar, FV Saalfeld und den FC 1907 Weimar. 1933 findet man letztmalig in Adressbüchern die Spielvereinigung Jena 1908 mit den Abteilungen Fußball, Boxen, Schwimmen und Leichtathletik. Der 1. Vorsitzende war damals der Stadtsekretär Otto Angelroth

Dr. H. Kremer


Bildunterschrift: In der Postkartensammlung von Wieland Knetsch existieren zwei Mannschaftsfotos vom Arbeitersportverein.

In: Thüringische Landeszeitung vom 2.6.2016 Nr. 494
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