Bockwindmühle bei Jena und andere technische Denkmäler öffnen am 16. Mai zum Mühlentag

Wann? 16.05.2016

Wo? Bockwindmühle, 07751 Jena DE
Die Bockwindmühle in Krippendorf bei Jena. Zum Mühlentag am Pfingstmontag hat sie geöffnet.
 
Helmut Wiersbinski, Joachim Kennemann und Karsten Seifert (von links) am Steert, dem "Drehbalken" der Bockwindmühle.
Jena: Bockwindmühle |

Mühlen gelten als die ältesten Maschinen der Menschen. Mit ihnen wurde nicht nur Mehl gemahlen und Öl gepresst. Auch Papier konnte man mit ihnen herstellen und Schmiedehämmer schwingen lassen. Grund genug den technischen Denkmälern einen besonderen Tag zu widmen: den Mühlentag am Pfingstmontag. Das nächste Mal findet er am 16. Mai statt – unter anderem in der Bockwindmühle in Krippendorf bei Jena.

Manchmal dreht Karten Seifert sprichwörtlich sein Fähnlein nach dem Wind. Ein Opportunist ist er trotzdem nicht, sondern begeistert von alter Mühlentechnik.
Seit vielen Jahren engagiert er sich für die Bockwindmühle in seinem Heimatort Krippendorf, einem Ortsteil von Jena mit rund 120 Einwohnern.

Mühlenfreunde kümmern sich ums Denkmal


„Die Bockwindmühle ist die klassische deutsche Windmühle“, erklärt Seifert. „Sie steht fest auf einem hölzernen Bock. Das Mühlenhaus und die Flügel aber werden in den Wind gedreht. Die Windkraft treibt dann die Mahlsteine im Inneren an.“ Fürs Drehen sind Geschick und Muskelkraft unabdingbar. Deshalb müht sich Seifert nicht allein am Steert, dem überlagen Drehbalken. Rund 40 Mühlenfreunde, zumeist im Feuerwehr- und Heimatverein Krippendorf organisiert, stehen ihm zur Seite. Sie helfen am Steert, erklären Besuchern die alte Technik, halten gemeinsam die Mühle instand, bieten Führungen an und organisieren den Mühlentag, der traditionell am Pfingstmontag gefeiert wird.

Dass die Krippendorfer in einer ganz besonderen Beziehung zu ihrer Mühle stehen, hat einen Grund und Namen: Als am 18. Januar 2007 das Orkantief Kyrill mit bis zu 225 Kilometer pro Stunde über Deutschland fegte, zerlegte es auch die über 250 Jahre alte Mühle. Wie ein Puzzle lagen die Teile verstreut an der großen Fläche hinterm Dorf. „Wir mussten alles sichten, bewerten, zuordnen und einiges wieder nachbauen“, beschreibt Seifert den mühevollen Weg der Mühle zurück ins Dorfleben. Das ist nun schon wieder fünf Jahre her. Ein kleines Jubiläum kann deshalb am 16. Mai gefeiert werden.

Vier Jahre hatte damals der Wiederaufbau gedauert und 250000 Euro gekostet. Das Land Thüringen und die Stadt Jena haben diese Summe aufgebracht. Für die Unterhaltung aber sorgt der Verein, denn die Mühle ist untrennbar mit dem Ort verbunden. Sie gilt als sein Wahrzeichen. „Wir haben die Mühle wieder so hergestellt, wie sie einst in Betrieb genommen wurde“, berichtet Vereinsvorsitzender Helmut Wiersbinski und freut sich, dass die Bemühungen der Krippendorfer honoriert werden. Nicht nur Schulklassen kommen in den Ort, um zu erfahren, wie früher Mehl fürs Brot gemahlen wurde, auch Seniorengruppen und Geburtstagsgesellschaften. Selbst Amerikaner haben schon vorbeigeschaut. „Die lieben ja alles, was alt ist“, so der Vereinsschef.

Wahrzeichen hat mehr als nur Schauwert


Für die Mühlenfreunde hat das Krippendorfer Wahrzeichen mehr als nur Schauwert. Sie wollen zeigen, mit wie viel Ideenreichtum ihre Vorväter Naturkräfte und die weiten, windigen Flächen auf der Saaleplatte zu ihrem Vorteil ausnutzten, bevor man begann, mit Strom das Mahlwerk zu betreiben. Dass es heute wieder Bestrebungen gibt, die Winde hinterm Dorf – mit Windrädern – in Energie zu verwandeln, ist eine andere Geschichte, deren Ende noch nicht erzählt ist.
16. Mai, ab 10 Uhr Mühlentag an der Bockwindmühle in Krippendorf bei Jena mit Mühlenführungen; Schaubacken; Märchenhaftem über Mühlen, Getreide und Ernährung; Biwaken und Schauexerzieren der AG „Jena 1806“

INFORM@TION

www.bockwindmuehle-krippendorf.de,
Veranstaltungen hier und unter www.muehlen-dgm-ev.de

ZUR SACHE

+ Seit 1994 wird jährlich am Pfingstmontag zum Deutschen Mühlentag eingeladen. Über 1800 Mühlen öffnen an diesem Tag ihre Türen für Besucher.
+ Mit dem Mühlentag will die veranstaltende Deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung das Interesse für Mühlen als technische Denkmäler wecken.
+ Mühlen gelten als die ältesten Maschinen der Menschheit. Über 160 Anwendungsbereiche konnten bis heute nachgewiesen werden. Neben der Verarbeitung von Getreide dienten Mühlen unter anderem dem Sägen von Holz, dem Pressen von Öl, dem Stampfen von Flachs (Bokemühle), dem Schöpfen bzw. Pumpen von Wasser, als Antrieb für Schmiedehämmer, zum Schleifen und zur Papierherstellung. Als Energiequelle werden Wind oder Wasser genutzt.
+ In Thüringen haben Pfingstmontag 62 Mühlen sowie der Mühlen-Miniaturpark im Eisenberger Mühltal und das Technisches Musum Gesenkschmiede in Zella-Mehlis geöffnet.

FAKTEN ZUR MÜHLE

zwischen 1738 bis 1742 erbaut
1806 wichtiger Orientierungspunkt in der Schlacht bei Jena und Auerstedt
1976 Einstellung des Mühlenbetriebes
1977 bis 1983 Restaurierung durch die letzte Müllerfamilie in Zusammenarbeit mit dem Kulturbund
18. Januar 2007 Zerstörung durch Orkantief Kyrill
31. August 2009 feierlicher 1. Spatenstich für den Wiederaufbau
13. Juni 2011 Wiederinbetriebnahme nach Wiederaufbau
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